Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Flüchtlinge in Europa Die Stunde der rechten Scharfmacher

Seite 3 von 9:
Frankreich
Parteichefin Marine Le Pen nutzt geschickt die Angst der Franzosen vor Überfremdung. Quelle: AFP
Front National

Parteichefin Marine Le Pen nutzt geschickt die Angst der Franzosen vor Überfremdung.

(Foto: AFP)

In Frankreich stand die Agitation gegen Zuwanderung an der Wiege der rechtsradikalen Front National. Seit Jahren suggeriert die extreme Partei, eine unbegrenzte Zuwanderung sei schuld an den sozialen und wirtschaftlichen Problemen Frankreichs.

Seit Marine Le Pen die Führung des Familienbetriebes von ihrem Vater Jean-Marie übernommen hat, setzte sie andere Akzente: Um weiter in die Mitte zu kommen, fuhr sie die grobe Fremdenfeindlichkeit ihres Vaters zurück und setzte an deren Stelle eine Kampagne gegen Europa: Die Eurokraten fesselten Frankreich, das Land müsse sich wieder hinter die eigenen Grenzen zurückziehen und vor allem den Euro aufgeben.

Damit ist Marine Le Pen in den Wahlen zum Europaparlament und zuletzt bei den Départementswahlen zwar deutlich vorangekommen, doch der richtig große Erfolg ist ausgeblieben. Sie stößt an eine gläserne Decke, weil trotz allen französischen Nörgelns und Krittelns an der EU der Euro gerade bei den bürgerlichen Wählern sehr beliebt ist. Und die müssten die Rechtsextremen gewinnen, um einmal führende Partei zu werden. Und auch innerhalb der eigenen Partei melden sich Stimmen, denen ihr Kurs zu weichgespült war. Der Versuch der Tochter, den eigenen Vater aus der Partei zu werfen, hat dazu beigetragen.

Angesichts der Flüchtlingswelle in Europa schaltet die Front-Chefin nun wieder um, fährt die Kampagne gegen Ausländer wieder hoch. „Die Bürgermeister des FN werden keine Flüchtlinge aufnehmen, sie kümmern sich darum, die Leiden der Franzosen zu mildern“, sagte sie unmittelbar nachdem Staatspräsident François Hollande angekündigt hatte, Frankreich werde 24.000 Flüchtlinge mehr aufnehmen – innerhalb von zwei Jahren, eine lächerlich geringe Zahl angesichts der Größe des Landes und der 800.000 Menschen, die voraussichtlich nach Deutschland kommen werden. „Frankreich ist seit langem ultra-überfüllt“, behauptet die oberste Rechtsradikale des Landes unverdrossen.

Das Dauerfeuer ihres Vaters gegen Zuwanderung hat Wirkung gezeigt. Die gemäßigte Rechte, die Mitte und sogar die Linke trauen sich kaum noch, die Stimme für einen menschlichen Umgang mit Flüchtlingen zu erheben. Politische Feigheit, Egoismus und Schweigen sind an die Stelle von spontaner Hilfe und Zivilcourage getreten.

Ex-Präsident Nicolas Sarkozy passt sich geschmeidig der Rhetorik der extremen Rechten an und spricht von den Menschen, die vor Bürgerkrieg und Verfolgung fliehen, als von einem „Wasserrohrbruch“. Seit Angela Merkel sich resolut für die Hilfe zugunsten der Entwurzelten ausspricht, weiß Sarkozy allerdings nicht mehr, wie er seine Isolation in Europa und sein Anschmiegen an die offen fremdenfeindlichen Kräfte noch bemänteln soll.

Die drehen derweil weiter auf. Das Foto des ertrunkenen dreijährigen Kindes an einem türkischen Strand habe sie „nicht schockiert“, sagte Marine Le Pen provokativ. Hier werde ein Bild instrumentalisiert, darauf lasse sie sich nicht ein. Die deutsche Aufnahmebereitschaft für Flüchtlinge erklärt sie gewohnt simpel mit wirtschaftlichem Egoismus der Deutschen, die damit ihrer schwachen Demographie entgegenwirken wollten.

