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Finanzmarktregulierung Europäer schrecken vor Verboten zurück

Wunsch und Wirklichkeit klaffen immer weiter auseinander bei der Regulierung der europäischen Finanzmärkte. Das politische Kampfgetöse gegen die Spekulanten helfe nicht weiter, warnt die EU-Kommission. "Das Thema ist extrem komplex", sagt der für Finanzdienstleistungen zuständige Kommissar Michel Barnier. Politische Fehler könnten "äußerst ernste Konsequenzen haben".
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Optionshandel: Der außerbörsliche Handel mit Derivaten wird auf 600 Billionen Euro geschätzt, eine gigantische Grauzone ohne Rechtsrahmen. Quelle: Reuters

Optionshandel: Der außerbörsliche Handel mit Derivaten wird auf 600 Billionen Euro geschätzt, eine gigantische Grauzone ohne Rechtsrahmen.

(Foto: Reuters)

BRÜSSEL. Beispiel Kreditausfallversicherungen (CDS), mit denen Anleger ohne großes eigenes Risiko auf den Bankrott Griechenlands wetten. Der griechische Premierminister Giorgos Papandreou würde den CDS-Markt deshalb gerne schließen, sagte er dem Handelsblatt. Doch die EU-Kommission hält ein CDS-Verbot für gefährlich. "Es könnte dazu führen, dass Griechenland und andere Länder den Käufern ihrer Staatsanleihen noch höhere Zinsen zahlen müssen", sagte ein hoher Beamter der EU-Behörde. Denn ohne CDS könnten Anleger die Griechen-Bonds nicht mehr gegen Ausfall absichern und würden deshalb möglicherweise noch höhere Risikoaufschläge verlangen als jetzt.

Regeln für die auf Staatsanleihen basierenden CDS will EU-Kommissar Barnier deshalb erst im Oktober vorschlagen. Vorher wollen die Generaldirektionen Wettbewerb, Wirtschaft und Binnenmarkt gemeinsam sorgfältig prüfen, was gesetzliche Eingriffe auf dem CDS-Markt makroökonomisch bewirken. "Wir müssen sehr aufpassen, dass wir der realen Wirtschaft keinen Schaden zufügen", hieß es in Brüssel.

Gigantische Grauzone

Es gebe "weichere Lösungen" für CDS als ein Verbot. Beispielsweise könne man das Geschäft damit in Krisensituationen vorübergehend aussetzen oder das Handelsvolumen je Bank limitieren.

Mit großer Vorsicht geht Barnier nicht nur bei den CDS, sondern bei der Regulierung aller Derivate vor - also jener Finanzprodukte, die von der Entwicklung anderer Märkte oder Produkte abhängen wie etwa Rohstoffpreisen, Devisen- oder Aktienkursen. Der weltweite außerbörsliche Handel mit Derivaten wird auf 600 Billionen Euro geschätzt - eine gigantische Grauzone ohne jeglichen Rechtsrahmen.

Der EU-Richtlinienentwurf für Derivate verzögert sich immer wieder. Nach seiner Amtseinführung im Februar kündigte Barnier den Entwurf zunächst für Juni an, verschob ihn aber jetzt auf September. Vorher will die EU-Kommission die Banken und andere Marktteilnehmer noch zu dem Thema konsultieren, um schwere Fehler zu vermeiden.

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7 Kommentare zu "Finanzmarktregulierung: Europäer schrecken vor Verboten zurück"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Hier die Hausaufgaben für Frau Merkel, Herrn Sarkozy, Herrn Trichet und den Rest des Hühnerhaufens....


    http://www.businessinsider.com/niall-ferguson-debt-2010-5

  • "Denn ohne CDS könnten Anleger die Griechen-bonds nicht mehr gegen Ausfall absichern und würden deshalb möglicherweise noch höhere Risikoaufschläge verlangen als jetzt."?

    das soll ein Argument sein?
    Nein, denn für tatsächliche Anleger von Griechen-bonds darf diese Regelung natürlich nicht gelten. Nur die reinen Zocker, die ohne Anleihen zu zeichnen rein auf die Pleite eines Volkes wetten und das noch auf Kredit, denen soll die Grundlage entzogen werden. Was denn sonst?
    Was sind das überhaupt für eine Art "Geschäfte" bei denen sich, wie im Februar passiert, ein paar Multis irgendwo in der Welt treffen können und beschließen: Lasst uns mal ne Währung killen?
    Klasse!
    Wie weit weg ist das denn von organisierter Kriminalität?
    Wer - mit einem Funken Verstand ausgestattet erlaubt sowas - und muss man nicht vorraussetzen, dass Gesetzgeber erkennen können welche Konsequenzen solche Entscheidungen haben - und wenn man davon ausgeht, dass sie das können - welche Motivation steckt dann dahinter?

