Finanzspritze IWF gewährt Argentinien Kredit über 50 Milliarden Dollar

Argentinien erhält erneut Finanzhilfe vom IWF, diesmal in Höhe von 15 Millionen Dollar. Das argentinische Volk ist in dieser Frage gespalten.
Update: 08.06.2018 - 08:17 Uhr 1 Kommentar
IWF gewährt Argentinien Kredit über 50 Milliarden Dollar Quelle: AP
Mauricio Macri

Der argentinische Präsident musste beim Internationalen Währungsfonds eine weiter Finanzspritze beantragen.

(Foto: AP)

Buenos AiresDer Internationale Währungsfonds (IWF) hat Argentinien eine vorübergehende Finanzhilfe von 50 Milliarden Dollar gewährt. Der Bereitschaftskredit soll die Finanzierung der argentinischen Zahlungsbilanz über die nächsten drei Jahre hinweg unterstützen. Die IWF-Führungsriege muss das Abkommen jedoch noch genehmigen. Sie soll in den kommenden Tagen Argentiniens Wirtschaftsplan beurteilen.

Die Regierung von Präsident Mauricio Macri verpflichte sich, die Verringerung des Haushaltsdefizits stark zu beschleunigen, um 2020 das Gleichgewicht zu erreichen, erklärte Finanzminister Nicolás Dujovne am Donnerstagabend in Buenos Aires. Die Mittel seien nach dem Treffen der IWF-Führung am 20. Juni verfügbar. Das Paket enthalte zunächst eine sofortige Ausschüttung von 30 Prozent – 15 Milliarden Dollar – „und dann werden wir weitersehen“, so Dujovne. Kredite über weitere 5,65 Milliarden Dollar (5 Mrd. Euro) seien von der Weltbank, der Interamerikanischen Entwicklungsbank (IADB) und der Andinen Entwicklungsbank (CAF) an Argentinien gewährt worden, teilte Dujovne mit.

Wenige Stunden vor Bekanntgabe der Vereinbarung sagte Präsident Macri, die Finanzhilfe des IWF sei „ein sehr wichtiger Anfangspunkt“, um weitere wirtschaftliche Einbußen abzuwenden. Die Währung des Landes hatte zuletzt einen scharfen Wertverlust erlebt. Der frei schwebende Peso wurde im Mai um rund 25 Prozent abgewertet. Bei dem Versuch, die Abwertung zu bremsen, verlor die argentinische Zentralbank rund 10 Milliarden Dollar der Devisenreserven.

Das Primärdefizit Argentiniens betrug 3,9 Prozent des Staatsetats in 2017. Die für 2018 geplante Senkung auf 3,2 Prozent wurde nach dem Abkommen mit dem IWF auf 2,7 Prozent beschleunigt. Macri sah sich Anfang Mai daher gezwungen, mit dem IWF Gespräche über eine Kreditlinie aufzunehmen.

„Wir begrüßen die Absicht der Behörden, das Tempo zu beschleunigen, mit dem sie das Defizit verringern, und das Primärgleichgewicht bis 2020 wiederherzustellen“, schrieb IWF-Chefin Christine Lagarde auf ihrem Twitter-Account. Kritiker beklagen, eine Defizitsenkung sei wohl kaum ohne Einschnitte im Sozialversicherungssystem und auf dem Arbeitsmarkt möglich. Sie fragen, wie die Regierung diese Herausforderungen stemmen will.

Für viele Argentinier ist der IWF ein rotes Tuch. Sie verbinden ihn mit der Schuldenkrise, die 2001 in die größte Staatspleite der Nachkriegszeit mündete. Jeder Fünfte war damals arbeitslos, Millionen rutschten in die Armut ab. Der an den Dollar gebundene Peso verlor fast 70 Prozent an Wert. In der Bevölkerung herrschte Aufruhr, bei Protestaktionen und Plünderungen gab es Tote.

Die konservative Regierung Macris hat seit der Amtsübernahme von der populistischen Staatschefin Cristina Fernández de Kirchner Ende 2015 Maßnahmen zur Liberalisierung der Wirtschaft getroffen. Die Inflation konnte jedoch bislang nicht unter zweistellige Jahresraten gedrückt werden. Nach dem Anstieg der Wirtschaftsleistung 2017 mit einem Plus von 2,9 Prozent hat die Regierung auch angesichts der bevorstehenden Sparmaßnahmen die Konjunkturerwartungen für 2018 stark gesenkt.

  • ap
  • dpa
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1 Kommentar zu "Finanzspritze: IWF gewährt Argentinien Kredit über 50 Milliarden Dollar"

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  • Milliarden mit Millionen verwechseln! Naja, kann bei einem Qualitätsmedium schon
    mal passieren, ist ja fast das Gleiche! Liegt ja nur der Faktor eintausend dazwischen!

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