Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Zum Frankreich Wahl 2017 Special von Handelsblatt Online

Frankreich Macron rettet Europa – und verzichtet auf Euphorie

Als der Wahlsieger vor seine Anhänger tritt, erklingt die Ode an die Freude. Eine wunderschöne Geste an Europa. Doch die Feier vor der Pyramide im Louvre ist nicht überschwänglich. Gründe für Macrons Nachdenklichkeit.
Update: 08.05.2017 - 08:07 Uhr 39 Kommentare

Herausforderung für Macron: „Die Franzosen geben zu viel Geld aus“

ParisDie rechtsextreme Marine Le Pen geschlagen, Europa gerettet, allen Zweifeln zum Trotz mit der erst vor einem Jahr entstandenen Bewegung „En Marche!“ gewonnen: Wenn das kein magischer Moment im Leben dieses Landes, des ganzen Kontinents ist! Doch das Eis beginnt erst zu Schmelzen, als die vier Sänger von „Magic Système“ den Macronisten von der Bühne aus einheizen.

Man muss einräumen: Emmanuel Macrons TV-Ansprache am frühen Abend ist kein Stimmungsknüller. Es wirkt, als sei dem jungen Sieger schlagartig klargeworden, dass er nun wirklich für alles verantwortlich ist, was das Land zweifeln, verzagen oder zu den Extremen abrutschen lässt. Verantwortlich nicht in dem Sinn, dass er die Ursache wäre – aber verantwortlich für die Lösung. Bewusst ist ihm nun wohl auch, dass der Weg zu einer Mehrheit in der Nationalversammlung ebenfalls lang sein könnte.

Mit ernster Miene versprach der neue Präsident: „Ich werde Frankreich verteidigen, seine vitalen Interessen, sein Ansehen.“ Er werde auch „Europa verteidigen, unsere Zivilisation steht auf dem Spiel, unsere freie Lebensweise“. Dem Rest der Welt sende er „die Grüße des brüderlichen Frankreichs“. Er wisse um die „Wut, die Zweifel, die Ängste, die einige von euch ausgedrückt haben.“ Es sei seine Verantwortung, „euch zu hören und gegen jede Form von Ungleichheit zu kämpfen, für eure Sicherheit zu sorgen und die Einheit der Nation zu garantieren.“

Auf dem Platz vor der Pyramide müssen die Macron-Anhänger lange ausharren. Von Ausgelassenheit ist nicht viel zu spüren, die Stimmung ist komplett anders als 2012 auf der Place de la Bastille, als zehntausende Hollande-Begeisterte sich in den Armen lagen und den Sieg über Nicolas Sarkozy feierten. Aber klar: Damals gab es noch die seit der Kommune bestehende Vorstellung eines geeinten „Peuple de Gauche“, des Volks, dessen Herz links schlägt. Diese Illusion ist in den vergangenen fünf Jahren geplatzt. Die Sozialisten sind zerstritten. Sie und die Anhänger des Linksaußen Jean-Luc Mélenchon haben sich nichts mehr zu sagen – die Kommunistische Partei, die Mélenchon im Wahlkampf gestützt hat, streitet sich nun sogar vor Gericht mit ihm.

Die Menschen, die am Abend auf ihren neuen Präsidenten warten, sind es nicht gewohnt, zusammen zu feiern. Die einen waren links, die anderen konservativ, manche wählten zum ersten Mal. Macrons neue Bewegung muss erst noch wirklich Wurzeln schlagen im Volk. Dann werden auch die Anhänger nicht mehr miteinander fremdeln. Die Stimmung ist ähnlich wie bei den Meetings von Macron: entspannt, fröhlich, sehr zivilisiert. Von der militanten Energie, die bei anderen Parteien wahrzunehmen ist, liegt aber nichts in der Luft.

Als Macron endlich die Esplanade du Louvre betritt, ist es schon halb elf. Die Ode an die Freude erklingt, eine wunderschöne Geste an Europa. Macron erklimmt die Bühne, er wirkt weniger verspannt als vorher bei seiner ersten Rede. „Ich danke Euch allen, ich danke für Euer Engagement und für die Risiken, die Ihr eingegangen seid“, da brandet Jubel auf. Als Macron sagt, er „werde Eure Hoffnungen, Euren Schwung weitertragen in den nächsten fünf Jahren“, wird die Menge noch lauter. „Frankreich wird weiter die Botschaft der Aufklärung in die Welt tragen“, verspricht der neue Präsident.

Brexit 2019
Nachdenklicher Ton des neuen Präsidenten
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Frankreich - Macron rettet Europa – und verzichtet auf Euphorie

39 Kommentare zu "Frankreich: Macron rettet Europa – und verzichtet auf Euphorie"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Nachtrag zu meinem Kommentar von 14:08 Uhr:

    Es kann und darf heute, im digitalen Zeitalter, nicht mehr sein, dass politische Entscheidungen, die alle Bürger betreffen von einigen wenigen „Vertretern“ getroffen werden, die dabei zu allem Überfluss auch noch von einem wahren Lobbyistenauftrieb massivst unter Druck gesetzt werden.

