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Frankreich Diese zwei Frauen wollen für Macron in die Europawahl ziehen

Die Europaministerin und die Gesundheitsministerin wollen für „La République en Marche“ bei der Europawahl antreten. Die Entscheidung könnte in der kommenden Woche fallen.
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Frankreichs Gesundheitsministerin (links) und die französische Europaministerin wollen für  „La République en Marche“ bei der Europawahl antreten. Quelle: Bildmontage AFP
Agnès Buzyn (links) und Nathalie Loiseau

Frankreichs Gesundheitsministerin (links) und die französische Europaministerin wollen für „La République en Marche“ bei der Europawahl antreten.

(Foto: Bildmontage AFP)

ParisFrankreichs Frauen haben es besser: Das Land ist Europameister in Sachen Frauenanteil in den Aufsichtsräten. 43 Prozent der verfügbaren Sitze in den Gremien der 120 größten Unternehmen sind weiblich besetzt. Aber auch in der Politik spielen Frauen eine große Rolle. Den Wettstreit um die Spitzenkandidatur für „La République en Marche“ bei der Europawahl tragen zwei Frauen unter sich aus: Nathalie Loiseau, Europaministerin und Agnès Buzyn, Gesundheitsministerin.

Die Entscheidung könnte in der kommenden Woche fallen, in einem Duell. Dabei treffen allerdings nicht die beiden Aspirantinnen aufeinander, sondern Loiseau auf Marine Le Pen, die Chefin des „Rassemblement National“, Ex-Front-National. Buzyn hat es abgelehnt, mit Le Pen zu debattieren, Loiseau hat zugesagt.

In der „Emission Politique“, die ein Millionenpublikum hat, wird sie sich mit der Frontfrau der Rechten messen, die eine gefürchtete Gegnerin ist: Permanent im Angriffsmodus, auch mal laut schreiend, versucht sie ihr Gegenüber einzuschüchtern oder zu zwingen, sich in der Widerlegung haarsträubender Behauptungen zu verlieren.

Marine Le Pen wagt neuen Anlauf

Doch im Wahlkampf zur Präsidentschaft vor knapp zwei Jahren ist sie schon einmal mit Pauken und Trompeten durchgefallen: im Match gegen Emmanuel Macron. Sie konnte nicht sagen, ob sie einen Euro, eine Doppelwährung aus Euro und Ecu oder gar keine gemeinsame Währung wollte, versuchte vergeblich, Macron als böses Geschöpf der Banken hinzustellen und saß am Ende abgedreht kichernd auf ihrem Stuhl. Mehr als ein Jahr brauchte die sonst so Sieggewohnte, um sich von der Blamage zu erholen.

Die Debatte zwischen Loiseau und Le Pen ist weniger wichtig, aber für Loiseau möglicherweise entscheidend. Schneidet sie gegen Le Pen überzeugend ab, könnte ihr das die Kandidatur sichern. Die französischen Medien sehen derzeit Buzyn eher vorne, was immer jene Kaffeesatzleserei bedeuten mag. Eigentlich müsste die Partei entscheiden. Aber es ist Frankreich, deshalb entscheidet in Wahrheit der Präsident.

Buzyn und Loiseau sind sehr unterschiedliche Typen. Buzyn, 57 Jahre, wuchs in einer großbürgerlichen Familie auf. Ihre Eltern hatten eine grausame Kindheit: Vater Eli wurde mit seiner ganzen Familie von den Nazis nach Auschwitz verschleppt, weil sie Juden waren. Nur Eli überlebte.

Ihre Mutter wurde als Kind auf dem Land vor den Nazis versteckt und überlebte ebenfalls. Buzyn wurde wie ihr Vater Ärztin, spezialisierte sich auf Hämatologie und arbeitete später in verschiedenen Organisationen des Gesundheitswesens.

Ihre wichtigsten Aktionen in der Regierung waren bislang ein Plan gegen die Unterversorgung mit Ärzten auf dem Land, die Reform des Medizinstudiums und von Teilen des Gesundheitswesens. „Die Lobby hatte bislang zu großen Einfluss“, sagte sie bei dieser Gelegenheit.

Sie ist eloquent, weltläufig und angenehm im Umgang. Obwohl sie aus einer begüterten Familie stammt, hat sie – nicht zuletzt durch ihre Arbeit im Gesundheitswesen – eine soziale Ader, versteht die Lage von Menschen, die es im Leben schwerer haben. Mit europäischer Politik hat sie sich bislang nicht befasst.

Loiseau hat Durchsetzungsvermögen bewiesen

Loiseau kommt aus einfachen Verhältnissen und hat sich aus eigener Kraft hochgearbeitet. Sie ist Diplomatin, hat 26 Jahre im Außenministerium gearbeitet, unter anderem in Washington und als Generalsekretärin des Quai d’Orsay. Als Frau diesen Job im adlig, vor allem aber männlich geprägten Quai d‘Orsay zu bekommen, erfordert Durchsetzungsvermögen. Das hat Loiseau. Man merkt es ihr allerdings auch an, sie strahlt eine gewisse Härte aus.

Als Europaministerin hat sie dem Amt zum ersten Mal eine politische Bedeutung gegeben. Ein Europaminister ist in Frankreich gewöhnlich eine politische Schmuckpflanze. Die wirkliche Arbeit erledigt der Europaberater des Präsidenten. Loiseau dagegen spielt bei Europäischen Räten und in öffentlichen Debatten mittlerweile eine wichtige Rolle.

Loiseaus Handicap bei der Entscheidung über die Spitzenkandidatur: Ihre ersten Schritte in der Politik machte sie an der Seite des konservativen Politikers Alain Juppé. Und Macron sowie seiner Partei wird ohnehin vorgeworfen, weit nach rechts abgedriftet zu sein.

Um bei der Europawahl vor der Le-Pen-Partei zu landen, muss „La République en Marche“ auch wieder stärker bei der Linken punkten. Eine Nähe der Spitzenkandidatin zu den Konservativen ist da kontraproduktiv, auch wenn sie einige Zeit zurückliegt.

Dass sie zulangen kann, hat Loiseau schon in dieser Woche bewiesen. „Marine Le Pen wartet jeden Tag mit einer neuen Lüge auf“, sagte sie und erinnerte unter anderem an die schräge Behauptung der RN-Vorsitzenden, mit dem neuen Elysée-Vertrag gebe Frankreich das Elsass ab. Auf die Debatte am 14. März kann man gespannt sein.

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