    Halten die uns für blöd??


  • hm... wenn das Eigenkapitalquote der banken so hoch läge, würden dann nicht die Zinsen steigen, weil das Angebot an Kapital sinkt?

  • Das Problem kann mit einer einzigen Massnahme gebaendigt werden: Eigenkapitalquote fuer alle banken in den G20 auf 25% oder besser noch 50% erhoehen. Damit waere der Hebel fuer die wundersamen Geld- und Kreditvermehrungen drastisch reduziert, die banken koennten keine luxurioesen boni mehr an ihre Mitarbeiter zahlen, talentierte Koepfe strebten folglich nicht mehr ins bankengewerbe, sondern in produktive industriezweige in der Realwirtschaft, wo sie ihre Kreativitaet austoben koennten, die Realwirtschaft wuerde dadurch gestaerkt, innovation, Wachstum und beschaeftigung waeren die nahezu unvermeidliche Folge. Nebenbei wuerden die Zinsen sich automatisch wieder auf ein normales Niveau zurueckbewegen.
    Aber das waere ja zu einfach fuer unsere Politiker -- und zu demuetigend, gar nicht zu reden von den Notenbanken, die damit de facto entmachtet wuerden. banken scheinen immer noch ein Symbol von staatlicher Macht und Prestige zu sein. Jedem Staat seine Vorzeigebanken und mindestens eine Fluggesellschaft, koste es was es wolle! Wieviel Milliarden mehr an Steuergeldern soll dieser wahnwitzige Stolz der Politiker denn noch verschlingen? Dann bitte lieber gleich die bundeswehr aufloesen und das Geld in Wirtschaftsinvestitionen umwidmen, wenn denn die internationalen Konflikte dort ausgetragen werden sollen. Denn dass sich die Politiker in diesen Fragen nicht einigen koennen, ist doch ein klares Zeichen dafuer, dass es im Grunde nur um nationale interessen geht, bei denen keiner als erster zurueckstecken will.

  • Wer die Äußerungen der europäischen Politiker und Entscheider auf den Krisengipfeln der EU in den letzten Tagen beobachtet hat, wird den Verdacht nicht los, dass die Mehrzahl der Teilnehmer nur über rudimentäre Ökomoniekenntnisse verfügen. Diese Laientruppe übt sich dabei zielsicher in einem Krisenmanagement, das die Krise massiv zusätzlich befeuert und Ländern wie Deutschland die ökonomischen Grundlagen schleichend entzieht. Wieviel ist uns der Euro wert? 200 Mrd. Euro sind schon auf deutscher Seite absehbar verbrannt. Das nächste Rettungspaket in einigen Wochen dürfte einen ähnlich großen Nachschlag erfordern. Dann wird der Kapitalmarkt auch Deutschland unter beschuss nehmen, denn auch unsere ökonomischen Reserven sind endlich. Die Kapitalbeschaffungskosten für Deutschland werden steigen - und zwar für alle neuen Kredite, die für unsere 2 billionen Euro Schulden fällig werden. Hinzu kommen die Kosten, die der bürger für die bald steigende importpreise zahlen muss. benzin, Rohstoffe, Vorprodukte aller Art. Alles wird teurer werden. Am Ende sind wir bei volkswirtschaftlichen Mehrkosten für den Euro von mehreren billionen. Apokalyptisch!

  • Nichts wirklich Neues unter der Sonne: Jeder, der wider den Markt handelt, wird am Ende zum Opfer des Marktes.

  • Anstatt der Spekulation den boden zu entziehen durch vernünftiges und sparsames wirtschaften ...

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