Frankreich lobt die Seidenstraße Macron als Drachenbändiger in China

Frankreichs Präsident wagt einen neuen Ansatz bei der Seidenstraße: Macron setzt auf eine Kooperation mit China bei dem riesigen Handelsprojekt. Bislang war die EU mehr als skeptisch. Doch auch Macron zieht Grenzen.
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Emmanuel Macron als Drachenbändiger in China Quelle: AFP
Macron will China umarmen

Frankreichs Präsident erinnert seine Gastgeber in Peking auch daran, dass die Seidenstraße keine „Einbahnstraße“ sei.

(Foto: AFP)

ParisFrankreichs Staatspräsident setzt zum Auftakt seiner dreitägigen China-Reise einen starken Akzent: In einer Grundsatzrede in Xi’an zum französisch-chinesischen Verhältnis hat er sich positiv zum chinesischen Projekt einer „Neuen Seidenstraße“ geäußert. China will weit mehr als 100 Milliarden Euro investieren, um die eigene Wirtschaft über den Land- und Seeweg mit 16 europäischen Staaten zu verbinden. Diese auch „One Belt, One Road“ genannte Initiative hat die EU bislang eher skeptisch bis ablehnend beurteilt, weil sie fürchtet, dass China die europäische Politik unterläuft und sich einzelne Staaten gefügig macht.

„Lassen Sie uns gemeinsam an diesem großen Projekt arbeiten“, lud Macron seine chinesischen Gastgeber ein, nachdem er in Xi’an die berühmte Terrakotta-Armee eines früheren chinesischen Kaisers besichtigt hatte. So klar und positiv hatte sich bislang noch kein europäischer Politiker zu dem chinesischen Vorhaben geäußert, das für Staats- und Parteichef Xi Jinping eines der wichtigsten Projekte ist, um den weltweiten chinesischen Einfluss zu festigen.

Auf Chinesisch wird Macrons Namen mit Ma Ke Long umschrieben, übersetzt bedeutet das: das Pferd, das den Drachen zähmt. Als Drachenbändiger gab sich Macron denn auch in seiner Rede zu erkennen. Seine Äußerungen zur Seidenstraße-Initiative waren alles andere als naiv oder gar unterwürfig. Er fügte nämlich sofort hinzu, dass man sich dieses gewaltige Projekt nur als eine europäisch-chinesische, gleichberechtigte Kooperation vorstellen könne. „Die Seidenstraßen waren schließlich nie rein chinesisch“, erläuterte der Staatspräsident. „Ich sage Ihnen einfach, dass per definitionem diese Straßen nur gemeinsam verwirklicht werden können und nicht als Einbahnstraße.“

Pars pro toto steht Macrons Einlassung zur Seidenstraße für seine gesamte China-Politik: Europa soll Chinas Stärke als Chance begreifen, nicht versuchen, dessen Aufstieg zur Weltmacht zu behindern, aber gleichzeitig auf Transparenz und klaren Regeln beharren. In dem Maße, in dem die USA sich unter Donald Trump vom Multilateralismus verabschieden, möchte Macron China darin einbeziehen.

Beim Klimaschutz hat das bislang funktioniert: Im Gegensatz zu Trump bleibt Peking beim Pariser Klimaabkommen. In Xi’an zeigte Macron sich dafür dankbar. Gleichzeitig forderte er die Chinesen dazu auf, sich auch beim Kampf gegen den Terror stärker zu engagieren und die G5-Sahel-Initiative zu unterstützen, mit der Europa fünf vom Terror bedrohte afrikanische Staaten wirtschaftlich stärken will.

Macron bleibt seiner schon zum Markenzeichen gewordenen Diplomatie gerecht, die Dinge offen und ohne Schnörkel anzusprechen. Die Seidenstraße müsste, wenn sie verwirklicht werden solle, alle geltenden EU-Regeln etwa für die Finanzierung und die öffentlichen Ausschreibungen einhalten, gab der Präsident zu verstehen.

Macrons Reise dauert bis Mittwoch, seine Frau Brigitte begleitet ihn. Mit ihr wird er noch am Montag nach Peking fliegen und den chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping sowie dessen Frau zu einem Abendessen treffen. Im Laufe der Visite sollen rund 50 Aufträge und Handelsverträge unterzeichnet werden, unter anderem von Airbus, dem Reaktorbauer Areva, Finanzdienstleistern und der französischen Nahrungsmittelindustrie.

