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Zum Frankreich Wahl 2017 Special von Handelsblatt Online

Konto im Steuerparadies? Macron wehrt sich gegen Gerüchte

Alte Vorwürfe werden wieder laut: Der französische Präsidentschaftsanwärter und Favorit Emmanuel Macron habe ein Konto in einem Steuerparadies. Doch Macron wehrt sich nun rechtlich gegen die unbestätigten Gerüchte.
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Macron lässt Vorwürfe und Gerüchte nicht auf sich sitzen. Quelle: Reuters
Emmanuel Macron

Macron lässt Vorwürfe und Gerüchte nicht auf sich sitzen.

(Foto: Reuters)

ParisDer französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron wehrt sich nach einem TV-Duell mit seiner Konkurrentin Marine Le Pen rechtlich gegen Gerüchte über ein Konto in einem Steuerparadies. Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete nach einer Klage Vorermittlungen ein. Das bestätigten Justizkreise der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag in Paris. Le Pen hatte im Internet kursierende Vorwürfe über ein Konto auf den Bahamas am Vortag in dem einzigen TV-Duell vor der Wahl kurz aufgenommen.

Macron und Le Pen kämpfen mit aller Härte um den Einzug in den Élyséepalast. Die Stichwahl am Sonntag gilt als Schicksalsentscheidung für Europa. Die Front-National-Politikerin Le Pen will den Euro abschaffen und ihre Landsleute über die EU-Mitgliedschaft abstimmen lassen. Der sozialliberale Macron tritt dagegen mit einem pro-europäischen Kurs an. Umfragen sahen ihn zuletzt bei 59 bis 60 Prozent der Stimmen, Le Pen lag bei 40 bis 41 Prozent.

Etwa 16,5 Millionen Zuschauer verfolgten die zweieinhalbstündige TV-Sendung am Mittwochabend, die von verbalen Tiefschlägen und einer chaotischen Debattenführung gekennzeichnet war. Laut einer Umfrage fanden 63 Prozent der Befragten Macron überzeugender. 34 Prozent entschieden sich für Le Pen.

Das wollen Le Pen, Fillon, Macron & Co.
Wahlen in Frankreich
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Wenn die Franzosen in einem Monat an die Wahlurnen gehen, steht viel auf dem Spiel. Die hohen Umfragewerte für die EU-feindliche Rechtspopulistin Marine Le Pen machen die Präsidentschaftswahl zu einer Abstimmung über Frankreichs Platz in Europa. Viele Menschen sind enttäuscht von den als gescheitert wahrgenommenen Amtszeiten des Konservativen Nicolas Sarkozy und des Sozialisten François Hollande. Und das ist nicht nur ein Gefühl: Frankreichs Wirtschaft kommt einfach nicht in die Gänge und die Situation am Arbeitsmarkt ist nach wie vor dramatisch. Fünf der insgesamt elf Kandidaten für das Präsidentenamt debattierten zu Wochenbeginn im Sender TF 1. Ihre zentralen Aussagen im Überblick:

(Foto: dpa)
Francois Fillon
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Francois Fillon, der 63-jährige Kandidat der konservativen Republikaner, will Frankreich eine Rosskur verordnen, um das Land wirtschaftlich wieder fit zu machen. Die Regelarbeitszeit von 35 Stunden in der Woche soll fallen, das gesetzliche Rentenalter will Fillon bis 2022 auf 65 Jahre anheben. „Ich werde der Präsident der nationalen Sanierung sein“, sagte er in der TV-Debatte. Nach seinen Plänen sollen im öffentlichen Dienst 500.000 Jobs wegfallen. Die legale Einwanderung will der Konservative auf das strikte Minimum begrenzen, den Familiennachzug erschweren. Fillon steht wegen einer Affäre um die Beschäftigung seiner Frau in der Kritik.

(Foto: AP)
Benoit Hamon
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Benoit Hamon, 49-jähriger Spitzenkandidat der regierenden Sozialisten, will als einziger Präsidentschaftsbewerber ein Grundeinkommen einführen. In einer ersten Stufe sollten junge Menschen und Arbeitnehmer mit sehr geringem Einkommen mit 600 Euro monatlich profitieren. Kritik an hohen Kosten wies der zum linken Flügel der Parti Socialiste (PS) gehörende Ex-Minister bisher zurück. Er tritt auch dafür ein, Bankengewinne zusätzlich zu besteuern und bei öffentlichen Aufträgen einen Anteil von 50 Prozent für französische Unternehmen zu reservieren. Davon sollen vor allem Mittelständler profitieren. In der Flüchtlingspolitik strebt er ein europäisches „humanitäres Visum“ an.

(Foto: AFP)
Jean-Luc Melenchon
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Der Chef der Bewegung La France insoumise kritisiert Europa. Jean-Luc Melenchon will über die europäischen Verträge verhandeln und über das Resultat in einem Referendum abstimmen lassen. Das Verteidigungsbündnis Nato will er verlassen, „um nicht mehr in Kriege verwickelt zu werden, die wir nicht kontrollieren“. Der 65 Jahre alte Linkspolitiker will auch ein Umwelt-Präsident sein und plädiert deshalb für den Ausstieg aus der Atomenergie.

