Finanzmisere eskaliert Die Griechenland-Krise ist zurück

Griechenlands Finanzen sind desolater als bisher bekannt. Das bleibt den Ratingagenturen nicht verborgen. Standard & Poor's senkte den Daumen über dem Mittelmeerland. Die FDP schlägt Alarm und drängt die EU zum Handeln.
Update: 29.03.2011 - 19:50 Uhr 21 Kommentare
Der Athener Finanzminister Giorgos Papakonstantinou hat wieder Ärger mit seinen Haushaltszahlen. Quelle: ap

Der Athener Finanzminister Giorgos Papakonstantinou hat wieder Ärger mit seinen Haushaltszahlen.

(Foto: ap)

AthenAthen muss das Haushaltsdefizit 2010 erneut nach oben korrigieren. Überdies brechen jetzt die Steuereinnahmen weg. Damit ist fraglich, ob das Land in diesem Jahr seine Konsolidierungsziele erreichen kann. Vor diesem Hintergrund senkte die Ratingagentur Standard & Poor's die Bonität Griechenlands am Dienstag von „BB+“ auf „BB-“. Zum Vergleich: Deutschland hat die Höchstnote „AAA“ von S&P. Zudem stellte S&P weitere Herabstufungen in Aussicht, sollte sich die Haushaltslage Griechenlands weiter verschlechtern.

Der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou kritisierte die Herabstufung. Die Entscheidung beruhe auf einer „unausgewogenen Beurteilung der jüngsten Beschlüsse des Europäischen Rats vom 25. März“ und spiegele „weder die bisherigen Anstrengungen noch die wirtschaftlichen Aussichten Griechenlands wieder“, hieß es in einer am Dienstagabend veröffentlichten Erklärung des Finanzministeriums. S&P ignoriere auch die von der griechischen Regierung  eingegangene Verpflichtung, jeder Abweichung vom Konsolidierungsprogramm unverzüglich zu begegnen, um das Haushaltsdefizit bis zum Jahr 2015 auf etwa ein Prozent vom Bruttoinlandsprodukt zu senken. Griechenland habe ein ambitioniertes Privatisierungskonzept und ein Programm zur Nutzung staatlicher Liegenschaften vorgelegt, mit dem Ziel, bis zum Jahr 2015 zusätzliche Einnahmen von 50 Milliarden Euro zu erzielen, um Staatsschulden abzubauen. Unter dem Strich, so die Erklärung des Athener Finanzministers, basiere die Herabstufung auf einer einseitigen und ungerechten Wertung der EU Gipfelbeschlüsse und der Haushaltsrisiken Griechenlands, ohne die Maßnahmen zu berücksichtigen, mit denen die Regierung diesen Risiken begegne.

Nachdem Papakonstantinou bereits das Defizit für das Budget 2009 im Lauf des vergangenen Jahres mehrfach nach oben  korrigieren musste und den Fehlbetrag schließlich auf 15,4 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) bezifferte, droht das gleiche jetzt für 2010. Bisher nannte die Regierung für 2010 eine Defizitquote von 9,4 Prozent. Tatsächlich dürfte der Fehlbetrag zehn Prozent vom BIP oder noch mehr erreicht haben. Das hat die EU-Statistikbehörde Eurostat bei einer Überprüfung der griechischen Statistiken festgestellt, wie griechische Medien heute berichten. Klarheit wird man am Donnerstag haben – dann will Eurostat in Brüssel die korrigierten Defizitzahlen veröffentlichen.

Der höhere Fehlbetrag im Budget ist vor allem auf die angespannte Finanzlage der öffentlichen Rentenkassen zurückzuführen: statt eines Überschusses von 900 Millionen Euro, wie zunächst veranschlagt, erwirtschafteten die Kassen Verluste, die sich auf mehr als 500 Millionen summieren könnten. Ein Grund für die Defizite der Versicherungskassen ist die hohe Arbeitslosenquote, die im Dezember auf 14,2 Prozent stieg.

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21 Kommentare zu "Finanzmisere eskaliert: Die Griechenland-Krise ist zurück"

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  • Diese Ratings sind im Falle Griechenlands und irlands irrelevant, da diese Staaten sich derzeit über eine Finanzierungsfaszilität der EU finanzieren. Ihr Zweck dient vielmehr der Generierung einer nagativen Psychologie, um den politischen Willen zu erodieren, die EU und die Völker Europas zusammenzuhalten und nicht in nationalen Egoismen aufgehen zu lassen.