Obwohl Frankreich seit Jahren weit unter dem europäischen Durchschnitt liegt, was Asylbewerber angeht, ereifert sich die Frontchefin gegen „die ultralaxe Haltung unserer Regierungen“. Le Pen stellt die Dinge schlicht auf den Kopf: Die Flüchtlinge, die derzeit aus Syrien kämen, versuchten gar nicht, dem Bürgerkrieg zu entgehen: „Das sind zu 98 Prozent Männer, die lassen aus wirtschaftlichen Gründen ihre Familien zurück, das sind keine politischen Flüchtlinge.“

Die Franzosen, die seit der Wirtschaftskrise an sich und ihrem Land zweifeln und zu bestimmten Teilen in eine kleinmütige Depression verfallen, sind empfänglich für diese Rhetorik der Unmenschlichkeit. Eine Mehrheit ist gegen die Aufnahme weiterer Flüchtlinge. Das Land, das immer noch für Aufklärung und Menschenrechte steht, wird unter dem Eindruck des Dauer-Gekeifes der Rechten zu einem Beispiel für gnadenlose Ausgrenzung.

Thomas Hanke, Paris

Großbritannien
Seite 123456789Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Flüchtlinge in Europa - Die Stunde der rechten Scharfmacher

269 Kommentare zu "Flüchtlinge in Europa: Die Stunde der rechten Scharfmacher"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Also, ich hab' eigentlich nicht den Eindruck, dass die Menschen im islamischen oder sonstigen östlichen Kulturräumen ein größeres Ego hätten als die hier im "Westen".

    Dass im islamischen Kulturraum in vielen Gegenden tatsächlich immer noch eine doch sehr archaische Kultur vorherrscht dürfte wohl eher geographische und historische Gründe haben (Stichworte: Europas Seefahrernationen - Renaissance - Aufklärung etc. - alles Entwicklungen, für die Europa allein schon wegen seiner geographischen Lage prädestiniert war).

    Und was noch nicht ist, kann ja noch werden. Muss (und wird) es auch, schon weil's anders gar nicht geht. Die müssen ja nicht alle gleich so dekadent werden wie einige hier im Westen und z.T. schon in China. Etwas mehr Ausgewogenheit (von jedem hier etwas mehr und da etwas weniger) wär echt nicht schlecht.

    Gab übrigens auch Zeiten (auch wenn die jetzt schon lange zurückliegen), in denen wir Europäer im Vergleich zum östlichen - gerade auch dem islamischen - Kulturraum Barbaren waren.

  • http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/09/08/britischer-politologe-deutsche-haben-bei-fluechtlingen-den-verstand-verloren/

  • Ich kenne Eritrea. Wie die anderen auch - arm und natürlich Diktator, aber das trifft eben auf 80% der Welt zu. Armeedienst ist in Russland nicht besser.

  • http://www.sezession.de/51293/geistige-verschaerfung-gegen-defaitismus.html

  • Es ist die „geistige Waage“, die alle Bundesbürger im Kopf haben. Sie wägt ab, ob man mit der offiziellen Selbstzerstörungspolitik konformgehen und dafür in Ruhe gelassen werden, oder ob man dagegen auftreten und dafür als „dunkeldeutsches Pack“ in den gesellschaftlichen Tod getrieben werden soll. Genauer: Die persönlich erfahrenen Nachteile der Masseneinwanderung müssen schwerer wiegen als die Nachteile des sozialen Ausschlusses, damit sich der Zeiger auf „Aktion“ verschiebt.

