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Flüchtlinge Herzlich willkommen – aber nicht bei uns

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Spanien

In der EU ist – neben Italien – ist Spanien das wichtigste Anlaufland für Flüchtlinge aus Afrika und Nah- sowie Mittelost. Vor allem viele Afrikaner aus Ländern südlich der Sahara, in jüngerer Zeit aber auch viele Syrer, Iraker und Palästinenser, schlagen sich auf dem Landweg bis nach Marokko durch. Dort versuchen sie auf zweierlei Weise nach Spanien zu gelangen: mit dem Schiff oder indem sie über einen Zaun klettern.

Vielen Deutschen ist nicht geläufig, dass Spanien zwei Enklaven auf dem marokkanischen Festland hat Ceúta und Melilla. Wer es dorthin schafft und rechtzeitig seine Papiere „verliert“, wird über kurz oder lang auf die Halbinsel gebracht und hat dann gute Chancen, einen Aufenthaltsstatus zu bekommen. 2012, das Jahr, aus dem die neuesten Zahlen vorliegen, wurden aber 26 400 Flüchtlinge in ihre Ursprungsländer zurückgebracht. Ziel der meisten Migranten ist nicht Spanien selber, sondern eines der nördlichen Mitgliedsländer, vor allem Großbritannien. Einige Tausend allerdings bleiben in Spanien, arbeiten auf den Obst- und Gemüseplantagen in der Umgebung von Alméria oder in Katalonien. Oder sie verkaufen in den Sommermonaten Uhren, Basecaps und T-Shirts an den Stränden.

Der andere Weg führt über die Meerenge von Gibraltar, den kürzesten Wasserweg zwischen dem armen Süden und dem reichen Norden. Für viele endet der Versuch tödlich: Von Schleppern in kleine Boote gepfercht, die oft den heftigen Strömungen nicht standhalten können, ertrinken sie nach einer entbehrungsreichen und äußerst gefährlichen Reise über tausende von Kilometern nur kurz vor dem Ziel.

Auch der Landweg ist gefährlich, vor allem aber mittlerweile so gut wie völlig blockiert. Nach wiederholten Anstürmen auf die Enklaven haben die spanischen Sicherheitsbehörden sie mittlerweile mit einem viele Meter hohen Zaun umzogen, der mit Schneidedraht versehen ist. Dieses Hindernis zu überwinden ist so gut wie unmöglich und endet oft mit schwersten Verletzungen. Vor einigen Monaten starben 15 Flüchtlinge, die versuchten, den Zaun von Melilla zu umschwimmen: Sie wurden von der Guardia Civil mit Gummigeschossen ins Wasser zurückgetrieben und ertranken.

Die Folge war ein Aufschrei in der spanischen Öffentlichkeit, die sich über das brutale Vorgehen empörte. Der Radiosender Cadena SER machte zwei vierstündige Sondersendungen aus Ceúta und Melilla. Dabei wurde das ganze Elend der EU-Flüchtlingspolitik deutlich: Ein Land wie Spanien ist gezwungen, die EU-Außengrenzen zu „schützen“. Das aber geht nur mittels brachialer, oft abstoßender Methoden. „Klagt uns nicht an, wenn ihr keine Flüchtlinge aufnehmen wollt“, forderte der Präsident Regionalregierung von Melilla. Fazit der Sendungen war: Erregung über den massiven Schutz der Grenzen ist aus humanitärem Reflex mehr als verständlich. Doch wer diese Methoden nicht will, muss sich Gedanken darüber machen, ob Europa sich nicht selber verrät, wenn es sich zur uneinnehmbaren Festung wandeln will.

Die Spanier nehmen viel Anteil am Schicksal der Flüchtlinge. Es gibt viele private Vereine, die ihnen Hilfe gewähren. Die Flüchtlingskommission sagt, die Zahl der Asylbewerber habe sich aufgrund eines restriktiveren Gesetzes und wegen der mit der Krise verbundenen Erschwerung der Lebensbedingungen verringert. Eine der ersten Sparmaßnahmen der Regierung Rajoy war, Flüchtlingen die medizinische Unterstützung zu entziehen.