    Das wahre Problem liegt in der zu stark ausgeprägten Kurzsichtigkeit der sogenannten Konservativen gepaart mit Schwäche ihrer Regierungen! Keiner kann mir erzählen, dass wir momentan in Europa starke, handlungsfähige Politiker hätten vom Format eines Kohl oder Mitterand!!!

    Stichworte: Sarkozy, Merkel, Berlusconi (Normal, Komparativ, Superlativ)

  • Wer hat noch Hoffnung auf einen langfristig stabilen EURO?
    Wer glaubt noch den Politikern?
    Wer glaubt noch, dass Deutschland nicht ausgeplündert wird?

  • Ein paar Zahlen zum Schluss:
    Seit Bestehen der EZB wurde die Geldmenge im Euroraum um 100 Prozent erhöht bei einen Gesamtwachstum von 20 Prozent! (BRD hatte Durchschnittlich 0,8 Prozent Wirtschaftwachstum)

    Der Immobilienmarkt in Spanien hatte innerhalb von 10 Jahren eine Wertsteigerung von 400 Prozent erlebt!

  • Guten Tag Herr Jupp,

    die Schulden-Problematik und die Währung haben grundsätzlich keinen gemeinsamen Zusammenhang.

    Es ist auch keine Euro-Krise sondern mehr eine „Bankenrettung“ das wäre der richtige Begriff.

    Die Deutschen Banken sind mit 30 Mrd. Euro in Griechenland involviert, Frankreich war mit über 40 Mrd. Euro involviert und die Griechischen Banken waren auch stark in „Griechischen Staatsanleihen“ engagiert.

    Etwas Grundsätzliches:
    Wenn ein Staat Kredite aufnimmt und dieses Geld investiert oder nur in Konsumausgaben (Rente, Sozialhilfe etc.) ausgibt, wird die Geldmenge im Währungsraum vergrößert. Eine Zentralbank muß für die Geldmengenstabilität/Inflationsbekämpfung dann die Geldpolitik straffen. (z. b. den Leitzins erhöhen, Lombardsatz erhöhen, Diskontsatz erhöhen, Tender-Geschäfte reduzieren, die Mindesteinlagen erhöhen etc.)

    Wenn sich aber im Währungsraum mehrer Staaten sich befinden (Euro-Raum) wird der Staat belohnt der Kredite aufnimmt und damit das Binnenwachstum anregt und die Inflation in andere Länder des Währungsraum „exportiert“ die weniger Schulden aufnehmen.

    Wir hatten 2008 darum die „Paradoxe Situation“ das wir eine offizielle Inflation von 4 Prozent hatten, einen Leitzins von 2 Prozent und dabei hatten wir ein Durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent.

    Wenn also Französische und Griechische Banken dann ihre „griechischen Staatsanleihen“ an der EZB verkaufen. Erhalten sie „neues Geld“ und die Geldmenge wird weiter erhöht.

    Das Risiko der „Griechischen Staatsanleihen“ liegt dann bei der EZB und damit bei den Anteilseignern (Bundbankanteil 20 Prozent, in letzter Konsequenz der Deutsche Steuerzahler)

  • @ blinse putin will ausländisches kapital ins land holen, russisches kapital geht ins ausland,allso läuft alles bestens.ihr wllt doch nicht ernsthaft behaupten das es probleme gibt. wir druckenweiter kohle,wo ist das problem die steuerungsmöglichkeiten haben wir schon lange nicht mehr.atomgau finanzgau,denke wir sollten uns nach einer neuen erde umschauen und wieder mit der pionierarbeit beginnen strassen autos häuser akws und so weiter.

  • Den Griechen brechen nicht nur die Einnahmen weg, die Ausgaben bis 3/2011 sind auch um über 3% über dem budgetierten Betrag.
    Da die Sparvorgaben jetzt für alle ersichtlich nicht eingehalten wurden, sollte es eigentlich keine Kredite für Grechenland mehr aus dem EFSF geben.
    Das hiesse, Griechenland ist dann ab Juni 2011 tatsächlich genauso zahlungsunfähig wie die Banken die die Schulden Griechenlands halten.
    Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland kein Geld mehr aus dem EFSF gekommt ?
    Wenn Griechenland die nächste Kreditrate im Juni bekommt, was könnte Griecheland dann daraus gelernt haben und was lernen die anderen Pleitestaaten daraus ?
    Kann man dann noch behaupten, wir hätten keine Transferunion ?

