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Fragliche Immobiliendeals So will Papst Franziskus den Finanzskandal im Vatikan aufklären

Zum ersten Mal spricht das Oberhaupt der Katholiken offen über „Fälle von Korruption“ im Vatikan. Doch die Aufklärung des Skandals wird Monate dauern.
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„Es gab hässliche Dinge.“ Quelle: dpa
Papst Franziskus

„Es gab hässliche Dinge.“

(Foto: dpa)

Rom Papst Franziskus wurde sehr deutlich: Auf dem Rückflug von seiner Reise nach Thailand und Japan sagte er den Journalisten, die ihn auf den Finanzskandal ansprachen: „Es hat hässliche Dinge gegeben, aber der Vatikan muss sie jetzt untersuchen.“ Es ist eine starke Botschaft des 82-jährigen Oberhaupts der Katholiken.

Denn bisher wurden alle Finanzthemen und Unregelmäßigkeiten eher im Verborgenen behandelt – der Heilige Stuhl war traditionell wortkarg. Bis vor ein paar Jahren wurden beispielsweise aus Prinzip keine Bilanzen der Vatikanbank IOR veröffentlicht. Doch jetzt sprach Franziskus zum ersten Mal von Korruption. Er sei aber dennoch zufrieden, denn man sehe, dass die Verwaltung des Vatikans die nötigen Mittel habe, um die „hässlichen Dinge“ aufzuklären. „Es gab Fälle von Korruption da drinnen“, sagte Franziskus wörtlich.

Seit einem Monat kommen immer neue Details des Finanzskandals ans Licht, bei dem es um den Kauf einer Luxusimmobilie in London geht. Fünf Mitarbeiter des Vatikans wurden vom Dienst suspendiert, gegen sie wird wegen Unregelmäßigkeiten beim Erwerb des Hauses durch das vatikanische Staatssekretariat ermittelt. Doch welche Vorwürfe ihnen genau gemacht werden, wurde bisher nicht veröffentlicht. In weniger als einem Monat würden die Vernehmungen beginnen, sagte der Papst. Bis dahin gelte die Unschuldsvermutung.

Die Immobilie in Chelsea, eine ehemalige Harrod’s-Filiale, die zu Luxuswohnungen umgebaut werden soll, hatte der Vatikan erst für viel Geld gekauft – von einem dreistelligen Millionenbetrag ist die Rede – und dann bei der Vatikanbank IOR um einen Kredit gebeten. Italienische Enthüllungsjournalisten hatten berichtet, dass für die Immobile das Geld des „Peterspfennigs“ eingesetzt worden sei – Zuwendungen der Gläubigen für die Kirche.

Papst Franziskus erklärte jetzt, Investitionen in Immobilien seien nicht ehrenrührig, denn wenn sie mit Gewinn verkauft würden, käme das den Armen zugute. Noch ist der Fall nicht bis ins Detail aufgeklärt. „Ein Fall wie das Immobiliengeschäft in London ist sehr schädlich für den Ruf der Kirche“, lässt sich der Mailänder Ökonom Giulio Sapelli zitieren.

Und die Rücktritte häufen sich: Erst ging der Chef der Vatikan-Gendarmerie, weil die Namen der fünf Verdächtigen an die Presse gelangt waren, dann der Präsident der Finanzaufsicht AIF und ein Mitglied des Verwaltungsrates. Und nun auch der Privatsekretär des Papstes. Als Nachfolger des australischen Kardinals George Pell, der wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt wurde und auf sein Berufungsverfahren wartet, ernannte der Papst den spanischen Jesuitenpater Juan Antonio Guerrero zum neuen Präfekten des Wirtschaftssekretariats. Er habe keine keine Finanzexpertise, heißt es in Rom.

Neue Transparenz

Am meisten wird über den Abgang des Schweizer Finanzexperten René Brülhart spekuliert. Er gilt als Experte für die Bekämpfung von Geldwäsche und leitete das AIF – die Vatikanische Finanzinformationsbehörde. Unter seiner Führung wurden im Vatikan die internationalen Standards in der Finanztransparenz eingeführt.

Brülhart schuf ein Meldesystem für verdächtige Transaktionen und startete eine interne Bereinigung bei der Vatikanbank IOR, seitdem wurden rund ein Viertel der Konten geschlossen. Seit einem Jahr gehört der Vatikanstaat auch zum europäischen Zahlungsraum SEPA und hat eine eigene IBAN für Zahlungen in Euro – eine Revolution für den Kirchenstaat.

Anfang Oktober dann wurden die AIF-Büros durchsucht und Dokumente wie Computer beschlagnahmt. Wenn die Behörde nicht mehr handlungsfähig sei, sei auch der letzte Versuch gescheitert, den internationalen Kontrollinstitutionen Garantien für Transparenz zu bieten, meint ein Insider. Und nicht nur das: die Egmont-Gruppe, in der Finanzbehörden von 130 Staaten Informationen über den Kampf gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung austauschen, gewährt dem Vatikan vorerst keinen Zugang mehr zu ihrem gesicherten Kommunikationsnetzwerk.

Seit seiner Wahl 2013 hat sich Franziskus um Reformen bemüht. Doch es gibt nach wie vor Kräfte in der Kurie, die dagegen wirken. Es hakt, trotz seiner offenen Worte. Immerhin, Brülharts Nachfolger bei der AIF, Carmelo Barbagallo, am Mittwoch berufen, ist ein positives Signal. Der Chef der Finanzaufsicht der Banca d‘Italia, seit 40 Jahren bei der Notenbank, gilt als großer Experte.

Mehr: Binnen einer Woche sind im Vatikan zwei Mitglieder der Finanzaufsicht zurückgetreten – und ein neuer Immobilien-Skandal bahnt sich an. Was ist da los?

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