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Fessenheim Das Dorf, das die Atomkraft liebt

Sich für den Erhalt von Atomkraftwerken einzusetzen, ist kaum vorstellbar. In Frankreich kämpft ein ganzes Dorf für den Erhalt seines AKWs.
5 Kommentare
Doch die Anlage abzureißen, wäre „idiotisch“, sagt Jean-Luc Cardoso, Techniker und Gewerkschafter, der seit fast 30 Jahren in dem Kraftwerk arbeitet. Er und seine Gewerkschaft CGT sehen noch eine große Zukunft für die Anlage. Quelle: dpa
Atomkraftwerk Fessenheim

Doch die Anlage abzureißen, wäre „idiotisch“, sagt Jean-Luc Cardoso, Techniker und Gewerkschafter, der seit fast 30 Jahren in dem Kraftwerk arbeitet. Er und seine Gewerkschaft CGT sehen noch eine große Zukunft für die Anlage.

(Foto: dpa)

FessenheimFeinde und Freude des Atomkraftwerks Fessenheim leben nah beieinander. Räumlich trennt sie nur der Rhein. Doch Welten liegen zwischen ihnen, wenn es um ihre Meinung zu diesen ältesten noch laufenden Atomreaktoren Frankreichs geht.

Auf der deutschen Rheinseite fordern Bürgerinitiativen und Politik seit Jahren vehement das Ende der Anlage. Die Argumente der baden-württembergischen Landesregierung: Bei einem schweren Unfall in Fessenheim, das unmittelbar an der deutsch-französischen Grenze liegt, müsste das rund 20 Kilometer Luftlinie entfernte Freiburg komplett evakuiert werden. Zudem stehe das Atomkraftwerk nicht auf ewig festem Grund - rechtsrheinisch liege die erdbebenstärkste Region Deutschlands. Gegen Erdbeben seien die Reaktoren nur unzureichend gesichert.

Im Elsass dagegen kämpfen Politiker, Gewerkschaften und Anwohner wohl genauso erbittert um die Erhaltung des rund 40 Jahre alten Kraftwerks. Doch jetzt haben sie den Kürzeren gezogen. Politik und Betreiber EDF haben den Betriebsstopp der Anlage für Ende 2018 oder Anfang 2019 angekündigt - und in Fessenheim versteht man die Welt nicht mehr.

„Das Kraftwerk ist so gefährlich nun auch wieder nicht“, sagt Philippe Mailly, ein älterer Herr aus dem nahegelegenen Rouffach. Besser gesichert als die Anlage in Tschernobyl mit ihrer Atomkatastrophe im Jahr 1986 sei es allemal. „Wenn es in die Luft fliegt, fliegt es in die Luft. Ich glaube, man sollte daran nicht zu viel denken“, sagt er noch, bevor er an schmucken Fachwerkhäusern vorbei zur Post geht.

„Ich kenne Fessenheim nur mit dem Kraftwerk“, sagt eine Bäckereiverkäuferin. „Mich hat es noch nie gestört.“ Und einer Passantin, die auf dem Weg zur Bank ist, machen die Reaktoren mehr Angst, wenn sie erst einmal abgeschaltet sind. „Solange das Kraftwerk läuft, wird es wenigstens überwacht.“

Es ist klar: Fessenheim ist mit dem Kraftwerk eng verbandelt. Unzählige Hochspannungsleitungen prägen den Blick auf den Ort und das dahinterliegende Bergpanorama der Vogesen. 80 Prozent der Steuereinnahmen verdankt die Kommune dem Kraftwerk, wie französische Medien vorrechnen. An den Toren der Anlage selbst hängen große Transparente. Auf einem heißt es: „Das Kraftwerk ist sicher. Auf dass es bestehen bleibe.“ Auf Französisch reimt sich das.

Generell hat die Kernkraft einen vergleichsweise guten Stand in der öffentlichen Meinung der Franzosen. In einer repräsentativen Umfrage sprachen sich 2016 mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) gegen die Schließung von Anlagen aus. In Deutschland dagegen will eine große Mehrheit den Atom-Ausstieg.

