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Flüchtlingskrise in Europa Schweden brennt

Lange hat Schweden großzügig Flüchtlinge aufgenommen. Doch jetzt kann das Land nicht mehr und die Stimmung kippt – begleitet von unheimlichen Bränden und einem rassistischen Attentäter. Die Regierung zog nun Konsequenzen.
Update: 23.10.2015 - 13:05 Uhr 72 Kommentare
Eine geplante Unterkunft für Asylbewerber nach der nächsten geht in Schweden in Flammen. Quelle: dpa
Brand im Flüchtlingsheim

Eine geplante Unterkunft für Asylbewerber nach der nächsten geht in Schweden in Flammen.

(Foto: dpa)

Stockholm Neben Deutschland ist Schweden das Hoffnungsland vieler Flüchtlinge. Zehntausende von ihnen hat Schweden in den vergangenen Monaten mit offenen Armen empfangen. In Europa nimmt kein Staat gemessen an der Einwohnerzahl auch nur annähernd so viele Menschen auf. Doch der Zustrom überfordert das skandinavische Land zunehmend. „Wir sind an der Grenze unserer Kapazität“, sagt Regierungschef Stefan Löfven. Mit der immer größeren Belastung droht die Stimmung in der Bevölkerung zu kippen, ähnlich wie in Deutschland.

Und während die Regierung verzweifelt nach Lösungen sucht, steht eine geplante Unterkunft für Asylbewerber nach der nächsten in Flammen. Auch das kennt man aus Deutschland. Zuletzt brennt am Donnerstag ein früheres Altersheim im südschwedischen Schonen, in dem Flüchtlinge unterkommen sollten. Verletzte gibt es nicht, aber das Feuer ist ein weiteres Kapitel in einer beunruhigenden Brandserie im ganzen Land, die Schweden seit Wochen zusetzt und die Diskussionen verschärft.

Weiteres Zeichen ist ein Attentat, das an die Attacke auf die inzwischen gewählte Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker erinnert. Getrieben von „rassistischen Motiven“ hat ein Mann, mit einem Schwert bewaffnet, in einer Kronan-Schule in der Industriestadt Trollhättan einen Lehrer und einen Schüler getötet. Schwedische Medien hatten bereits über einen rechtsextremen Hintergrund bei dem Angreifer berichtet. Demnach hatte der Täter im Internet Material verbreitet, in dem Adolf Hitler und Nazi-Deutschland glorifiziert wurden. Es ging demnach auch um Kritik am Islam und an der Einwanderung.

Der schwedische Ministerpräsident Stefan Löfven. Quelle: dpa
Unter Druck

Der schwedische Ministerpräsident Stefan Löfven.

(Foto: dpa)

Am Freitag zog die Regierung erste Konsequenzen und verschärfte seine Regeln für die Aufnahme von Asylbewerbern. So wird beispielsweise eine befristete Aufenthaltserlaubnis eingeführt. Einige Flüchtlinge, etwa Familien mit Kindern, sollen davon ausgenommen werden. Außerdem sollen Asylanträge schneller bearbeitet und abgewiesene Asylbewerber schneller zurückgeschickt werden, damit Unterkünfte für Neuankömmlinge frei werden. Auf befristete Grenzkontrollen haben sich die Parteien laut Abkommen nicht geeinigt.

Löfven ist in der Krise schwer unter Druck geraten. Das machte er zuletzt auch in Brüssel klar: „Schweden nimmt nicht einfach immer weiter seinen Teil (an Flüchtlingen) auf, solange das andere Länder nicht auch tun.“ Nach Ansicht der rechtspopulistischen Schwedendemokraten (SD) hat seine großzügige Asylpolitik das Land in eine Katastrophe geführt. Sie verlangen eine Volksabstimmung über die Flüchtlingsfrage - und eine Anzeigenkampagne, wie sie das Nachbarland Dänemark führt.