(Foto: AFP)
Marine Le Pen
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Marine Le Pen, die Rechtspopulistin von der Front National (FN), ist eine leidenschaftliche EU-Gegnerin. Sie will die Franzosen über den Verbleib in der Union abstimmen lassen. Außerdem soll Frankreich den Euro abschaffen und das Schengen-Abkommen für das Reisen ohne Grenzkontrollen verlassen. Sie pocht auf nationale Unabhängigkeit - sie wolle nicht „Vizekanzlerin von Frau Merkel“ sein, sagte Le Pen in der Debatte. Die 48-jährige Chefin der FN sieht sich nach dem angekündigten Brexit der Briten und der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten im Aufwind. „Ich will die Einwanderung stoppen“, lautet eine ihrer Devisen.

(Foto: AFP)
Emmanuel Macron
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Emmanuel Macron, früherer Wirtschaftsminister von Präsident François Hollande, will das Rechts-Links-Schema durchbrechen und tritt als unabhängiger Kandidat an. Der 39-jährige Chef der Bewegung En Marche! setzt auf Europa und damit eine Partnerschaft mit Deutschland. Er will als Präsident im öffentlichen Dienst 120.000 Stellen streichen. Laut Denkfabrik iFrap ist sein Wirtschaftsprogramm ausgeglichener als das von Fillon. Allerdings würde Schuldensünder Frankreich unter Macron 2022 immer noch ein Defizit von 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung haben.

(Foto: Reuters)

Wie Macrons Bewegung „En Marche!“ am Donnerstag auf Anfrage mitteilte, richte sich die Klage nicht gegen Le Pen, sondern gegen Unbekannt. Die Gerüchte seien vor der TV-Sendung über soziale Netzwerke verbreitet worden. Es gehe bei der Klage unter anderem um den Vorwurf der Verbreitung falscher Informationen, um die Wahl am Sonntag zu beeinflussen.

Le Pen hatte in der TV-Sendung gesagt: „Ich hoffe, dass man nicht erfahren wird, dass Sie ein Offshore-Konto haben, auf den Bahamas, ich weiß es nicht, ich weiß davon nichts, nein, aber ich hoffe (....)“. Macron entgegnete, es handele sich um eine Verleumdung. Der 39-Jährige griff seinerseits die Kontrahentin wegen Affären an. Die französische Justiz ermittelt wegen Vorwürfen, wonach EU-Parlamentsassistenten der Front National in Wahrheit für die Partei arbeiteten.

Der französische Wahlkampf war von Anfang an von Affären geprägt. So eröffnete die Justiz ein Verfahren gegen den - inzwischen ausgeschiedenen - konservativen Bewerber François Fillon wegen angeblicher Scheinbeschäftigung seiner Frau im Parlament.

Der frühere US-Präsident Barack Obama unterstützt offen Macron. „Er hat sich für liberale Werte eingesetzt“, sagte Obama in einer Videobotschaft. „Er spricht die Hoffnungen der Menschen an, nicht ihre Ängste.“

Macron warf seiner Kontrahentin in der Debatte um den Kampf gegen den Terrorismus vor, einen Bürgerkrieg ins Land zu bringen. Er wurde seinerseits von Le Pen in der TV-Sendung beschuldigt, Entgegenkommen gegenüber dem islamistischen Fundamentalismus zu zeigen. Frankreich wird von einer Terrorserie erschüttert, seit Anfang 2015 wurden fast 240 Menschen ermordet.

Le Pen bezichtigte Macron, Frankreich dem Nachbarn Deutschland zu unterwerfen. „Frankreich wird auf jeden Fall von einer Frau geführt werden. Das werde entweder ich sein oder Frau Merkel.“ Macron wolle nichts machen ohne das Einverständnis der deutschen Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

Macron tritt als Kandidat von „En Marche!“ an. Er gewann den ersten Wahlgang am 23. April mit 24 Prozent, Le Pen kam auf 21,3 Prozent.

Drei führende Vertreter der französischen Protestanten, Muslime und Juden riefen in einer gemeinsamen Erklärung dazu auf, für Macron zu stimmen, um die Front National zu stoppen. Sie riefen alle Franzosen auf, „das großzügige, tolerante und weltoffene Frankreich“ zum Sieg zu führen.

Brexit 2019
  • dpa
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1 Kommentar zu "Konto im Steuerparadies?: Macron wehrt sich gegen Gerüchte"

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  • Vive la France !!! Vive la France !!! Vive la France !
    Wenn Deutschland will, dass Le Pen gewählt wird, dann braucht es nur die französischen Wähler zu warnen, Le Pen zu wählen. Und genau das werden sie dann auch tun . Die Franzosen richten sich gerne nach deutschen Ratschlägen !

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