Zuletzt stammte hierzulande nur knapp jede achte Kilowattstunde aus einem Atomkraftwerk. In Frankreich liegt der Atomanteil am Strommix dagegen noch bei rund drei Vierteln. Eigentlich sollte dieser Anteil bis 2025 auf 50 Prozent sinken. Doch das Ziel verschob Umweltminister Nicolas Hulot nun um bis zu zehn Jahre nach hinten.

Warum dann ausgerechnet das Kraftwerk in seiner Kommune schließen muss? Das fragt sich Fessenheims Bürgermeister Claude Brender. „Man hat uns als politische Geiseln genommen“, sagt er in seinem Büro im kleinen Rathaus. Ex-Präsident François Hollande habe das Thema einst entdeckt, um damit die Stimmen der Atomkraftgegner zu gewinnen.

Dabei sei die Abschaltung unsinnig: Das Kraftwerk sei abbezahlt, höchst rentabel - und sicher. Warum dann so viele Menschen Angst vor den Reaktoren haben? „Sie sind Opfer von Falschinformationen.“ Viel gefährlicher seien Kohlekraftwerke, wie es sie in Deutschland zu Hauf gebe. Deren Emissionen machten krank.

Wegen der Schließung würden nun viele der rund 2200 direkt oder indirekt beim Kraftwerk Beschäftigten ihre Arbeit verlieren. 300 Menschen, so rechnet Brender vor, werden Fessenheim wahrscheinlich den Rücken kehren - bei insgesamt 2400 Einwohnern. Steuereinnahmen von drei Millionen Euro jährlich gingen flöten. „Man reißt uns einen Teil von uns selbst heraus.“

Brender fordert eine Schonfrist: Mindestens bis 2021 solle das Kraftwerk noch am Netz bleiben, bis eine seiner Betriebserlaubnisse auslaufe. Diese Zeit sei nötig, um neue Stellen zu schaffen.

Dass die Regierung unter Präsident Emmanuel Macron darauf eingeht, ist unwahrscheinlich. Gerade erst wurde ein Komitee mit Staats- und Wirtschaftsvertretern sowie Gewerkschaftern geschaffen, das die Gegend auf ihre Zukunft nach der Kernkraft vorbereiten soll. Im Gespräch ist ein deutsch-französischer Industriepark. Aus Deutschland kamen bereits positive Signale. Man sehe sich dabei in der Pflicht, sagt Südbadens Regierungsprädentin Bärbel Schäfer (parteilos). Der Kraftwerksbetreiber EDF plant den Rückbau des Kraftwerks.

Doch die Anlage abzureißen, wäre „idiotisch“, sagt Jean-Luc Cardoso, Techniker und Gewerkschafter, der seit fast 30 Jahren in dem Kraftwerk arbeitet. Er und seine Gewerkschaft CGT sehen noch eine große Zukunft für die Anlage. Ihnen schwebt vor, das abgeschaltete Kraftwerk in eine Art Fortbildungszentrum für Techniker und Ingenieure zu verwandeln, wo sie beispielsweise an echten Tanks Risse erkennen lernen könnten.

Und ganz ohne Ersatz für das Kraftwerk komme Fessenheim auch nicht aus, sagt Cardoso - allein schon, um die Stromnetze stabil zu halten. Der 50-Jährige wirft ein neues Gaskraftwerk ins Rennen. Am besten jedoch wäre aus seiner Sicht: ein neues Atomkraftwerk.

  • dpa
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5 Kommentare zu "Fessenheim: Das Dorf, das die Atomkraft liebt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • An der Diesel-Verbotsdiskussion kann man jetzt schön sehen, wie die gleiche Ideologie die hinter der Atom-Hysterie steht, jederzeit auf jede andere Technik angewendet werden kann. Wenn man pingelig jede kleinste Gesundheitsgefahr vermeiden will, darf man am Ende praktisch gar keine Technik mehr verwenden. Die Risiken der Atomkraft waren nie größer als die der restlichen Industrie, wer glaubt er muß diese mit Abschaltung vermeiden, der muß dann konsequenterweise auch die restliche Industrie "abschalten".