  • Wir wissen schon: Topratings für USA und GB, Ramschstatus für die Länder die jedes Kind für Pleite hält. Habe soeben ergoogelt, dass die Exporte Griechenlands seit der Krise bedeutend gestiegen sind, aber aber das ist nichts für Panikmacher. Danke Herr Höhler, dass Sie wieder ihrem Ruf als Griechenlandkritiker gerecht werden.

  • Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die Einführung des Euros die Pleiten jeglicher - jetzt so problematischen Länder - unser Land nicht zu vergessen in den Abgrund gehieft hat und das Ende noch lange nicht in Sicht ist. Wir werden in Zukunft noch Dinge erleben, was den Euro betrifft, dass selbst den größten Fürsprecher und Optimisten dieser Währung noch ganz mulmig werden wird.

    Und zwar, weil man bei der Einführung des Euros Äpfel mit Birnen und anderen Früchten zusammen gemischt hat. Ob es uns bekommt und wir dies wollten, danach hat uns keiner gefragt.

    Die Befragung des Volkes hätte zu einem anderen Ergebnis geführt.

    Im Grunde war es eine Inflation und nichts anderes.

    Und ob die Griechen oder andere Länder bei der Einführung des Euros gelogen haben oder nicht, um dem Euro-Verein beizutreten, haben unsere
    Politiker ja wohl gewusst und dazu geschwiegen.
    Wie sie immer schweigen oder lügen, wenn es brenzlig wird.

    Meines Erachtens wäre es von großem Nutzen gewesen, die jeweiligen Euro - Herbergen vor Einführung des Euros in die Luft zu sprengen, dann wären wir weitaus besser davon gekommen als jetzt mit unserem Euro und unserer Globalisierung.

    Wohl gemerkt, das ist meine bescheidene Meinung.

    Es wird ein schreckliches Ende von beiden geben - des Euros und der damit verbundenen Globalisierung.

  • Was jetzt in Griechenland geschieht, sind die Konsequenzen der aufgezwungenen Austeritätspolitik. Es ist kein Wunder, dass es in anderen Schuldenstaaten wie Portugal oder auch Irland wachsende Widerstände gegen dieses „Kaputtsparen“ gibt. Die EU hat hier bisher in zweifacher Hinsicht versagt:

    1. Hat sehen es die Staats- und Regierungschefs sowie vor allem auch die Europäische Kommission offensichtlich nicht als ihre Aufgabe an, gemeinsam mit den Krisenstaaten ein neues, ganzheitliches Wachstumskonzept für die EU zu erarbeiten. Ohne ein solches Konzept werden die Finanzmärkte nicht davon zu überzeugen sein, dass die EU ihre Probleme lösen und als Ganzes wieder auf Wachstumskurs gelangen kann (siehe dazu: http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2011/01/die-europaische-krise-teil-2-die-euro.html ). Die Krisenstaaten haben dann auch – angesichts der jeglichen Handlungsspielraum eliminierenden Sparpolitik – keine Chance, ihre Schuldenprobleme in den Griff zu bekommen.

    2. Die EU legt immer wieder neue, kostspielige Rettungsmaßnahmen auf und tut damit doch immer wieder nur genau das, was „die Finanzmärkte“ – mit Unterstützung der US-Ratingagenturen – fordern. Die Regierungschefs sind nach wie vor Getriebene und haben es bisher nicht verstanden, diesen Teufelskreis zu durchbrechen und der Spekulation gegen Euro-Staaten ein Ende zu setzen. Damit sind die Krisenstaaten den Finanzmärkten hilflos ausgeliefert – und Brüssel sowie die führenden EU-Staaten schauen zu. Es war völlig klar, dass die Märkte nach Griechenland und Irland als nächstes Portugal ins Visier nehmen würden und es war klar, dass das immer so weitergehen wird (siehe dazu: http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2010/11/irland-krise-regierungen-bleiben-eine.html ), bis zuletzt die Grenzen der finanziellen Belastbarkeit der wirtschaftlich starken Länder erreicht ist.

  • Ein Grieche in einem 3-Sterne-Restaurant: "Herr Ober, bitte bringen Sie mir Geld, ich möchte zahlen!"

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