Die Medien berichten noch immer ausführlich über Bootsflüchtlinge, es gibt keinen Abstumpfungseffekt. El País schilderte kürzlich das – glückliche – Schicksal eines Afrikaners, der mit seiner Familie in einem simplen, im Supermarkt in Marokko gekauften Gummiboot die Meerenge überwand und in Spanien bleiben darf. Über Monate hinweg verfolgte ein Reporter diesen Fall. Der spanische Dokumentarfilmer Horacio Sainz hat die Lebensgeschichten zahlreicher Flüchtlinge, die sich in Spanien aufhalten, nachverfolgt. Mit einigen von ihnen kehrte er sogar in ihre afrikanische Heimat zurück. Aus anonymen Flüchtlingen werden Individuen. Der bewegendste Fall ist der eines Eisverkäufers aus dem Retiro-Park in Madrid. Er hat auf der Flucht beide Beine verloren – und dennoch nicht aufgegeben.

Sieht man die Energie, Intelligenz und Durchsetzungskraft dieser Menschen, ihren unbedingten Willen, sich zu behaupten und allen Gefahren zu trotzen, fragt man sich unwillkürlich: Warum wendet das alternde Europa seine ganze Energie dafür auf, sie abzuwehren, statt zumindest einigen von ihnen eine legale Möglichkeit der Einreise zu gewähren?

Thomas Hanke, Paris

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Mehr zu: Flüchtlinge - Herzlich willkommen – aber nicht bei uns

21 Kommentare zu "Flüchtlinge : Herzlich willkommen – aber nicht bei uns"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Und ich warne jeden ganz dringend davor, sich willenlos und unreflektiert wie ein Schaf in der Herde von eigenen - und erst recht von fremden!! - Stimmungen und Emotionen treiben zu lassen!

    Wir sind freie, mit der Fähigkeit zum Denken ausgestattete Menschen, keine (Rudel-)Tiere, und haben (m.E. jedenrfalls) nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht, von dieser Gabe Gebrauch zu machen! Jeder nach seinen Möglichkeiten, aber höchstselbst, und ohne diese Aufgabe an andere zu delegieren!

    Übrigens: Bei den Flüchtlingen handelt es sich fast immer gerade nicht um die von Ihnen beschriebenen „Moslems mit Nachthemd und Sauerkrautbart“ (...), sondern um Menschen, die gezwungen sind, gerade vor denjenigen unter diesen „Sauerkrautbartträgern“ zu fliehen, bei denen es sich tatsächlich um Bestien handelt!

    (...)

    Aus folgendem Grunde: Ich werde es niemals akzeptieren, dass irgend ein Mensch - ganz egal, wer - sich anmaßt, seinen Mitmenschen vorzuschreiben, was sie zu tun und zu lassen – und erst recht, was sie zu denken haben!! Mal ganz abgesehen davon, dass solche Manipulationsversuche aufgrund der menschlichen Natur – jeder ist anders – gottlob grundsätzlich zum Scheitern verurteilt sind, handelt es sich einem solchen Missbrauch von Religion um nichts anderes als Blasphemie!

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Das Problem ist die unkontrollierte Zuwanderung. Es gibt aber endlich eine Partei, die das Problem glaubhaft anzugehen gedenkt - die AfD. Sollte ich wegen dieser Meinung als rechtslastig verunglimpft werden, hätte ich damit kein Problem. Wenn "Links" und die sogen. "Mitte" das Zuwanderungsproblem nicht schnell und wirkungsvoll unter Berücksichtigung der Bürgermeinung in den Griff bekommt, bleibt letztlich nur eine demokratische Entscheidung mit dem Stimmzettel - AfD!

  • Ich kann Ihnen nur zustimmen. Fakt ist, dass die sozial schwächsten Gruppen in unserer Gesellschaft, die größten Opfer für die fehlgeleitete Flüchtlings- und Zuwanderungspolitik zu erbringen haben. Es wäre wünschenswert, wenn die Klasse unserer "Leistungs- und Entscheidungsträger" öffentlichkeitswirksam einen weit größeren Anteil übernimmt, etwa durch Aufnahme von Flüchtlingen bei denjenigen, denen übergroße Wohnflächen zur Verfügung stehen oder Zweitwohnungen und Ferienhäuser. Auch ein Solidarbeitrag zur Finanzierung der Zuwandererströme speziell von den Bestverdienenden und Vermögendsten in unserer Gesellschaft wäre vorbildlich. Es würde nicht lange dauern, bis nach Wirksamwerden solcher Bestimmungen die Politik geändert würde, denn die Zeche für populistische Gutmenschen-Politik zahlen immer die Schwächsten und nie die Urheber.

  • Wenn viele Menschen aus einer anderen Kultur und mit vergleichsweise niedriger Qualifikation in ein Land kommen um zu bleiben, verändert das das Aufnahmeland erheblich. Es ist verständlich, dass dies nicht jeder wünscht, und die Politik sollte hier nicht über die Köpfe der Bürger hinweg entscheiden.

  • Wenn man selbst der Meinung, ist dass wir schon Genug Leute aufgenommen haben, dann wird einem von den öffentlich-unrechtlichen Medien suggeriert, man wäre einer von 3% unverbesserlich Rechtsradikalen.

    Wenn ich aber hier die Foren lese und mit normalen Menschen in meinem Bekanntenkreis spreche, dann erkenne ich: Ich bin nicht allein!
    Ich gehöre zur Mehrheit, die die unkontrollierte Zuwanderung ablehnen.

    Und ja, dann bin ich gerne politisch unkorrekt.

  • Es ist nicht möglich in Europa alle Flüchtlinge dieser Welt aufzunehmen.Die Politiker sind ratlos, denn keiner wagt dies anzusprechen. Die Flüchtlinge müssen Vorort versorgt werden oder Grenznah. Wenn alle das Land verlassen, Syrien, Irak, Sudan, Somalia, Äthiopien etc., wer kämpft denn dann eigentlich für seine Heimat? Die wollen doch nie wieder zurück. Deutschland ist reich? Wieviel Schulden haben wir? Wiesehen unsere Strassen, unsere Bildungstätten, unsere Brücken unsere Kindertagesstätten und die Bundeswehr aus? Wir brauchen einen Flüchtlingsaufnahmestopp sofort. Es tümmeln sich inzwischen genug Arbeitslose und schlecht untergebrachte Personen in unseren Städten. Wenn es so weiter geht explodiert irgendwann die deutsche Seele und macht sich Luft.

  • Die Leute sollten bei ihren friedlichen "Muslimischen Brüder" bleiben. Dort sind sie sicherlich erwünscht und werden bestens versorgt. Eine Einreise in die EU kommt
    daher nicht in Frage.

  • am Ende und nach dem 2.Weltkrieg waren Reichs-Interne Fluechtlinge aus Ostpreussen und Pimocke = Vertriebene aus dem ehemaligen Polen und der ehemaligen Ukraine, sowie aus Schlesien etc im Westen ebenfalls "sehr" wilkommen!
    ungebetene Zuwanderer aus einem andern insbesondere Muslemischen Kulturkreis sollten jedenfalls nicht "unbedingt" und "alternativlos" hier als Fluechtlinge aufgenommen werden.
    Deitschland schafft sich sonst noch schneller ab, als es eh jetzt schon der Fall ist!

  • Flüchtlinge? Nein es sind kriminelle, faul Sozialschmarototzer. Diese sollen willkommen sein. Gerade haben die friedlichen Erpresser wieder das DGBhaus in Berlin besetzt und erpressen jetzt den DGB. Flüchtling = ich suche im Nachbarland Unterkunft. Deutschland = Nachbarland von Deutschland? Da habe ich in der Erdkunde total geschlafen. Wir sind reich? Nur unsere Flugzeuge sind Schrott. Warum nehmen wir Kinder ohne Begleitung der Eltern auf? Rückführung sofort zu den Eltern! Wir dürfen Eltern und Politiker nicht aus der Verantwortung entlassen. Zivilcourage? Warum wird dies nur von Deutschen gefordert? Warum wollen die Flüchtlinge/Asylanten nicht mit Ihren Nachbar in Frieden leben? Woher haben die "armen" Flüchtlingen die Tausende für Schleuser?? Sie könnten, was sie nicht wollen, ihre Heimat damit aufbauen!

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