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Flut in Laos

Durch den Dammbruch starben viele Menschen – die Regierung wird an den umstrittenen Bauprojekten festhalten.

(Foto: AFP)

Flutkatastrophe Laos größter Wachstumstreiber ist Strom aus Wasserkraft – doch die Dämme sind unsicher

Mit zahlreichen Staudämmen will Laos zur „Batterie Asiens“ werden. Eine Flutkatastrophe zeigt nun brutal die Gefahren der Wachstumsstrategie auf.
25.07.2018 - 15:48 Uhr Kommentieren

Bangkok Das Wasser kam in der Dunkelheit, und es kam schnell: Nach dem Dammbruch am Montag in Laos werden noch immer Hunderte Menschen vermisst. Mindestens 19 Menschen sind laut offiziellen Angaben von der Flutwelle getötet worden, Tausende warten noch auf Dächern und Bäumen auf Hilfe. Die meisten Beobachter gehen davon aus, dass die Zahl der Todesopfer noch deutlich steigen wird. Möglicherweise sind Hunderte ertrunken.

Der Dammbruch in der südlichen Provinz Attapeu ist nicht nur eine humanitäre Tragödie. Er stellt auch die Entwicklungsstrategie des gesamten Landes auf den Prüfstand: Das kleine Laos hat sich vorgenommen, mithilfe von zahlreichen Wasserkraftwerken zur „Batterie Asiens“ zu werden, wie es die kommunistische Regierung nennt.

Im Land selbst duldet die Kommunistische Partei kaum Widerspruch, doch international ist die Strategie ökologisch und wegen Sicherheitsbedenken hoch umstritten – jetzt erst recht. „Die Behörden müssen unverzüglich überprüfen, wie die Dämme geplant, entworfen und gemanagt werden“, warnt die Nichtregierungsorganisation International Rivers bereits.

Dass Laos einige der Staudammprojekte nun abbricht oder von der Strategie abweicht, scheint aber unwahrscheinlich. Die Führung sieht kaum eine Alternative zur extremen Nutzung der Wasserkraft. Da Laos weder qualifizierte Arbeitskräfte hat noch Zugang zum Meer besitzt, ist es für die meisten Unternehmen als Produktionsstandort unattraktiv. Was das Land mit rund sechs Millionen Einwohnern aber zu bieten hat, sind massenhaft Wasser und Berge – ideale Bedingungen für Wasserkraftwerke.

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    Schon heute ist der Energiesektor für rund ein Drittel aller Exporte verantwortlich. Die Asiatische Entwicklungsbank sieht in der schnell steigenden Stromproduktion und den einhergehenden riesigen Infrastrukturprojekten einen der größten Wachstumstreiber des südostasiatischen Landes, das dieses Jahr mit knapp sieben Prozent wachsen soll.

    Im ganzen Land Milliardenprojekte

    Erst vergangenes Jahr bekräftigte die Regierung noch einmal ihre ambitionierten Ziele. Sogar bis ins mehrere Tausend Kilometer entfernte Singapur will die Regierung den Strom verkaufen. Bis 2020 soll das Land eine Wasserkraftkapazität von rund 20.000 Megawatt haben – derzeit ist es nur etwa ein Drittel. Von rund 50 soll die Zahl der Staudämme auf 100 anwachsen.

    Im ganzen Land wird gebaut, und viele der Projekte haben riesige Ausmaße: Allein der aktuelle Unglücksstaudamm Xepian-Xe Nam Noy kostete rund eine Milliarde US-Dollar. Wie bei vielen der Staudämme sind mehrere ausländische Firmen beteiligt: SK Engineering und Korea Western Power aus Südkorea sowie die thailändische Ratchaburi Electricity Generating Holding. Bei vielen anderen Projekten mischen auch chinesische Unternehmen mit.

    Doch nach der Katastrophe dürfte die Kritik an den Plänen der Regierung noch lauter werden. Bisher waren es hauptsächlich Bedenken um Umwelt und lokale Dorfgemeinschaften. Die intergouvernementale Mekong-Kommission befürchtet beispielsweise, dass die Fischpopulation in dem südostasiatischen Strom wegen der Projekte um 40 Prozent sinken könnte. Auch dass weniger Sedimente ins Mekongdelta in Vietnam gespült werden, beunruhigt Experten.

    Nun drängen sich Sicherheitsbedenken immer stärker in den Vordergrund. Schon im vergangenen Jahr brach eine Dammbaustelle. Ein Video, auf dem Menschen panisch flüchteten, zirkulierte schnell in den sozialen Netzwerken. Glücklicherweise entstand damals aber nur Sachschaden.

    Nun sehen sich die Kritiker in ihren Bedenken bestätigt, zumal ihnen der Ablauf der Katastrophe recht gibt: Das an dem Projekt beteiligte Unternehmen SK Engineering sieht als vorläufige Ursache für das Unglück den zu schnellen Wasserzufluss nach heftigen Regenfällen. Das Reservoir war schließlich mit so viel Wasser gefüllt, dass einer der Dämme des Projekts nachgab. Das Stockholmer Umweltinstitut hatte schon früher vor solchen Unwägbarkeiten gewarnt: „Wechselnder Niederschlag und extreme Wetterbedingungen können ein Risiko für Laos’ von Wasserkraft dominiertes Elektrizitätssystem darstellen.“

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