François Fillon Frankreich könnte Schicksal Griechenlands drohen

Frankreich belegt Platz sieben der am stärksten verschuldeten EU-Länder. Kurz vor der Präsidentschaftswahl wirbt Kandidat Fillon deshalb erneut für einen Sparkurs – und vergleicht Frankreich mit Griechenland.
Kommentieren
Der Präsidentschaftskandidat befürchtet, dass Frankreich das gleiche Schicksal wie dem schuldengeplagten Griechenland droht. Quelle: AFP
François Fillon

Der Präsidentschaftskandidat befürchtet, dass Frankreich das gleiche Schicksal wie dem schuldengeplagten Griechenland droht.

(Foto: AFP)

BigugliaRund drei Wochen vor der Präsidentenwahl in Frankreich macht der konservative Kandidat François Fillon mit drastischen Vergleichen Werbung für den von ihm propagierten Sparkurs. Seinem Land drohe dasselbe Schicksal wie dem schuldengeplagten Griechenland, sagte der ehemalige Ministerpräsident am Samstag auf Korsika. Frankreich als Staat stehe vor dem Scheitern.

„Unser Schuldenstand zwingt uns dazu, an den internationalen Märkten täglich Milliarden von Euro aufzunehmen“, kritisierte Fillon. Er hat angekündigt, 100 Milliarden Euro Staatsausgaben einzusparen und 500.000 Stellen im öffentlichen Dienst zu streichen. Frankreich lag laut der Statistikbehörde Eurostat mit Schulden von etwas mehr als 96 Prozent der Wirtschaftsleistung im Jahr 2015 auf Platz sieben der am stärksten verschuldeten EU-Länder, Griechenland mit gut 177 Prozent auf Platz eins.

Das wollen Le Pen, Fillon, Macron & Co.
Wahlen in Frankreich
1 von 6

Wenn die Franzosen in einem Monat an die Wahlurnen gehen, steht viel auf dem Spiel. Die hohen Umfragewerte für die EU-feindliche Rechtspopulistin Marine Le Pen machen die Präsidentschaftswahl zu einer Abstimmung über Frankreichs Platz in Europa. Viele Menschen sind enttäuscht von den als gescheitert wahrgenommenen Amtszeiten des Konservativen Nicolas Sarkozy und des Sozialisten François Hollande. Und das ist nicht nur ein Gefühl: Frankreichs Wirtschaft kommt einfach nicht in die Gänge und die Situation am Arbeitsmarkt ist nach wie vor dramatisch. Fünf der insgesamt elf Kandidaten für das Präsidentenamt debattierten zu Wochenbeginn im Sender TF 1. Ihre zentralen Aussagen im Überblick:

Francois Fillon
2 von 6

Francois Fillon, der 63-jährige Kandidat der konservativen Republikaner, will Frankreich eine Rosskur verordnen, um das Land wirtschaftlich wieder fit zu machen. Die Regelarbeitszeit von 35 Stunden in der Woche soll fallen, das gesetzliche Rentenalter will Fillon bis 2022 auf 65 Jahre anheben. „Ich werde der Präsident der nationalen Sanierung sein“, sagte er in der TV-Debatte. Nach seinen Plänen sollen im öffentlichen Dienst 500.000 Jobs wegfallen. Die legale Einwanderung will der Konservative auf das strikte Minimum begrenzen, den Familiennachzug erschweren. Fillon steht wegen einer Affäre um die Beschäftigung seiner Frau in der Kritik.

Benoit Hamon
3 von 6

Benoit Hamon, 49-jähriger Spitzenkandidat der regierenden Sozialisten, will als einziger Präsidentschaftsbewerber ein Grundeinkommen einführen. In einer ersten Stufe sollten junge Menschen und Arbeitnehmer mit sehr geringem Einkommen mit 600 Euro monatlich profitieren. Kritik an hohen Kosten wies der zum linken Flügel der Parti Socialiste (PS) gehörende Ex-Minister bisher zurück. Er tritt auch dafür ein, Bankengewinne zusätzlich zu besteuern und bei öffentlichen Aufträgen einen Anteil von 50 Prozent für französische Unternehmen zu reservieren. Davon sollen vor allem Mittelständler profitieren. In der Flüchtlingspolitik strebt er ein europäisches „humanitäres Visum“ an.

Jean-Luc Melenchon
4 von 6

Der Chef der Bewegung La France insoumise kritisiert Europa. Jean-Luc Melenchon will über die europäischen Verträge verhandeln und über das Resultat in einem Referendum abstimmen lassen. Das Verteidigungsbündnis Nato will er verlassen, „um nicht mehr in Kriege verwickelt zu werden, die wir nicht kontrollieren“. Der 65 Jahre alte Linkspolitiker will auch ein Umwelt-Präsident sein und plädiert deshalb für den Ausstieg aus der Atomenergie.

Marine Le Pen
5 von 6

Marine Le Pen, die Rechtspopulistin von der Front National (FN), ist eine leidenschaftliche EU-Gegnerin. Sie will die Franzosen über den Verbleib in der Union abstimmen lassen. Außerdem soll Frankreich den Euro abschaffen und das Schengen-Abkommen für das Reisen ohne Grenzkontrollen verlassen. Sie pocht auf nationale Unabhängigkeit - sie wolle nicht „Vizekanzlerin von Frau Merkel“ sein, sagte Le Pen in der Debatte. Die 48-jährige Chefin der FN sieht sich nach dem angekündigten Brexit der Briten und der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten im Aufwind. „Ich will die Einwanderung stoppen“, lautet eine ihrer Devisen.

Emmanuel Macron
6 von 6

Emmanuel Macron, früherer Wirtschaftsminister von Präsident François Hollande, will das Rechts-Links-Schema durchbrechen und tritt als unabhängiger Kandidat an. Der 39-jährige Chef der Bewegung En Marche! setzt auf Europa und damit eine Partnerschaft mit Deutschland. Er will als Präsident im öffentlichen Dienst 120.000 Stellen streichen. Laut Denkfabrik iFrap ist sein Wirtschaftsprogramm ausgeglichener als das von Fillon. Allerdings würde Schuldensünder Frankreich unter Macron 2022 immer noch ein Defizit von 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung haben.

Innenpolitisch haben Fillons Äußerungen auf Korsika besondere Brisanz, weil er dort schon vor zehn Jahren mit Bemerkungen zum „scheiternden Staat“ einen Sturm der Entrüstung ausgelöst hatte. Damals war er Ministerpräsident unter Präsident Nicolas Sarkozy, der das Amt gerade von dem ebenfalls konservativen Jacques Chirac übernommen hatte.

Im November 2016 schlug Fillon Sarkozy in den parteiinternen Vorwahlen, doch seinen Favoritenstatus für die Präsidentenwahl hat er nach Vorwürfen der Scheinbeschäftigung von Familienmitgliedern verloren: Umfragen zufolge muss er sich in der ersten Wahlrunde am 23. April dem Unabhängigen Emmanuel Macron sowie Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National geschlagen geben. In der zweiten Runde am 7. Mai wird Macron der Sieg vorhergesagt.

  • rtr
Startseite

Mehr zu: François Fillon - Frankreich könnte Schicksal Griechenlands drohen

0 Kommentare zu "François Fillon: Frankreich könnte Schicksal Griechenlands drohen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%