    Es müssen endlich die nötige Infrastruktur und die nötigen Institutionen geschaffen werden, die es den Bürgern ermöglichen, alle Angelegenheiten von öffentlichem Interesse s e l b s t untereinander zu regeln. Was natürlich, um die Bürger in die Lage zu versetzen, innerhalb einer solchen digitalen Demokratieinfrastruktur Entscheidungen zu treffen, zuverlässige, ihrerseits demokratisch legitimierte (und somit zwangsläufig transparente) Informationsquellen voraussetzt.

    Die Freiheit, selbst entscheiden zu dürfen, ist nun mal unabdingbar mit der Übernahme der Verantwortung für die getroffenen Entscheidungen verbunden. Dies gilt jedenfalls für alle erwachsenen Menschen, die im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte sind.

  • @Herr Vinci Queri, 08.05.2017, 16:39 Uhr

    Ihre Quelle: http://www.anonymousnews.ru ("ru" steht für "Russland). Alles klar.

  • http://www.anonymousnews.ru/2017/05/07/gigantischer-leak-ueber-macron-waffenhandel-drogen-schwarzgeld-medien-schweigen/

  • @Frau Nelly Sachse, 08.05.2017, 12:21 Uhr

    Macron hat schon oft gesagt, dass die EU mit den derzeitigen verkrusteten Strukturen keine Zukunft mehr hat. Es geht also darum, sie mithilfe echter Bürgerdemokratie zu "revitalisieren", um dieses - an sich absolut sinnvolle - Projekt zukunftsfähig zu machen.

  • "Trumpscher Populismus hat Höhepunkt überschritten!" ... dieser Satz ist Populismus. Aber zu den Franzosen. Sie haben diesen Mann gewählt, weil sie genau wissen, dass dann alles so bleibt, wie bisher. Die Deutschen zahlen und die Franzosen machen keine Reformen und wenn, dann nur „Reformen“ in Europa und diese noch mehr zum Vorteil eines schönen Lebens in Frankreich.

  • Schon wieder wird - laut Schlagzeile - Europa mit EU gleichgesetzt. Europa braucht
    niemand zu retten, die Länder bestehen wie eh und je und arbeiten gut zusammen.
    Das Gebilde EU in Brüssel ist etwas völlig anderes. Macron hat also den Hintern der
    dortigen nichtsnutzigen, überbezahlten, demokratisch nicht legitimierten Beamten gerettet. Die Gleichsetzung von EU und Europa hat Methode. Ist raffiniert. Ist Absicht.
    Und die Medien machen mit.

  • Ich meine, wer zahlt?

  • Ein Fünftel der jungen Meschen in Deutschland ist nicht Ausbildungsfähig bzw. -willig. So manche Partei wäre froh, wenn sie soviel Stimmen und Zuspruch aus der Bevölkerung hätten.
    Der Bevölkerung mutet man durch die falsche Migrationpolitik -und das schon seit Jahrzehnten- das u.v.m. zu.

    Die Verschuldung stieg von 1970 von rund 800 Euro auf nunmehr 22.000 pro Kopf.
    Schuldenabbau gleich Fehlanzeige. Dank der EZB in den südlichen Ländern schon lange ein Fremwort.

    Gleichzeitig stieg das Durchschnittsalter von 34 auf nun 44 Jahre.

    Wenn heute schon eine Fünftel Bares von der Wiege bis zur Bahre aus dem Geldsäckl brauchen, darf man nur noch über die Zukunft von Europa und Deutschland spekulieren.

    Klar, unsere junge Generation wird es im neuen Zeitalter der Industrie 4.0 richten und das Bare aufbringen. Und für die sog. Babyboomer auch, wenn auch nur noch befristet.

    Und wer kommt für Deutschland auf?

  • "Macron rettet Europa – und verzichtet auf Euphorie"

    Es geht Macron eben aller Wahrscheinlichkeit nach nicht um die Macht selbst, sondern darum, mit ihrer Hilfe etwas in die richtige Richtung bewegen zu können.

    Angesichts der Komplexität dieser bevorstehenden Mammutaufgabe (die ein einzelner Mensch ohne tatkräftige Unterstützung niemals bewältigen kann) ist dies nur logisch: Für Euphorie ist da weder Platz noch Zeit.

    Alors, en marche (frei übersetzt: "Also, los gezz").

    Wünsche uns allen viel Glück und Erfolg dabei.

  • @ Herr Tirk Nüller08.05.2017, 11:11 Uhr

    weitere Diskussionen erübrigen sich.

Alle Kommentare lesen