190.000 Asylbewerber werden erwartet

Mit strengeren Regeln hatte die dänische Regierung das Land gezielt weniger attraktiv für Flüchtlinge machen wollen. Im Gegensatz zu Schweden hatten dort anschließend nur ein paar Tausend Menschen Asyl gesucht. „Wir wollen mit Annoncen in ausländischen Zeitungen erklären, dass das Schlaraffenland, das sie in Schweden suchen, nicht länger existiert“, sagt SD-Parteichef Jimmie Åkesson.

Bis zu 190.000 Asylbewerber erwartet das Land nach einer neuen Prognose in diesem Jahr, noch einmal 40.000 mehr als maximal erwartet waren, darunter viele unbegleitete Kinder. „Die Situation ist beispiellos“, warnt Anders Danielsson, Direktor der Migrationsbehörde. Jede Woche kommen in diesem Monat 9.000 Menschen an. Allein über Rostock und Sassnitz sind seit Anfang September nach vorsichtigen Schätzungen rund 15.000 Menschen nach Schweden gelangt.

Hunderttausende von Flüchtlingen werden dieses Jahr in Deutschland Asyl beantragen. Was denken sie? Was wollen sie? Weil die Neuankömmlinge noch immer vielsprachig sprachlos sind, will das Handelsblatt ihnen eine Stimme geben: Auf 50 Seiten sprechen und schreiben Künstler und Unternehmer, Schriftsteller, Ärzte und Ingenieure, Männer und Frauen aus Afghanistan, Iran und und Irak, Syrien, Eritrea aber auch dem Kosovo über Merkel und Europa, Heidenau und das Schleppergeschäft – aber auch die Sorgen der Deutschen, mit denen sie nun konfrontiert werden. Das komplette Dossier als PDF zum Download.

Beheizte Zelte sollen einigen von ihnen im eisigen nordischen Winter einen Not-Unterschlupf bieten, doch bis zum Jahresende könnten trotzdem bis zu 45 000 Schlafplätze fehlen.

Die Kosten sprengen die Budgets von Staat und Kommunen schon jetzt. Und Erleichterung ist nicht in Sicht. Die Migrationsbehörde hat ausgerechnet, dass sie 29 Milliarden Kronen (rund drei Milliarden Euro) mehr benötigt als erwartet, um die Aufgabe auch im kommenden Jahr stemmen zu können. Nach Prognosen der Behörde könnten dann noch einmal mehr als 150 000 Menschen Schweden erreichen.

Einige Städte wie Malmö – Anlaufstelle Nummer eins für Neuankömmlinge in Südschweden – sagen inzwischen nicht mehr, wo sie die Asylbewerber unterbringen wollen. Damit nicht noch mehr geplante Unterkünfte in Flammen aufgehen.

  • dpa
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72 Kommentare zu "Flüchtlingskrise in Europa: Schweden brennt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Liebe Leser. Die Kommentarfunktion ist geschlossen. Leserbriefe und interessante Beiträge zur Debatte nehmen wir gerne unter [email protected] entgegen. Beste Grüße aus der Redaktion.

  • Heute auf der 1. Seite der WAZ : Zitat "die Helfer rennen uns die Türen ein" sagte Essens Stadtsprecherin Jeanette von Lanken -Zitat Ende

  • da fällt mir noch eine Meldung zur "SPD" (angeblich eine deutsche Volkspartei) ein:

    zukünftig sollen 1/3 aller Führungspositionen durch "Migranten" besetzt werden.

    Ein Schelm wer Böses dabei denkt !!!!

  • @ Herr Heinz Keizer

    >> Mal abgesehen davon, dass Russland schon immer im Nahen Osten mitgemischt hat, durch die Bombardierung von Assad-Gegnern wird der Flüchtlingsstrom weiter zunehmen. >>

    Russland hat einen Militärstützpunkt in Syrien für das Mittelmeer......den EINZIGEN !

    Russland hat in der Region mitgemischt...es hat dort auch Interessen, und es ist auch ein legitimes Mittel der Russen, dort mitzumischen !

