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Fondsmanager alarmiert „EZB pflanzt die Saat für ein Auseinanderfallen der Euro-Zone“

Um den Euro zu retten, hat die Europäische Zentralbank die Geldmärkte geflutet. Doch was die Schuldenkrise beilegen sollte, droht nun die Gemeinschaftswährung zu untergraben.
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Blick auf die EZB-Zentrale in Frankfurt. Quelle: dpa

Blick auf die EZB-Zentrale in Frankfurt.

(Foto: dpa)

LondonEZB-Kredite im Wert von über 1,3 Billionen Euro sind für Käufe von Staatsanleihen verwendet worden, was die Fremdkapitalkosten begrenzt hat. Da die Abhängigkeit Italiens von heimischen Kreditinstituten steigt und spanische Banken die Käufe von heimischen Staatsanleihen verstärken, lassen die wirtschaftlichen Bindungen, die das Schicksal der Euromitglieder verknüpfen, nach. Damit sinkt für andere Länder der Anreiz für Stützungsmaßnahmen zum Erhalt der Währungsunion.

„Nachdem die lokalen Bondmärkte nun nur noch im Besitz heimischer Institute sind, gibt es immer weniger Anreize für andere Länder, diese zu stützen und einigen von ihnen finanziell unter die Arme zu greifen“, erläutert Stephane Monier, Fondsmanagerin bei Lombard Odier Investment Managers. „Im Grunde genommen pflanzen sie die Saat für ein Auseinanderfallen der Eurozone.“

Die EZB startete im Dezember den ersten von zwei außergewöhnlichen Drei-Jahres-Kredittendern zu einem Zinssatz von einem Prozent. Italienische Banken haben ihre Bestände an Staatsanleihen auf 323,9 Mrd. Euro erhöht, vergleichen mit 301,6 Mrd. Euro im Februar und 247,4 Mrd. Euro im November, so die EZB. Spanische Banken halten Bonds in Höhe von 263,3 Mrd. Euro, verglichen mit 245,6 Mrd. Euro im Februar und 177,9 Mrd. Euro im November.

Seit den längerfristigen Refinanzierungsgeschäften (LTRO) haben beide Länder erklärt, dass sie die mit der Europäischen Kommission vereinbarten Defizitziele verfehlen werden. Das hat die spanischen Zwei-Jahres-Renditen auf 3,25 Prozent getrieben, was mehr als einen Prozentpunkt über dem Tiefstwert in diesem Jahr liegt. Die italienischen Renditen sind gegenüber ihrem Tief von 2012 um fast 1,5 Punkte gestiegen bis auf 3,13 Prozent, während die Renditen deutscher Bundesschatzanweisungen am 27. April auf ein Rekordtief von 0,075 Prozent gesunken sind.

Indes stoßen ausländische Investoren ihre Bestände ab, wie aus separaten Daten hervorgeht. Ausländische Investoren haben ihre Positionen an spanischen Festverzinslichen im März um 20 Mrd. Euro oder 9,3 Prozent zurückgefahren.

„Relokalisierung der Märkte“

„Überall, wo es eine Krise gibt, findet eine Relokalisierung der Märkte statt“, berichtet Laurent Fransolet, Leiter Strategie Festverzinsliche bei Barclays Capital in London. „In Spanien und anderen Euroraum-Randstaaten war es klar, dass es umfangreiche Verkäufe durch ausländische Investoren gegeben hat und irgendjemand muss diese Papiere aufnehmen. Diese Unsicherheit macht die Anleger weiter nervös.“

Spaniens Kosten, Kapital für 10 Jahre aufzunehmen, sind im vergangenen Monat um 42 Basispunkte gestiegen und erreichten am 16. April 6,16 Prozent, den höchsten Wert seit dem 1. Dezember. Die zehnjährigen italienischen Renditen sind von 5,12 Prozent Anfang April auf 5,52 Prozent geklettert.

Anleihen aus den beiden Ländern brachten den Anlegern im vergangenen Monat die größten Verluste im Euroraum ein, zeigen Daten von Bloomberg und der European Federation of Financial Analysts Societies. Spanische Staatsanleihen büßten im April 1,8 Prozent ein, italienische Papiere verloren 1,3 Prozent.

Die Bonitätsnote Spaniens wurde von Standard & Poor's zum zweiten Mal in diesem Jahr herabgestuft. Die Ratingagentur begründete dies mit den Bedenken, dass das Land bei einer Konjunkturverschlechterung seinen Banken weiterhin finanziell unter die Arme greifen muss. S&P hat am Montag die Ratingnoten von elf spanischen Banken nach unten korrigiert, darunter Banco Santander SA und Banco Bilbao Vizcaya Argentaria SA und verwies auf die „potenziell negativen Auswirkungen“ der Bonitätsherabstufung des Landes.

„Die Liquiditätsmaßnahmen der EZB sind ein zweischneidiges Schwert“, sagt Gianluca Ziglio, Zinsstratege bei der UBS in London. „Einerseits haben sie die Nachfrage nach Staatsanleihen angeschoben, andererseits sind die Banken dadurch stärker der Volatilität und den sich ausweitenden Spreads ausgesetzt.“

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4 Kommentare zu "Fondsmanager alarmiert: „EZB pflanzt die Saat für ein Auseinanderfallen der Euro-Zone“"

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  • Super. Gerade Deutschland verliert somit noch schneller an Einfluss nicht nur innerhalb der EU. So wie die Weltwirtschaft und die geostrategischen Interessen sich verschieben, gerät Deutschland weiter in Abseits.

  • Was nicht zusammengehört, muss sich wieder trennen.
    Das gilt für Beziehungen, Arbeitsverhältnisse und Währungsunionen.
    Auch wenn manche Euro-Fanatiker das nicht wahrhaben wollen.
    Daran ist nicht die EZB schuld, sondern die verschiedenen Mentaliäten zwischen Nord- und Südstaaten.
    Was die wirklichen Experten übrigens schon immer gesagt haben.

  • Es muss jedem in Deutschland klar sein, dass Draghi indirekt über den Bundeshaushalt bestimmt und die hier gewählten Volksvertreter kein Kontrollrecht über ihn besitzen.

    Besonders deutlich ist dies an dem Umstand zu erkennen, dass Draghi nicht auf Basis des mit Deutschland abgeschlossenen Vertrag agiert.

    Noch bemerkenswerter ist, dass dies allen gewählten Volksvertretern bekannt ist und auch in den Medien großflächig bekannt gemacht wurde und wird.

    Hoffen wir, dass die Wähler diese Leistung mit ihrer Stimmkarte richtig würdigen.

  • Eine gute Entwicklung!!!

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