Frankreich verzeichnet seit Jahren ein wachsendes Defizit im Austausch mit China. Der Aufbau einer stärkeren chinesischen Mittelschicht wird, so hoffen die Franzosen, Gelegenheit zu einem eher ausgeglichenen Verhältnis geben.

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8 Kommentare zu "Frankreich lobt die Seidenstraße: Macron als Drachenbändiger in China"

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  • Teil 1/2

    Das Projekt „Seidenstraße“ als solches ist sicher mehr als sinnvoll.

    Die Art und Weise, wie die chinesische Führung es in eigener Regie (und v.a. nach eigenen Regeln!) durch- und umzusetzen versucht, ist es aber absolut nicht.

    Eins ist mal klar: Wenn Macron eines kann, dann strategisch denken. Und dass er ein gutes Gespür für die Befindlichkeiten anderer, und, genauso wichtig, gute Umgangsformen (kurz: politisches Geschick) besitzt, hat er schon bewiesen. Ebendiese Fähigkeiten bzw. Talente sind (nicht nur!!) bei Politikern heute mehr denn je von entscheidender Bedeutung - und dies auch nur auch dann, wenn sie philanthropisch-pazifistischer Gesinnung sind (ich hoffe sehr, dass dies auf Macron zutrifft!).

    Trotzdem: Es kann heute nicht mehr sein, dass das Schicksal der gesamten Menschheit von Gesinnung, Fähigkeit und Geschick Einzelner abhängt – also letztlich „Glückssache“ ist, statt dass es auf den freien Willen und die Gestaltungskraft jedes einzelnen Mitglieds der Gesellschaft ankommt.

    Heute muss jeder, der dazu in der Lage ist, selbst politische Verantwortung übernehmen, schon deshalb, weil jeder logischerweise selbst Teil der Politik ist. Und das nicht nur für sich selbst, sondern (vorerst) auch für all diejenigen, die (noch) nicht die Mittel und Möglichkeiten haben, ihre Interessen selbst wirksam durchzusetzen (sei es, weil ihnen dafür das nötige Wissen (bzw. Bildung und Erfahrung) fehlen, oder weil sie mit (Waffen-)Gewalt daran gehindert werden, oder weil der tägliche Überlebenskampf ihre Zeit und Kraft schlicht so sehr in Anspruch nimmt, dass sie dazu kaum noch Reserven übrig haben.

    Allerdings: Wie vermutlich jeder aus eigener Erfahrung weiß, kann Wut immer noch ungeahnte Reserven (= Energien) freisetzen. Ob die aber auch in eine zielführende, d.h. zukunftsweisende bzw. heilsbringende Richtung gelenkt werden, ist allerdings die Frage. Vor allem, wenn machtgierige Populisten – weltliche wie „religiöse“ - versuchen, sich diese Wut - ...

    ... 2/2

  • Teil 2/2:

    ... diese Wut - deren Ursprung eigentlich immer in einer von vielen Menschen als ausweglos empfundenen Notlage zu suchen ist - mithilfe von Manipulation zunutze zu machen, um ihre eigenen Interessen (und letztlich nur die!!) durchzusetzen.

    Von Politikern – egal ob „demokratisch“ gewählt oder nicht - werden erfahrungsgemäß leider oft nur die als zum Zwecke des eigenen Machterhalts unabdingbar erkannten Konzessionen an die Bevölkerung gemacht (bzw. „Kompromisse“ mit anderen „Mächtigen“ eingegangen). Mehr nicht.

  • Gutentag und ein gesundes Neues Jahr. Es ist zu begrüßen, wenn es wirklich einen solchen Handels - und Tourismusweggeben wird. Ohne Beschränkungen damit Menschen und Waren frei von represzalien sich verbreiten können! Es hört sich wie Utopie an, würde aber mehr für ein Friedliches zusammen Leben sorgen. Deswegen beführworte ich solche Ideen! Was bringt uns das umgekehrte Verhältnis? Unsicherheit, Neid, Streß und ein ängstliches Verhältnis zu Jedermann! Das wird überhaupt nicht für die Zukunft benötigt. Das viele Geld ist ja für friedliche Zwecke auf jeden Fall besser investtiert als in Kriegsgütern. Nur Waffenproduzenten geifern von Arbeitsplätzen! Dabei kann man das selbe Geld für Gesundheit, Bildung und Erholung viel besser investieren und die Rendieten sind unbeshreiblich viel höher. MfG. W.M.