    Russland hat aber keinerlei Einflüsse auf den Arabischen Frühling, den der Westen veranstaltet hat, und auch nicht auf die Zerstörung der Staaten Irak, Libyen, Syrien , die die Flucht erzeugt hat !

    Der IS, Al-Nusra, die anstelle der Regierungen in diesen Ländern getreten sind und die sogenannte "Opposition" darstellen, ziehen mordend durch die Landschaft.

    Nur wenn diese Terror-Horden ausgelöscht sind, kann man von einer Befriedung dieser Länder sprechen und die Flüchtlingswelle stoppen.

    Einen anderen Weg gibt es nicht. Der Westen hat weder gegen den IS ( den er erzeugt hat ) getan noch will er etwas tun. Der Westen unterstützt die Terroristen mit Waffen ( werfen auch heute noch Waffen ab ) und mit Geld.

    Die Russen haben zu Recht eingegriffen, zumal mittlerweile 15.000 Freischärler aus dem Kaukasus und Mittelasien unter Terroristen gegangen sind und die Bewegung nach Russland holen. Und in Russland wohnen über 20 Mio. Moslems, die beeinflussbar sind.

    Wenn die Russen die Al-Kaida ( Al-Nusra ) und den IS mit Unterstützung von ASSAD AUSGELÖSCHT HABEN, kann in Syrien eine Regierung gewählt werden und die Flüchtlingswelle damit unterbunden werden. Das wird aber noch dauern...schätzungsweise viele Monate.

    Europa muss sich aber heute schon von dieser Migration befreien...sonst gibt es hier Bürgerkrieg !


  • Das nutz vor allem den kriegstreibenden Imperialisten, vor allem aus Übersee, in dessen Auftrag die Sekretärin für Agitation und Propaganda seit 10 jahren hier ihr Unswesen treibt.

    Und wer die Dinge hier beim Namen nennt, der ist ein NAZI!

  • Die EU ist nur gut, superteuer nutzlose Normiereungen vorzunehmen: Stausauger, Glühbirnen, Gurkenkrümmung und Öllampen und dergl., dafür können Sie die EU gebrauchen.
    Aber für die Sicherung der Grenzen, die Einhaltung des Stabilitäts-Pakt, die No-Bail-Out-Klausel, eine Bankenaufsicht, Schengen- und Dublin-Vereinbarungen ... all dafür können Sie die EU vergessen.

    Und deswegen kann die EU auch wieder in den Mülleimer.

  • Hallo Herr Bertram,

    keine Ahnung wo Herr Albers heute steckt. Erscheint seinen Job nur noch nachlässig auszuüben.

    Wahrscheinlich schlechte Bezahlung für seine Bemühungen.

    Na, gönnen wir ihm eine "Ruhepause" zur Regeneration und eine Gehaltserhöhung seiner Brötchengeber. .

    Beste Grüße

  • Genau so ist es. Bei allem muss man immer fragen wem nützt es.
    Ung glaubt mir die haben Zeit. Und wenn es noch ein paar Jahrzehnte dauert. Das Bargeld schaffen die ab. Das letzte bisschen Freiheit

  • In der Politik geschieht geschieht nichts zufällig. Wenn etwas geschieht, kann man sicher sein, dass es auch auf dieser Weise geplant war. Franklin D. Roosevelt (1882-1945)
    Die Frage stellt sich also: wem nützt es.

  • Wendt will den Zaun!

    Der oberste Polizeigewerkschaftler fordert die Obergrenze und er fordert den Zaun, um diese Obergrenze real durchzusetzten.

    Stringent und logisch, ist dann auch ein österreichischer Zaun.

    Dieses Zaunbauen ist "häßlich" nach der politischen Vorgabe der Frau Merkel.. Häßliche Bilder will Frau Merkel vermeiden.

    Ohne Sicherung der Aussengrenzen der EU, von der nichts zu sehen ist, sind "häßliche" Bilder nicht zu vermeiden.

    Häßlich sind auch auseinanderbrechende Familien deutscher Polizisten, die inzwischen absolut überfordert sind. und am Rand ihrer Kräfte.

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