Festung Calais „Wir haben alle nur ein Ziel: England“

Frankreich will den Hafen Calais zum Hochsicherheitstrakt machen: Kein Flüchtling soll illegal die Grenze nach England passieren. Der Versuch darf schon jetzt als gescheitert gelten. Ein Besuch in den Flüchtlingslagern.
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Geschätzte 5000 Flüchtlinge leben in fünf Lagern in der französischen Hafenstadt Calais.

Geschätzte 5000 Flüchtlinge leben in fünf Lagern in der französischen Hafenstadt Calais.

CalaisCalais wird zur Festung ausgebaut. Wieder einmal. Doch diesmal kommt der Feind nicht wie seit dem 13. Jahrhundert von Westen, aus England. Oder wie 1940 aus Deutschland. Heute kommt er von innen. Er steht bereits in Calais. 2300 Flüchtlinge, manche Einwohner sprechen sogar von 5000, leben in mindestens fünf Lagern unter freiem Himmel. „Wir haben nur ein Ziel: nach England zu gelangen“, sagt einer von ihnen, ein Sudanese, der sich Ibrahim nennt.

Briten und Franzosen haben ebenfalls nur ein Ziel: Sie wollen den Kanal dicht machen für Illegale. Weder durch den Channel Tunnel, der bei Calais beginnt, noch per Fähre soll die Einreise auf die britischen Inseln noch möglich sein. „Wir werden neue, höhere Zäune am Tunnel und im Hafen bauen, mehr Polizei einsetzen und die Technik verbessern,“ sagt ein Mitarbeiter der Präfektur. Das Ziel sei klar: „Kein Flüchtling darf mehr aus Calais nach England herauskommen, die Stadt muss zur Sackgasse werden.“ Am Montag kommt Innenminister Bernard Cazeneuve in die Hafenstadt, um die unerbittliche Entschlossenheit seiner Regierung zu demonstrieren.

„Die Stadt muss eine Sackgasse sein“ – der Anspruch könnte nach hinten losgehen. Historisch ist Calais schon oft zur Sackgasse für die Bürger selber geworden. In Kriegen mit England, durch die deutsche Besatzung und während der Befreiung durch die Alliierten 1944 wurde die Stadt mehrfach zum Trümmerfeld.

Im Jahr 2014 geht es um eine völlig andere Auseinandersetzung, aber wieder könnte sich das Vertrauen in die Wirksamkeit von Zäunen, Barrieren, Mauern als Trugschluss erweisen. Die Politik der Abschreckung von Flüchtlingen ist nicht neu. Erfolgreich war sie nicht. Sie hat vor zwölf Jahren begonnen mit Nicolas Sarkozy, der damals noch Innenminister war. Er schloss das Auffanglager für Migranten in Sangatte bei Calais. Was er sich denn davon erwarte, wenn er die Migranten einfach auf die Straße setze, fragte ihn eine Journalistin. „Madame, wenn es kein Lager mehr gibt, wird es auch keine Flüchtlinge mehr geben“, blaffte Sarko sie mit schneidender Logik an. Damals gab es rund 1000 Flüchtlinge. Heute sind es mindestens doppelt so viele.

„Im September waren es ungefähr 2300“, sagt der Sprecher der Präfektur des Département Pas-de-Calais. Diese Zahl dürfte eher zu niedrig liegen. Über die ganze Stadt und ihre Randgebiete verteilt sind Lager der Menschen, die vor allem aus Afrika kommen. Überall, wo ein paar Bäume und Büsche stehen, auch auf verlassenen Fabrikgeländen, sieht man improvisierte Zelte. Sie entziehen sich jeder Kontrolle. Es ist unmöglich, sich einen genauen Überblick darüber zu verschaffen, wer da ein und ausgeht. Auch die offiziellen Zahlen der Präfektur über blinde Passagiere, die im Hafen und am Tunneleingang aufgegriffen wurden, legen den Schluss nahe, dass sich mehr Fluchtkandidaten in Calais aufhalten könnten. 19.967 Personen hat die Polizei seit Anfang 2014 erwischt in Autos und Lastwagen, 2.962 illegale Mitfahrer waren es allein im September. Entweder der „Durchsatz“ an Flüchtlingen ist höher als angenommen, oder es halten sich mehr Menschen in Calais auf, als die Behörden angeben.

"Hier können wir nicht bleiben."
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6 Kommentare zu "Festung Calais: „Wir haben alle nur ein Ziel: England“"

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  • Herr Hanke,

    als Bewohner der ehemaligen DDR überlegte ich lange, was ich von Ihren letzten 3 Sätzen halten soll und komme nur zu dem Schluss, daß Ihnen entweder der Unterschied zwischen ein- und ausgesperrt sein nicht klar ist oder daß sie tatsächlich glauben, der "antifaschistische Schutzwall" wurde zum Aussperren des Faschismus erbaut.

    Und wenn Sie schon mit hinkenden Vergleichen die Moralkeule schwingen: die Geschichte zeigt, daß nicht die "Republikflüchtlinge" den Unrechtsstaat zu Fall, zu der Ihrerseits angesprochenen "gestandenen Demokratie", brachten, sondern mutige, aus Verzweiflung ihr Leben riskierende Menschen IN der DDR!

  • Alle Flüchtlinge, meist faule Sotialschmarotzer, die uns auch noch erpressen, müssen sofort in die Ursprungsländer zurück. Sie müssen dort Ihre Heimat incl. Sozialsysteme zwangsweise aufbauen. Dann gibt es keine Flüchtlinge mehr.Flüchtlinge solten nur dann kurzfristig akzeptiert werden, wenn echter krieg herrscht. Bürgerkrieg zählen nicht, da die Personen nicht gewillt sind mit den Nachbar in Frieden zu leben. Bei uns wollen Sie dies? Wer kann dies glauben???? Sie wollen nur sozialschmarotzen!

  • Ich hab gerade einen Artikel hier gelesen dort steht,
    "Der deutsche Radikalislamist" jetzt frage ich mich, wie
    kann man all die Europäer nach Afrika zurückschicken.

  • Man müsste die Leute aufgreifen und nach Afrika zurückbringen, nur das hilft. Solange man - einmal angekommen - bleiben darf, hilft alle Abschreckung nix. Das ist wie ein Honigtopf hinter Mauern.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Daß nun grad die Franzosen die Flüchtlinge gen England bei sich behalten möchten, ist zwar angesichts der chaotischen Lage sowie der unfähigen Bevölkerung im eigenen Land verständlich.

    Helfen wird es nicht, denn kaum einer der Flüchtlinge will in irgendeinem Euro-Land bleiben, wo überall absehbar der Untergang droht.

    So klug sind die Herrschaften denn schon, daß sie wissen, in England geht es schon jetzt wegen der eigenen Währung sowie der harten Austerity-Politik aufwärts.
    Dort kann man arbeiten und leben - in der Rest-EU jedoch nicht.

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