  • Hat schon einmal einer überlegt wieso die Seidenstrasse überhaupt verschwunden ist? Laut dem Club of Rome war es der Seneca-Effekt der das Vermögen der Römer über die Seidenstrasse mehr abgesaugt hat Silber in Spanien in Münzen hergestellt werden konnte bis des RR nicht mehr finanziert werden konnte. das Geld war schon da aber nicht mehr in EUROPA!!! Aber egal, was wir heute erleben ist kurzsichtige heuchlerische Politik um von den großen Gaunerein abzulenken.

  • Die "Seidenstrasse" erscheint mir als politisches Konstrukt. Letztlich geht es darum den Handel zu stärken und die Transportwege China - Europa auszubauen.

    Allerdings scheint der französische Präsident seine Rolle zu überschätzen. Die Hauptrolle spielt sicherlich China. Die beiden folgenden Positionen kommen sicherlich Indien als künftiger Grossmacht und Deutschland als Industrieland der Vergangenheit und Gegenwart und Hauptfinanzier der EU zu.

  • Niemand zaehmt den Drachen, auch Macron nicht - aber im Gegensatz zum American Eagle ist der Drache sehr rational. An China geht kein Weg vorbei, und dass hat Deutschland ja auch schon laenger begriffen.

  • (Fortsetzung)

    Im Moment sind die europäischen Eliten klinisch schizophren: die eine Hälfte ihrer Anhänglichkeit klammert sich immer noch verzweifelt an das Atlantik-Bündnis mit den Vereinigten Staaten, die andere Hälfte ihrer Vernunft erkennt rational an, dass die Zukunft im Osten liegt – ob es Russland ist, ob es China ist, ob es die zahlreichen Ländern dazwischen in Zentralasien, im Nahen Osten sowie Teile von Afrika sind.
    Europa hat jedes Potenzial, jede Möglichkeit und jede Ressource, um eine wirtschaftliche Renaissance zu schaffen, wie die Welt sie noch nie gesehen hat. Wenn die Europäer ihren Wagen weiter an den NATO-amerikanischen Stern orientieren, dann sind die Aussichten für Europa in der Tat düster."
    http://www.larsschall.com/2011/03/30/wir-sind-inmitten-einer-epochalen-tektonischen-verschiebung-%E2%80%93-teil-2/

    Macron sollte also keine "Grenzen ziehen", sondern froh sein, wenn die Asiaten überhaupt was von ihm wollen. Zudem hat sich Frankreich auch noch als ehemalige Kolonialmacht in Indochina ganz und gar nicht mit Ruhm bekleckert. Kaum zu glauben, aber die Vietnamesen etwa sind den Amerikanern (!!) gegenüber aufgeschlossener als den ehemaligen Kolonialherren aus Frankreich.
    Daher wäre hier also an erster Stelle Bescheidenheit angebracht, aber keine moralische Überheblichkeit.

  • Diese Woche schreibe ich nix über deutsche Politik und erneuerbare Energien. Ich möchte nämlich wirklich nicht, dass sich der Thomas Maidan aufregt. Dabei wird die Bedeutung von Kommentaren total überschätzt. Wenn hier etwa jemand Merkel scharf kritisiert, wird sie deswegen garantiert keine einzige Stimme weniger bekommen - und wenn sie hier jemand in den Himmel hebt, kann es trotzdem sein, dass sie noch am selben Tag zurücktritt.
    Wer Kommentare schreibt mit der Intention, Andere zu beeinflussen, begeht einen der größten Fehler überhaupt.
    Nun zur EU und "Vorzeige-Europäer" Macron: die haben es total verbockt. Sie haben in Brüssel viel zu lange nur auf die "transatlantische Karte" gesetzt, obwohl auch der Obama-Administration die EU herzlich egal war (Victoria Nuland: "Fuck the EU!") Dann haben sie sich in Brüssel auch noch den Sanktionen gegen Russland angeschlossen - obwohl absolut klar war (außer für politische Ideologen), dass sie sich damit selber ins Knie schießen. Und dann wurden die "Hüter der Moral" auch noch nicht müde, bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit auf die "Menschenrechtsverletzungen" in China hinzuweisen.
    Tja, nun sitzen sie in Brüssel zwischen allen Stühlen: USA unter Trump pfui, Russland pfui, China pfui (wenn sie nicht "europäischen Werte" anstreben.
    Nur mit "moralischer Überlegenheit" gewinnt man jedoch keine Handelspartner - erst recht nicht die Handelspartner, die Zukunft bedeuten:
    "Die Zukunft – für die Länder der Europäischen Union als auch für einen Großteil der Welt – liegt in der Zukunft der Völker oder Länder Eurasiens.

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