Finanzsanktionen gegen Russland Angst vor dem Dominoeffekt

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Großbritannien will Russland vom Zahlungsverkehr ausschließen

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Vor allem Großbritannien will bei Finanzsanktionen voranschreiten und Russland vom internationalen Zahlungsverkehrssystem Swift ausschließen. Da Swift in Brüssel ansässig ist, steht sie unter EU-Recht. Swift vereint mehr als 10.000 Finanzinstitute weltweit. In Russland ist Swift mit seiner Unterorganisation Rosswift vertreten. Swift organisiert weltweit den elektronischen Zahlungsverkehr zwischen den Banken auf dem Globus.

„Russlands Ausschluss von Swift wäre der härteste Schlag gegen das russische Bankensystem und technisch leicht zu vollziehen“, sagte Alexej Golubowitsch vom Investmenthaus Arbat Capital in Moskau. Darüber hinaus könnten noch - wie im Falle der Iran-Sanktionen - die Konten russischer Banken in Europa und den USA, ihre Aktiva dort und die auf sie gegebenen Zahlungsverpflichtungen (Collaterals) eingefroren werden.

Der Ausschluss Russlands aus Swift und das Einfrieren der Konten russischer Finanzinstitutionen wären zwar „wahrscheinlich eine der effizientesten Möglichkeiten, der russischen Wirtschaft zu schaden“, sagte der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, Handelsblatt Online. „Man muss sich allerdings dann auf eine weitere Eskalation des Konflikts einstellen, bei dem Russland zum Beispiel die Gaslieferungen verteuert oder gar stoppt.“

Es sei nicht auszuschließen, dass damit die Verunsicherung weiter um sich greife „mit schwer quantifizierbaren wirtschaftlichen Schäden für beide Seiten“, sagte Horn weiter. Die entscheidende Frage sei jedoch politischer Natur und laute: Wie solle das alles enden? „In einer politisch und wirtschaftlich interdependenten Welt kann niemand ein Interesse an einem radikalisierten und wirtschaftlich verelendenden Russland haben“, betonte Horn. „Insofern kann man nur festhalten, dass Sanktionen diesen Konflikt letztlich überhaupt nicht im Interesse Europas lösen können“, fügte der IMK-Chef hinzu.

DIW-Chef Fratzscher sagte, das Problem mit Finanzsanktionen sei, dass ihre Konsequenzen „unkalkulierbar“ seien. „Finanzmärkte und Finanzverflechtungen sind viel zu komplex, als dass man vorhersagen kann, wie sich solche Sanktionen auch für Europa auswirken werden“, erläuterte der DIW-Präsident. Finanzsanktionen bedeuteten daher „hohe Risiken - nicht nur für Russland, sondern auch für Europa und die Stabilität unserer Banken und unseres Finanzsystems“. Strafmaßnahmen gegen Russland sollten sich daher eher auf andere Wirtschaftsbereiche konzentrieren.

Der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater, fürchtet anders als Fratzscher keinen Ansteckungseffekt. „Ein gravierendes systemisches Problem für das gesamte Finanzsystem würden die bislang diskutierten Finanzsanktionen nicht darstellen“, sagte Kater Handelsblatt Online. „Im Gegensatz zur Russlandkrise Ende der 90er Jahre verfügt Russland heute über hohe Devisenreserven, die einige Effekte, insbesondere von Finanzsanktionen abmildern können.“

Aus Katers Sicht werden neue Sanktionen „hauptsächlich weitere Unsicherheit verbreiten und darüber die Investitions- und Konsumbereitschaft beeinträchtigen“.  Das könne auch die Wirtschaftsstimmung im Euro-Raum weiter „herabziehen“, insbesondere weil eine weitere Welle an Gegensanktionen zu erwarten sei. „Am Ende würden sich Wirtschaft und Finanzsystem an die neuen Zustände gewöhnen, aber dies würde einige Monate lang dauern“, so Kater.

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1 Kommentar zu "Finanzsanktionen gegen Russland: Angst vor dem Dominoeffekt"

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  • Falls sich jemand fragt, wo die ganzen Putin-Versteher auf allen Kanälen plötzlich herkommen:

    http://www.sueddeutsche.de/politik/propaganda-aus-russland-putins-trolle-1.1997470

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/prorussische-kommentare-im-internet-wo-die-meinung-gemacht-wird-12998800.html

    In Geheimdienstkreisen ist längst bekannt, dass gesteuert aus Russland viele Tausend Blogger auf der ganzen Welt ein Gehalt für das Verfassen Russlandfreundlicher Kommentare in den Kommentarfunktionen der verschiedensten Nachrichtenseiten erhalten und das Netzt regelmäßig damit überschwemmen. So soll das öffentliche Meinungsbild verzerrt werden indem man der übrigen Leserschaft das Gefühl gibt mit seiner Meinung alleine zu sein bzw. vorzugaukeln, die überwältigende Mehrheit hätte eine andere Meinung. Dabei wird fast ausschließlich russische Propaganda auf Deutsch wiedergegeben.

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