Flüchtlinge in Calais London und Paris wollen Flüchtlingskrise beenden

Frankreich und Großbritannien wollen der Flüchtlingskrise in Calais ein Ende setzen. Mit der Hilfe Europas. Nach verstärktem Sicherheitsaufgebot sinkt die Zahl der Fluchtversuche – auch weil die Mittel härter werden.
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Die Flüchtlingskrise drängt Frankreich zum Einsatz drastischer Mittel: Gegen die Asylbewerber setzt die französische Polizei mittlerweile Chemikalien ein. Quelle: Reuters
Flüchtlinge nahe dem Eurotunnel

Die Flüchtlingskrise drängt Frankreich zum Einsatz drastischer Mittel: Gegen die Asylbewerber setzt die französische Polizei mittlerweile Chemikalien ein.

(Foto: Reuters)

Paris/LondonFrankreich und Großbritannien haben die Flüchtlingskrise zu einer europäischen Priorität erklärt und angekündigt, das Drama in Calais entschlossen zu beenden. Von Calais aus versuchen Nacht für Nacht Hunderte Migranten, illegal durch den Ärmelkanal nach Großbritannien zu kommen.

Die Flüchtlingskrise betreffe nicht nur Frankreich und Großbritannien, sondern Europa und die ganze Welt, schrieben der französische Innenminister Bernard Cazeneuve und seine britische Kollegin Theresa May in einem gemeinsamen Artikel, der am Sonntag in den Zeitungen „Journal du Dimanche“ und „The Telegraph“ erschien.

Viele Migranten in Calais seien über Italien, Griechenland und andere Länder gekommen. Längerfristig könne die Lösung nur darin bestehen, dafür zu sorgen, das weniger Menschen Afrika aus wirtschaftlichen Gründen verlassen. In den beiden Textversionen gab es leichte Differenzen.

Der Tunnel des Todes
37.000 Fluchtversuche seit Januar
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Der Betreiber des Eurotunnel hat nach eigenen Angaben seit Jahresbeginn 37.000 Migranten von der illegalen Einreise nach Großbritannien abgehalten. Jüngst hatten rund 2100 Migranten versucht, das Eurotunnel-Gelände in Calais zu stürmen.

Gesichertes Areal
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Calais ist der wichtigste Knotenpunkt für den Personen- und Güterverkehr von und nach Großbritannien. Seit Monaten kampieren Tausende Flüchtlinge aus Eritrea, Sudan und anderen Ländern rund um die französische Hafenstadt in der Hoffnung, irgendwie nach Großbritannien zu gelangen.

Nachts beginnt die Reise
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Um durch den Tunnel zu kommen, versuchen einige Migranten auf die Achsen und Ladeflächen von Lastwagen aufzuspringen. Andere versuchen es gar zu Fuß – das ist die gefährlichste Variante. Immer wieder sterben Menschen bei der Wanderung auf den Gleisen. Die Lage sei „sehr besorgniserregend“, sagte der britische Premierminister David Cameron.

In kleinen Gruppen
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Nahe des Tunneleingangs laufen drei Flüchtlinge über die Gleisanlage: Oft versuchen es die Flüchtlinge in kleinen Einzelgruppen. Die britische Innenministerin Theresa May kündigte an, 7 Millionen Pfund (circa 9,9 Millionen Euro) zusätzlich bereitzustellen. Mit dem Geld soll die Sicherheit am Eingang des Tunnels auf der französischen Seite erhöht werden.

Flüchtlinge auf der Suche nach Gelegenheiten
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Auf der Straße zum Eurotunnel laufen Flüchtlinge auf der Fahrbahn: Zwischen 3000 und 5000 Migranten sollen in Calais gestrandet sein und auf eine Gelegenheit warten, es nach Großbritannien zu schaffen. Sie erhoffen sich dort bessere Asylchancen und bessere Lebensbedingungen als in Frankreich.

Immer wieder sterben Flüchtlinge
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Flüchtlinge aus Afrika und dem Nahen Osten haben den Stacheldrahtzaun der Gleisanlage überwunden und laufen auf den Schienen Richtung Großbritannien: Bei den Fluchtversuchen gab es in den vergangenen Wochen mehrere tödliche Unfälle. Medienberichten zufolge sollen bereits acht Migranten seit Anfang Juni im Tunnel gestorben sein.

Pullover im Stacheldrah
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Die Flüchtlinge versuchen, auf wartende Lastwagen oder direkt auf die Züge zu klettern, die durch den Tunnel fahren. Ein Sprecher des Londoner Innenministeriums kündigte an, dass Frankreich und Großbritannien insbesondere Migranten aus Westafrika zurück in ihre Heimatländer schicken wollen.

Mit Material von dpa.

So heißt es in der französischen Version, London und Paris arbeiteten „Hand in Hand mit den anderen Staaten“ der EU für eine Lösung. In der englischen Version heißt es, London und Paris würde „andere Mitgliedstaaten - und die EU als Ganzes - drängen, das Problem an der Wurzel anzugehen“.

Vor wenigen Tagen hatten beide Länder verschärfte Maßnahmen angekündigt, um die Flüchtlinge am Grenzübertritt durch den Kanaltunnel zu hindern. Großbritannien stellt unter anderem zehn Millionen Euro zusätzlich für die Grenzsicherung bereit. Seit Frankreich mehr Polizisten nach Calais geschickt hat, sinkt die Zahl der Versuche, illegal die Grenze zu überschreiten.

Am Wochenende wurden in zwei Nächten etwa 700 Versuche gezählt. Alleine in der Nacht zum Freitag waren es noch etwa 1000 gewesen. Seit Juni gab es bei solchen Versuchen mehrere Tote. Jeden Monat würden 200 Migranten ohne Anrecht auf Asyl abgeschoben, erklärten die Minister.

„Wir müssen auch unermüdlich die skrupellosen Kriminellen verfolgen, die verletzliche Menschen zu dem Versuch ermutigen, nach Europa zu gelangen.“ Für viele Migranten aus Afrika seien „Europa und vor allem Großbritannien Synonyme für Wohlstandsperspektiven. Diese Illusion nährt den düsteren Handel der Schleuser.“

Chemiekeule gegen Migranten
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