Frankreich spekuliert über Hollandes Kurs Der kranke Mann Europas

Deutschlands großer Nachbar und Wirtschaftspartner hat seinen Kurs verloren: Die Wirtschaft schwächelt, der Präsident wankt. Wegen seiner Unentschlossenheit misstrauen Hollande mittlerweile zwei Drittel der Franzosen.
41 Kommentare
Frankreichs Präsident wirkt auf das Volk mutlos und unentschlossen. Quelle: Reuters

Frankreichs Präsident wirkt auf das Volk mutlos und unentschlossen.

(Foto: Reuters)

ParisHeute beginnt der Parteitag der französischen Sozialisten (PS) in Toulouse. Beim ersten großen Treffen der sozialistischen Familie seit dem Wahlsieg von François Hollande im Mai ist nichts dem Zufall überlassen worden: Der neue Parteichef Harlem Désir wurde vom Präsidenten selber bestimmt, die Delegierten dürfen nur noch akklamieren. Die Zahl der Vertreter, die jede der politischen Strömungen im Vorstand erhält, wurde vorab festgelegt, die Abschluss-Resolution sowieso. Und dennoch fürchtet der eine oder andere Partei-Obere bereits das Undenkbare: Eine spontanen Diskussion über das schlechte Ansehen der Regierung, über das Misstrauen der Franzosen gegenüber Hollande, über Art und Tempo der Reformen.

Eine offene Debatte, deren Ablauf und Ergebnis nicht vorher festliegen? Scheußliche Vorstellung! Nichts fürchtet Hollande mehr. Denn die Partei ist knapp sechs Monate nach seinem Wahlsieg genauso zerstritten wie vorher. Es gibt einen Formelkompromiss – „Frankreich gerecht sanieren“ – aber keine gemeinsame politische Leitlinie.

Ein halbes Jahr nach Hollandes Amtsantritt ist der Präsident aus dem Tritt geraten. Und mit ihm das ganze Land. Die Aufwertung des europäischen Luftfahrtkonzerns EADS zum globalen Rüstungsgiganten ist gescheitert, Frankreichs Autoindustrie rutscht in die Krise. Von der Augenhöhe, die Hollande gegenüber Bundeskanzlerin Angela Merkel einforderte, ist nicht mehr viel geblieben.

Frankreich ist der kranke Mann Europas. Kein anderes Euro-Land hat in den vergangenen zehn Jahren so stark an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt, ist im Welthandel so sehr zurückgefallen wie unser Nachbarland. Und während in der ganzen Eurozone ein frischer, teils stürmischer Wind der Reformen weht, hält Hollande sein Land im Windschatten der Veränderungen.

Woche um Woche vergeht, ohne dass Hollande klar macht, wo er hin will. Der Präsident redet zwar, aber er kommuniziert nicht. Nach seinen Auftritten ist man genauso klug wie vorher. Und niemand traut sich, ihn zu größerer Entschiedenheit zu drängen.

Am kommenden Montag sind vier Männer und eine Frau mit ihm verabredet, die ihn stellen könnten: Da trifft Hollande ein paar Autominuten von seinem Amtssitz entfernt die Chefin des Internationalen Währungsfonds Christine Lagarde, den Präsidenten der Weltbank Jim Yong Kim, Pascal Lamy, Generaldirektor der Welthandelsorganisation, Angel Gurria, den Generalsekretär der OECD, des Think Tanks der reichsten Länder der Welt, und Guy Ryder, den Chef der Internationalen Arbeitsorganisation.

Ein veritabler Weltgipfel, der da den französischen Präsidenten empfängt! Wenn Madame Lagarde vom IWF und die vier Herren der anderen Spitzenorganisationen ihre eigenen Analysen auch nur halbwegs ernst nehmen, wird das für Hollande ein Termin, bei dem Klartext geredet wird.

Der Sozialist war im Mai mit dem Versprechen angetreten, die Wirtschaft des Landes „zu sanieren und aufzurichten.“ Ökonomen und Unternehmer, die ab und zu mit ihm reden, berichten, er wisse sehr gut, was dafür nötig sei: Kostenentlastung der Unternehmen, um die verlorene Wettbewerbsfähigkeit schrittweise wieder zu gewinnen, mehr Spielräume bei der Länge der Arbeitszeit und der Arbeitsorganisation, eine Reform der Sozialsysteme, bessere Ausbildung der breiten Masse von Arbeitnehmern, Marktöffnung für mehr Wettbewerb, ein besserer sozialer Dialog.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Kluge Diagnose, schwache Therapie
Seite 1234Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Frankreich spekuliert über Hollandes Kurs - Der kranke Mann Europas

41 Kommentare zu "Frankreich spekuliert über Hollandes Kurs : Der kranke Mann Europas"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • .. ja, ja - dass Sie hier mit Ihrem "Neofeudalismus" hausieren gehen, macht diesen Ausdruck auch nicht erträglicher - Sie Neosozialist! Die einzige feudale Kaste im (A-)Sozialstaat ist doch wohl die Sozialaristokratie, die ihre (a-)sozialstaatlichen Privilegien ja bekanntermassen in Form von Sozialdynastien vererbt - das ist (neben dem parasitären Beamtentum) die einzige Gesellschaftsschicht, für die alle anderen Tribut leisten müssen. Alle anderen müssen sich ihren Lebensunterhalt nämlich tatsächlich selber verdienen, statt ihn von Hotel-Mama-Staat auf Zwangskosten andere monatlich in den Allerwertesten geblasen zu kriegen. DIESES Sozialfeudalismus gilt es zu bekämpfen!

