Flüchtlinge in Österreich „Wir können das Asylproblem der Welt nicht allein lösen“

Österreich führt Grenzkontrollen ein. Soldaten helfen, die Einreise aus Ungarn und Slowenien zu kontrollieren. Kanzler Faymann sieht sich zunehmend überfordert mit dem Flüchtlingszustrom – und appelliert an die EU.
Ähnlich wie Berlin fordert auch Wien eine europäische Lösung des Flüchtlingsproblems unter anderem mit verbindlichen Quoten zur Aufnahme von Asylsuchenden. Quelle: Reuters
Österreichs Bunndeskanzler Werner Faymann

Ähnlich wie Berlin fordert auch Wien eine europäische Lösung des Flüchtlingsproblems unter anderem mit verbindlichen Quoten zur Aufnahme von Asylsuchenden.

(Foto: Reuters)

WienMit ernster Miene trat Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) in Wien vor die Presse. In der Nacht kamen abermals Tausende von Flüchtlingen von Ungarn über die Grenze nach Österreich. Seit Deutschland gestern die Entscheidung traf, wieder Grenzkontrollen zu Österreich einzuführen, wächst der Druck auf die Wiener Regierung. Deshalb hat Österreich nun schnell reagiert.
Österreich führt nach deutschem Vorbild Grenzkontrollen ein. Die Soldaten des Bundesheeres sollen die Polizei bei ihren Aufgaben unterstützen. „Das ist für Österreich nicht unüblich“, sagte Faymann. 2.200 Soldaten des österreichischen Bundesheeres kommen nach Regierungsangaben zum Einsatz, vor allem an der Grenze zu Ungarn, aber auch Slowenien. Einen entsprechenden Beschluss hatte die Regierung in Wien am Montag getroffen.

Auf der Reise nach Westen
Das Warten auf die Abfahrt
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Rund 4000 Flüchtlinge, die in Ungarn auf ihrem Weg nach Westeuropa gestrandet waren, sind am Samstagmorgen mit Bussen nach Österreich gebracht worden. Diese Zahl gab Polizeisprecher Helmut Marban vor Reportern bekannt.

Zu Fuß gen Westen
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Am Freitag hatten sich etwa 2000 verzweifelte Flüchtlinge, die nicht in Ungarn registriert werden wollten, vom Budapester Bahnhof Keleti zu Fuß Richtung Westen aufgemacht.

Zu Fuß gen Westen
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Die Flüchtlinge hatten am Freitag bis zum Einbruch der Nacht rund 25 Kilometer des 171 Kilometer langen Weges zur österreichischen Grenze geschafft.

Ungarn schickt Flüchtlinge in Bussen zur Grenze
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Ungarn stellte in der Nacht Busse bereit, um sie und andere gestrandete Flüchtlinge nach Österreich zu bringen. Deutschland und Österreich hatten sich zuvor darauf verständigt, die Menschen einreisen zu lassen. Österreich stellte ihnen in Aussicht, Asyl zu gewähren. Doch die meisten wollen nach Deutschland weiterreisen.

Ankunft in Nickelsdorf
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Am Samstagmorgen erreichten rund 4000 Flüchtlinge die ungarisch-österreichische Grenze mit dem Bus. Das letzte Stück nach Nickelsdorf aber mussten sie zu Fuß zurücklegen.

Ankunft in Nickelsdorf
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Auf der österreichischen Seite der Grenze bereiteten Helfer des Roten Kreuzes den ankommenden Flüchtlingen am Samstagmorgen mit Tee und anderen Hilfsgütern einen herzlichem Empfang. In einer Notunterkunft im Grenzort Nickelsdorf standen Betten bereit.

Flüchtlinge auf dem Weg nach Salzburg
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Ein Sonderzug mit etwa 450 Flüchtlingen ist am Samstag in Salzburg angekommen. Der aus Ungarn kommende Zug sei gegen 10.50 Uhr eingetroffen, wie ein Polizeisprecher vor Ort der Deutschen Presse-Agentur sagte. Salzburg liegt direkt an der Grenze zu Deutschland. Der Zug sollte nur kurze Zeit am Bahnhof halten und dann nach München weiterfahren.

„Das Asylrecht wird nicht außer Kraft gesetzt“, sagte Faymann. Österreich werde wie Deutschland keinen einzigen Flüchtling zurückschicken, auch nicht nach Ungarn. „Dublin ist nicht außer Kraft gesetzt“, sagte der Regierungschef an die Adresse seines ungarischen Amtskollegen Viktor Orbán, der die Flüchtlinge in den Westen weiterziehen lässt.
Erneut appellierte Faymann schleunigst eine europäische Lösung zu finden. „Es ist ein klares Signals Deutschlands und Österreichs, dass wir das Asylproblem der Welt nicht allein lösen können“, sagte der österreichische Regierungschef. Ähnlich wie Berlin fordert auch Wien verbindliche Quoten zur Aufnahme von Flüchtlingen. Das lehnen zahlreiche Staaten ab, unter anderem Ungarn, Tschechien und Polen.
Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) warnte vor eine Überforderung von Österreich und Deutschland. „Wir wollen die österreichische Bevölkerung nicht überfordern“, sagte der Wirtschaftsminister am Montag. „Es ist ein klares Signal an die Betroffenen“, sagte Mitterlehner, der vor einen ungeordneten Grenzübertritt warnte. „Es ist keine Aussetzung des Schengen-Abkommens.“

De Maizere: „Grenzkontrollen sind ein Signal an Europa“

„Die Kontrollen können zu einen Rückstau führen“, sagte Faymann. Der Bahnverkehr zwischen Deutschland und Österreich funktioniert derzeit nur eingeschränkt. Die Bahn hatte angekündigt, den frühen Montagmorgen wieder den Bahnverkehr zwischen beiden Ländern komplett aufnehmen zu wollen.
Der österreichische Kanzler setzt mit der Grenzsicherung auf eine enge Absprache mit den deutschen Behörden. In den vergangenen Tagen waren fast 20.000 Flüchtlinge über Ungarn nach Österreich gekommen, um weiter nach Deutschland zu reisen. Die Lage am österreichischen Grenzübergang Nickelsdorf zu Ungarn ist angespannt. Die Autobahn zwischen Wien und Budapest ist wieder offen.

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