  • Erst wenn alle Atommeiler abgeschaltet und die Automobil- und andere Industrien endgültig nach China verlagert worden sind, und es auch keine jobs mehr in anderen Industrien gibt wird dieser ignorante rot grüne Beamtenstaat aufwachen- doch dann wird esfür immer zu spaät sein.
    Bestes Beispiel ist die einst florierende und führende Automobilindustrie Grossbritanniens, die heute nur noch ein Schattendasein führt und längst demontiert wurde (Rover) oder sich sonstwie im Besitz von Indern und Chinesen befindet (Jaguar).Andere marken haben nur noch ein einziges Monatagewerk oder sind komplett vom Markt verschwunden.
    Das ist bereits gewesene Realität und in der Flugzeugindustrie des einstigen Empires sieht es ähnlich aus. Bis heute konnten diese Arbeitsplätze nicht wieder ersetzt werden und einige Regionen leider noch immer an den Folgen wie z.B. Coventry, Glasgow, Manchester.
    Für Deutschland zeichnet sich ein ähnlicher Weg ab, aufgrund von wahnwitziger Atompolitik, Dieselverboten und sonstigen umweltpolitischen Einschränkungen.
    Für ein rohstoffarmes Land wie Deutschland gibt es kaum Alternativen. Ein Land ohne Fabriken ist ein Land ohne Zukunft- das muss jedem rot grünen Politiker endlich klar werden. Ansonsten droht der Exidus oder shut down wie in den USA oder ein fail state wie in Russland! Total überschuldet ist Deutschland jetzt schon - einige begreifen das nur noch nicht ganz.

  • Kernkraft ist nicht der Weisheit letzter Schluss, solange es jedoch keine wirklichen und bezahlbaren Alternativen in Deutschland gibt darf nicht einfach aus ideologischen gründen alles abgeschaltet werden- In Frankreich hat man die Tragweite der Energeierzeugung erkannt genau wie in Finnland ein Einvernehmen mit der Bevölkerung besteht zukünftig 5000 Tonnen Atommüll sicher einzulagern- versuchen Sie das mal in deutschland bei unseren völlig verblendeten Mitbürgern.
    Atomstrom aus Frankreich oder Tschechien aus tschenobylgleichen Mailern einzukaufen ist dann der Gipfel der Volksverdummung schlechthin und gibt wieder Zeugnis über die totale Unfähigkeit deutscher Politiker ab - auch von "Energiewende" kann daher keiner Rede sein
    Strom in Deutschland ist deshalb mittlerweile 2,5 mal so teuer wie z.B. in Frankreich- das wird weitere Arbeitsplätze in Deutschland vernichten- der Umwelt wird es auch nichts helfen wenn Atomstrom nicht mehr in Deutschalnd sondern 50 Kilometer weiter linksrheinisch produziert wird- ein Alleingang Deutschlands ist daher sinnfrei

  • Überarbeitet!
    Nicht nur in Fessenheim, auch in anderen (einstigen) Atomgemeinden wie Obrigheim, Gundremmingen, oder Leibstadt steht man zum zukunftsträchtigen, umweltfreundlichen Kernkraftwerk.

    Gründe:
    Aufgrund der 300 - 500 Mitarbeiter je Block* eines Kernkrafts wird viel Wissen in die Bevölkerung eingebracht. So dass die Phantasieberichte deutschsprachiger Medien, Gehirnwäsche, nicht wirkt.

    Das Risikopotential ist real gesehen geringer als das anderer industrieller Grossanlagen, oder umweltschädlicher Windmühlen.

    Real gibt es auch keinen vergleichbar grossen Arbeitgeber der weniger Umweltbeeinträchtigung bewirkt.


    *Das umweltfreundliche Kernkraftwerk Fessenheim besteht aus 2 DWR Blöcken.

  • Nicht nur in Fessenheim, auch in anderen Atomgemeinden wie Obrigheim, oder Leibstadt steht man zum zukunftsträchtigen, umweltfreundlichen Kernkraftwerk.

    Gründe:
    Aufgrund der 300 - 500 Mitarbeiter eines Kernkrafts wird viel Wissen in die Bevölkerung eingebracht. So dass die Phantasieberichte deutschsprachiger Medien, Gehirnwäsche, nicht wirkt.

    Das Risikopotential ist real gesehen geringer als das anderer industrieller Grossanlagen, oder umweltschädlicher Windmühlen.

    Real gibt es auch keinen vergleichbar grossen Arbeitgeber der weniger Umweltbeeinträchtigung bewirkt.

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