  • Nachdem Herr Lucke Parteigängern der AfD in einem Rundbrief mitgeteilt hat, sie sollten sich jeder Kritik an der gesellschaftlichen Organisation in dieser Republik enthalten, hat er faktisch jeden Anspruch auf die Notwendigkeit zur Gründung einer neuen Partei geleugnet und auch sich selbst überflüssig gemacht. Ob er nun den Überblick über die Ziele einer wirklich neuen politischen Kraft neben den bereits bestehenden Farben tragenden Blockparteien verloren hat oder schon zu lange von der CDU indoktriniert worden ist, spielt dabei keine Rolle. Aber für ein „weiter so“ gibt es mehr als genug „politische Kräfte“. Wer also weiterhin in einer Republik leben möchte, die ihre Bürger grundsätzlich von jeder Mitwirkung an der politischen Willensbildung ausschließt, sie möglicherweise in Listen packt, wenn sie sich entschließen, den 1,6% Einwohnern dieses Landes, die in Parteien versammelt sind, beizutreten; Wer also meint, daß der Art.20 GG, wonach alle Staatsgewalt vom Volke ausgeht, aber nie mehr dahin zurückkehrt (Josef Isensee), sondern zu den Repräsentanten der Parteien und den sie wieder beherrschenden Interessengruppen (Lobby), die dann, ohne das Mindestmaß an Gewaltenteilung, bis zum BVerfG durch regieren, der ist ja in einer Republik à la Merkel/Lucke gut aufgehoben. Aber in diesem Staate werden die Kälber, die sich ihren Metzger selber aussuchen, immer weniger, machen heute aber immerhin noch rd. 50% aus. Ein weiteres Absinken dieser Gruppe wird diese – milde als „Parteiendemokratie“ bezeichnete – Staatsform noch nicht aus den Latschen kippen lassen, aber ein solcher Staat wird für eine Öffnung nach außen immer leichter manipulierbar, da immer weniger Bürger dahinterstehen. Auch diese EU, die immer mehr Formen und Inhalte einer EUSSR annimmt, ist eine Zuwanderung, die kaum noch zu stoppen ist. Wenn sich also eine wieder gefestigte AfD den Themenbereichen EU und Zuwanderung zuwendet, liegt sie durchaus im Mainstraem der Bürger dieses Landes.

  • Bei Manta Til gibt's wohl Probleme
    vorgesehen war die Erwin Rommel Kaserne (was für eine Ironie) Im Harz.

    es gibt wohl eine zu hohe Schadstoffbelastung.

    Und mehr Pläne hatte der Manta Fahrer wohl nicht.
    Ich meine statt 600 Flüchtlinge in die Erwin Rommel Kaserne zu stecken
    wären auch 6 zu Hause aufnehmen ein Zeichen ;-)
    Aber soweit wollte Manta-Till dann wohl doch nicht gehen mit seiner
    Willkommenskultur. sein Kumpel Sigmar wohnt auch lieber mit der Familie allein.

    wobei doch schon die historischen Beispiele zeigen
    Napoleon, Friedrich II, Alexander der Große
    MIT GUTEM BEISPIEL VORRANGEHEN

    Die ganzen Welcome Party Feierer
    Autokonvoi Empathen
    Grünen, Linken
    Wo sind sie alle bei dem Thema
    Sollen sie doch mal als erstes Ihre Türen aufmachen und ihre Herzen.
    Till hat sicher Platz, und Sigmar auch.

  • Was gibt es eigentlich Neues von Til Schweiger und seinem epochalen Plan?

  • Ich weiß nicht, was Frau Hulda erwartet, ich hätte von unseren Politikern erwartet, dass sie schon vor längerer Zeit eine Politik betrieben hätten, die Schlepper bekämpft, den Flüchtlingen vor Ort (in den Nachbarländern) hilft, massiven Einfluß auf die Regierungen der Herkunftsländer ausübt, damit die Menschen egal ob Mann, Frau, Kind gar nicht erst auf die Reise gehen. Das wäre verantwortungsvoll gewesen. Was hätte man mit den jetzt geplanten 10 Mrd. Euro vor Ort alles bewirken können? Es bringt aber viel mehr Medieninteresse, wenn man Flüchtlingsunterkünfte besucht, gescheit daher redet und auf Bürger (in Deutschland und anderen europäischen Ländern) schimpft. Europa hätte sich für die Ereignisse in den Ländern vor seiner Haustür viel mehr interessieren und entsprechend handeln müssen. Aber wir überlassen dies ja Amerika, Russland, den Türken und den Saudis.

  • heute bei uns in der Lokalzeitung ein Bericht über einen afrikanischen Flüchtling (Fluchtgrund ist nicht angegeben, Herkunftsland weiß ich nicht mehr), der zwei Jahre gebraucht hat um nach Deutschland zu kommen.
    Die Fluchtstationen sind detailiert angegeben. Der gute Mann hat auf seiner Reise x-Länder "passiert" um in das "gelobte Land" zu kommen.
    Er wohnt nun bereits einige Monate hier im Flüchtlingsheim, spielt im örtlichen Fußballverein mit und träumt davon, in der Bundesliga zu spielen.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote