Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer Warum Afrika schweigt

Menschen sterben zu Hunderten im Mittelmeer. In deren Heimatländern interessiert das kaum: Afrikas Medien thematisieren Flüchtlingskatastrophen wenig, die Ursachen noch seltener. Die Schuld machen sie ganz woanders aus.
Update: 21.04.2015 - 14:01 Uhr 26 Kommentare

EU ringt um Flüchtlingspolitik

Kapstadt800 Tote am Wochenende, vergangene Woche verlieren 400 Menschen auf der Flucht vom afrikanischen Kontinent im südlichen Mittelmeer ihr Leben. Schon wieder. Immer wieder. Doch in den afrikanischen Staaten von Nigeria über Mosambik bis nach Südafrika scheint das kaum zu interessieren.

In den großen afrikanischen Zeitungen wird die Flüchtlingskatastrophe trotz des Todes vieler Menschen vom eigenen Kontinent weitgehend ignoriert. Im Mittelpunkt der Berichterstattung stehen statt dessen lokale Fragen. Einziges außenpolitisches Thema sind die Übergriffe schwarzer Südafrikaner auf Zuzügler aus anderen Teilen des Kontinents. Dies gilt vor allem für die Zeitungen in Äthiopien, Nigeria oder Mosambik, deren Landsleute von den Pogromen am Kap direkt betroffen sind.

So empört sich die äthiopische ECADF in einem Meinungsstück über die skandalöse Untätigkeit der südafrikanischen Regierung gegenüber den brutalen Übergriffen der eigenen Bevölkerung auf afrikanische Immigranten.

Symptomatisch für die Berichterstattung auf dem Kontinent steht Südafrika: Zwar berichten fast alle Blätter im größten Medienmarkt des Kontinents über das Schiffsunglück, doch werden ausschließlich westliche Agenturberichte verwendet. Das liegt daran, dass fast keine einzige Zeitung am Kap über eigene Auslandskorrespondenten verfügt. Bei den Fernsehsendern ist das Bild ähnlich. Hier kommen Berichte der BBC und des arabischen Nachrichtendienstes Al Jazeera zum Einsatz. Eigene Meinungsbeiträge zu den Vorkommnissen sucht man vergeblich.

Das gleiche Bild findet sich in Ostafrika. Weder die kenianische „Daily Nation“ noch der „Standard“ beschäftigen sich mit der Tragödie im Mittelmeer, sondern widmen sich stattdessen ausführlich den Nachwirkungen des Terrorangriffs auf eine kenianische Universität vor mehr als zwei Wochen.

Die toten Afrikaner im Mittelmeer schaffen es nicht einmal auf die Website der Online-Ausgaben beider Blätter. Auch Nigerias „This Day“ übergeht das Thema und schreibt lieber über Studentenproteste in Lagos gegen südafrikanische Unternehmen.

Flüchtlingsdrama: Politik nimmt Tote in Kauf

Selbst wenn die Medien in Afrika einmal über die Flüchtlingsströme nach Norden berichten, werden selten die Hauptschuldigen dafür offen benannt: die afrikanischen Regierungen. Statt dessen ist, wie auch in den europäischen Medien, oft vom Versagen und der Schuld Europas die Rede. Mit häufig moralischem Unterton beschweren sich afrikanische Journalisten über die vermeintliche Hartherzigkeit, die hohen Zäune und „die Festung Europas“.

Froh, dass Nörgler und Aufmüpfige ihre Heimat verlassen
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26 Kommentare zu "Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer: Warum Afrika schweigt"

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  • Ach, Sie wollen wohl den Tatsachen nicht in das Augen sehen. In spätestens ein paar Jahren sprechen wir uns dann wieder.

  • Aufgrund von zahlreichen Verstößen gegen unsere Netiquette sahen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion für diesen Artikel einzufrieren. Ein weiteres kommentieren ist damit nicht möglich. Wir bitten dafür um Ihr Verständnis.

  • Nur zu, wenn Sie Experte sind: Packen Sie es an und lassen Sie ihren Worten Taten folgen. Ich werde Sie nicht aufhalten.

    Nur eins bitte: Realpolitik statt Ideologie.

  • @ Martin Zuehlke
    Sie sind also den gewissenlosen Schleusern und Menschenhändlern moralisch nicht allzuweit entfernt!

    Sobald das Boot also abgelegt hat, hinauf mit Ihnen, auf die Gutmensch-Anklagebank!

  • Überhaupt nicht, das Statement kommt ganz klar nur von Ihnen. Ich spreche ausschließlich von vorherrschenden Realitäten und Wirklichkeiten.

  • ---@ Herr Martin Zuehlke

    Ja, auch sie müssen sich später mal den Vorwurf gefallen lassen, warum sie Urecht erkann und geduldet haben.

    Es geht hier nicht um Einzelpersonen, denn die haben inder Geschichte noch nie eine Rolle gespielt. Es geht hier auch nicht darum, dass Menschen im Mittelmeer ertrinken.

    Es geht hier nur darum, dass unser System zusammen brechen wird, wenn wir nichts gegen diese Invasion unternehmen. Bei allem Respekt, aber aus dem Bereich der Medizin sollten auch sie leicht erkennen, was mit einem Körper-System passiert, was nicht mehr in der Lage ist, sich gegen ungezügeltes Wachtum zu erwehren.

    Ich wünsche Ihnen trotzdem, dass ihr Körper-System trotzdem sich gegen ungezügeltes Wachtum wehren wird.

  • Schwarzafrika: so schreibt man heutzutage über einen Kontinent, der zu gewärtigen hat, wie er verscherbelt wird mit seinen Rohstoffbörsen für Papiere...

  • Ich schlage vor die einschlägigen Kommentatoren in diesem Forum auf eine Nußschale Richtung Afrika auszusetzen. Das löst zumindest das Problem der fortwährenden zynischen, menschenverachtenden und rassistischen Kommentare in diesem Forum.

  • @NM
    Sie versuchen es wiedermal mit Symptombekämpfung: business as used.
    Sehen Sie sich nur an, wie China das macht mit seinen Partnern: China baut die Infrastruktur aus und bezieht im Gegenzug konsturktive Vertragswerke.

    Was Sie vorschlagen indes ist: weiter so plus: stoppen von Flüchtlingsströmen, statt dafür zu sorgen, dass die Leute nicht fliehen müssen, weil man sich von Diktaturen zuverlässigere Ertragsquellen verspricht.

    Mau NM, sehr mau: am besten Sie lesen nicht nocheinmal Ihre Hauptschrift "Il Principe" durch, bevor Sie die Moderne etwas lehren möchten über nachhaltige Entiwcklungskonzepte von Macht...

  • Eines ist klar, an Menschen und Menschenmassen ohne Perspektive fehlt es den schwarzafrikanischen Staaten nicht. Für die Bevölkerungsexplosionen der afrikanischen Länder sind allerdings nicht die Europäer verantwortlich zu machen auch nicht dafür , dass viele afrikanische Staaten auf eine Weise regiert werden, für die der Ausdruck "supoptimal" eine reine Beschönigung ist,, "katastrophal" ist angemessener.

    Die Probleme Schwarzafrikas können nicht in Europa gelöst werden und schon gar nicht durch illegale Massen.einwanderung.

    Was ist zu tun? Die Grenzsicherung Europas ist zu gewährleisten durch flächendeckende Überwachung der üblichen Routen der Schlepperkriminalität im Mittelmeer. Die Schlepperschiffe mit den illelgalen Immigranten sind an den Hacken zu nehmen und und zu den Ausgangshäfen zurückzuführen und müssen da zerstört werden.

    Die Unglücke mit den hunderten von Toten sind ein Skandal. Die finanziellen Mittel zur Rückführung der Schiffe schon im Vorraum der europäischen Küsten sind gemeinsam von allen europäischen Staaten zu gewährleisten und aufzubringen.

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