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Flüchtlinge auf dem Balkan Eine Odyssee durch Europa

Die Route über den Balkan wird für viele Flüchtlinge zu einem Irrweg. Von den Staaten werden sie hin und her geschoben, es gibt kein Konzept. Die Rufe nach internationaler Unterstützung mehren sich.
19.09.2015 - 17:43 Uhr
Mal abgewiesen, mal reingelassen. Quelle: dpa
Flüchtlinge an der österreichisch-ungarischen Grenze

Mal abgewiesen, mal reingelassen.

(Foto: dpa)

Budapest, Wien, Berlin Nach der Schließung diverser Grenzen in Südosteuropa bleibt das Schicksal Tausender Flüchtlinge ungewiss. Die ungarischen Behörden eskortierten am Samstag mehrere Hundert aus Kroatien ankommende Menschen in Richtung Österreich, wo in der Nacht rund 6700 Menschen ankamen. Slowenien ließ etwa 1500 Menschen über die Grenze, weitere 600 warteten noch auch der kroatischen Seite. Die kroatische Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic sagte, für die meisten Ankömmlinge sei Kroatien nur Station auf dem Weg nach Westeuropa.

Begonnen hatte das jüngste Durcheinander, als Ungarn am Dienstag seine Südgrenze zu Serbien schloss. Tausende Flüchtlinge versuchten daraufhin, auf dem Umweg über Kroatien nach Westeuropa zu gelangen. In dem kleinen Balkanland trafen seit Mittwoch mehr als 20 000 Flüchtlinge ein. Am Freitag schlossen die Behörden fast alle Grenzübergänge zu Serbien. Ministerpräsident Zoran Milanovic drängte die Flüchtlinge, nicht in Kroatien zu bleiben, sondern weiterzureisen. Dafür werde sein Land auch weiterhin Busse an die Grenze bereitstellen.

Präsidentin Grabar-Kitarovic sagte der Nachrichtenagentur AP: „Wir brauchen Zusagen von der Europäischen Union, was mit den Menschen geschieht, die schon in Kroatien sind, und mit jenen, die noch durch Kroatien durchreisen wollen.“ Ihr Land mit nur 4,2 Millionen Einwohnern müsse realistisch sein, was es für die Tausenden Menschen aus dem Nahen Osten und Afrika tun könne.

Das ungarische Militär mobilisierte 500 Reservisten als Unterstützung für die Grenzsicherung gegen Flüchtlinge. Verteidigungsminister Istvan Simicsko sagte, die „illegalen Einwanderer“ hätten eine Krise verursacht.

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    In Slowenien kampierten mehrere Hundert Menschen in der Stadt Obrezje an der Grenze zu Kroatien. Die Behörden erlaubten nur einigen Familien mit Kindern die Weiterreise. Viele Menschen stellten Zelte auf oder versuchten, sich bei niedrigen Nachttemperaturen irgendwie warm zu halten. Vielerorts fehlten den Menschen Essen und Trinken. Am Grenzübergang Harmica kam es nach Angaben der Polizei zu Zusammenstößen, als Flüchtlinge Stöcke und Flaschen auf die Beamten warf. Diese antworteten mit Pfefferspray.

    In Österreich zählte die Polizei etwa 4200 Ankömmlinge am Grenzübergang Heiligenkreuz in der Nähe von Graz, die übrigen Menschen kamen in Nickelsdorf unweit von Wien über die Grenze. Einreisen werden nach Angaben der Polizei weiter kontrolliert, Insassen von Fahrzeugen werden nach ihren Papieren gefragt.

    In Mazedonien besichtigte EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn ein Lager in der Stadt Gevgelija an der Grenze zu Griechenland, durch das täglich etwa 5000 Menschen auf dem Weg nach Serbien ziehen. Die Menschen werden registriert und dürfen dann ohne weiteres in Zügen, Bussen oder Taxen weiterreisen. Binnen drei Monaten durchquerten auf diese Weise mehr als 83 000 Menschen das kleine Land.

    Mazedoniens Innenminister Mitko Cavkov sagte: „Wir sind besorgt wegen der Schließung der Grenzen für Migranten im Norden.“ Die EU verfolge in der Flüchtlingspolitik keine gemeinsame Linie. So könne das Problem nicht angegangen werden.

    Hahn sagte, die EU müsse die Balkanländer an der Fluchtroute der Schutzsuchenden unterstützen. Er brachte zudem eine Milliarde Euro Hilfe für die Türkei ins Gespräch, die allein rund zwei Millionen Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Syrien beherbergt.

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