  • .. neben vielen anderen Denkfehlern, sticht in erster Linie der Betroffenheitsfatalismus hervor: Standortvorteile sind natürlich nicht das Produkt der Schaffenskraft, Innovation, Ehrgeiz, Disziplin. Leistungskultur, Keativität und Hingabe der Menschen - sondern: "natürlich"! Natürliche Statndortvorteile sind höchstens Rohstoffe oder geostrategische Lagen - beides ist Deutschland nicht vergönnt. Die typische linke Lebenslüge, dass Wohlstand nicht selbst erschaffen wird, sondern quasi schicksalsbestimmt ist - und die Armen um den Wohlstand betrogen werden! Die Standortvorteile Deutschlands sind mitnichten "natürlich" (so man die hiesige Arbeitskultur und ~disziplin nicht rassenbiologisch verargumentieren will) - die ist das Ergebnis eines kulturellen Kanons, der sich letztlich auf die deutschen Tugenden gründet. Er hindert niemand, die anderen daran, sich davon eine Scheibe abzuschneiden!

  • .. ich glaub', Muselmännchen sollten GAAAAAANz vorsichtig sein mit dem Wort "Sklaventreiber"!

  • Ich finde Frankreich hat noch größere Problem als nur der schwächelnde Wirtschaft. Sie Glauben immer noch an GRAND NATION! Damit versuchen Sie mit aller Kraft, sich und der Welt zur zeigen, das Sie immer noch eine Große Nation sein wollen aber nicht sind. Ich habe mit franzosen gearbeitet und kann nur sagen das Sie Kaotische Volk sind. Es reicht wenn man die Länder besucht, wo Sie als Kolonialmacht ein trümerhaufen Hinterlassen haben.
    Der Kranke man Europas, das Wort ist sehr zutreffend für Frankreich als ganzes.

  • Europa ist ein Spiegelbild derer, die es dominieren! Da an jeder wichtigen Schaltstelle ein Franzose sitzt, kann es ja ger nicht funktionieren. In Europa wird sogar das Deutsche als Arbeitssprache unterdrückt, obwohl diese das größte Volk sind und am meisten bezahlen. Wie krank müssen die Europäer eigentlich sein? In der Welt gibt es mittlerweile 500 Millionen Deutschstämmige und sie lassen sich herumschubsen, wie "dumme Jungs", weil man ihnen immer noch ein schlechtes Gewissen einredet - auch von Deutschen selber!

  • Wir können am Beispiel Frankreich prima sehen, was uns auch noch blüht....

    Keiner ist unnütz.... Man immer noch als schlechtes Beispiel dienen...

  • da fehlt ein bischen Lebensborn , Kraft durch Freude und alles ist gut .

  • Wenn ich dieses dumme Herumgequatsche im Forum lese wird mir schlecht. Die letzten zehn Jahre den Sozialisten anzuhängen kann nur debil senilen Hirnen entspringen. Wie wäre es mal mit der Realität. Euer geheucheltes Herumgeschwafel von Sozialismus oder gar Bolschewismus ist krank, wir stehen an der Zeitenwende zu einem neuen Neofeudalismus, der auch mit vermeintlichen Mitteln der gesellschaftlichen Gegner die Menschen erst einmal ins Chaos und in erbärmlichste Armut schicken wird um sie dann besser "behandeln" und führen zu können. Ein kleine Clicke schickt sich an die Welt beherrschen zu wollen, das sind selbst erwählte Feudaleliten und bestimmt keine Sozialisten. Soviel Borniertheit wie hier macht mich echt wütend !!!
    Wir werden sehen ob Hollande ein Sozialist oder ein tatsächlich gekaufter, wie übrigens Schröder und der heutige Schmidt, ein Neofeudalist ist.

  • "Und während in der ganzen Eurozone ein frischer, teils stürmischer Wind der Reformen weht, hält Hollande sein Land im Windschatten der Veränderungen." - Steine schmeissende Demonstranten in GR und SP kann man durchaus stürmischen Wind der Reformen verstehen. btw Dass es Frankreich wirtschaftlich schlecht geht, ist eigentlich eine unschöne Sache, aber um das Euro-Kartenhaus zum Einsturz zu bringen kann der marode Zustand der französischen Wirtschaft durchaus hilfreich sein bzw ist zu begrüßen.

  • Der wichtige Punkt ist die Geburtenrate, denn sie weist auf die Zukunft eines Volkes hin, nicht auf vorübergehende Erfolge. Wirtschaftspolitisch hat Deutschland das meiste besser gemacht als Frankreich, nur im Falle Kindertagestätten haben die Sozialdemokraten und die Bürgerlichen komplett versagt und die Zukunft verspielt. Schon in den 80er Jahren war es klar, dass nur eine umfassende und günstige Kinderbetreuung wie in Skandinavien oder eben in Frankreich Mutterschaft und Berufstätigkeit vereinbar machen. Die idiotisch konservative CDU/CSU und die gleichgültige SPD haben in diesem Punkt komplett die Zeichen der Zeit verkannt. Jetzt wird gegengesetuert, aber viel zu spät. Hauptschuld trägt das konservative Familienmodell des 19. Jahrhunderts der CDU/CSU und von gewissen Männern, die eine Frau zum Arschputzen zu Hause brauchen. Es bleibt nur ein Trost. Das Schrumpfen der Deutschen ist wenigstens ölkologisch betrachtet politsch korrekt.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%