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Frankreichs Ex-Präsident Jacques Chirac ist gestorben

Der ehemalige französische Präsident Jacques Chirac ist tot. Er sei im Alter von 86 Jahren am Donnerstag gestorben, teilte seine Familie mit.
26.09.2019 Update: 26.09.2019 - 16:08 Uhr Kommentieren
Frankreich: Ex-Präsident Jacques Chirac ist gestorben Quelle: Reuters
Jacques Chirac

Der ehemalige französische Präsident ist verstorben.

(Foto: Reuters)

Paris Der frühere französische Staatspräsident Jacques Chirac ist am Donnerstag im Alter von 86 Jahren gestorben. Er war seit Jahren erkrankt und hatte sich aus dem öffentlichen Leben völlig zurückgezogen. Während seiner 40 Jahre währenden aktiven Zeit als Politiker oft hart kritisiert, wurde er später zu einem der beliebtesten französischen Ex-Präsidenten. Er galt als ein Mann, der das Land besser erfasste und volksnäher war als viele andere.

In seiner politischen Familie, den Konservativen, schätzten ihn nicht mehr alle, weil er bei der Wahl 2012 kein Geheimnis daraus machte, dass ihm der Sozialist François Hollande lieber sei als der Konservative Nicolas Sarkozy. Das war nicht die einzige politische Wende, die Chirac vollzog: In seiner Jugend war er bei den Kommunisten aktiv und engagierte sich gegen die atomare Aufrüstung.

Als er 1995 zum Präsidenten gewählt wurde, war seine erste Amtshandlung die Wiederaufnahme der Atomtests auf dem Mururoa-Atoll.

1932 in Paris geboren, wurde er mit 35 zum ersten Mal Abgeordneter und mit 42 Jahren Landwirtschaftsminister. Kurz danach berief ihn Valéry Giscard d'Estaing zum Premierminister. Der deutschen Öffentlichkeit wurde Chirac bekannt, als er in der zweiten Amtszeit des sozialistischen Präsidenten François Mitterrand erneut Premier wurde, in der ersten so genannten „Kohabitation“ von Linken und Konservativen.

1995 löste er Mitterrand ab und wurde später für eine zweite Amtszeit gewählt. Im Wahlkampf setzte er sehr auf das Versprechen, die „soziale Spaltung“ Frankreichs zu überwinden, doch blieb er Taten schuldig.

Wiederwahl mit 82 Prozent

Front-National-Chef Jean-Marie Le Pen bescherte ihm 2002 eine Wiederwahl mit 82 Prozent der Stimmen – weil der Rechtsextreme zum Schock vieler Franzosen in die Stichwahl um das Präsidentenamt einzog, stimmten auch Linke zähneknirschend für Chirac. Zu den Tiefpunkten seiner Karriere gehörte das Nein der Franzosen im Referendum über die geplante EU-Verfassung 2005.

Sein Verhältnis zu Bundeskanzler Gerd Schröder war anfangs sehr gespannt. Das lag auch an der Reform des EU-Parlaments, in dem Deutschland erstmals mehr Abgeordnete erhalten sollte als Frankreich, was Chirac zunächst strikt ablehnte. Bekannt wurde seine Formulierung: „Hunderttausende französische Soldaten sind nicht dafür gestorben, dass ein französischer Staatschef dies hinnehmen sollte.“ 

Später wurden beide gute Freunde. Enger als je zuvor rückten die beiden Länder zusammen, als Chirac und Schröder gemeinsam den Irak-Krieg ablehnten und diese Position auch trotz massiven Drucks, der Bush-Regierung beibehielten. Für Chirac war dies nicht weniger riskant als für Schröder, denn die militärischen Beziehungen Frankreichs zu den USA waren sehr eng.

Auch innenpolitisch wagte Chirac sich an eine heikle Neupositionierung heran: Als erster französischer Staatschef räumte er öffentlich ein, dass Frankreichs Polizei unter der Vichy-Regierung aktiv an der Judenverfolgung beteiligt war, sogar auf eigene Faust Razzien gegen Juden unternahm. Viele Franzosen, die gerne am Mythos des Landes im kollektiven Widerstand festgehalten hätten, nahmen Chirac diese Wende zur Aufrichtigkeit übel.
Schröder und Chirac wurden nicht zuletzt wegen der gemeinsamen Irak-Politik gute Freunde.

Sie trafen sich regelmäßig, um deutsch-französische Initiativen voranzubringen und mögliche Missverständnisse frühzeitig auszuräumen – ein Vorgehen, dass unter Merkel zunächst einschlief. Bis 2007 blieb Chirac Staatspräsident, danach übte er keine politischen Ämter mehr aus. Sich selber setzte er ein kleines Denkmal mit dem Museum am Quai Branly für die Kunst Afrikas, Asiens und Ozeaniens. Er hinterlässt seine Frau Bernadette und die Tochter Claude, die ältere Tochter Laurence ist bereits 2016 verstorben.

Schröder würdigte Chirac als großen Europäer. „Ihm war klar, dass Europa nur gut funktionieren kann, wenn Deutschland und Frankreich sich einig sind“, sagte Schröder am Donnerstag in Berlin. „Er war ein erfahrener Politiker, ein geschichtsbewusster Europäer, ein charmanter Mensch. (...) Ich werde einen Mann vermissen, der mir zum Freund geworden ist.“

„Er war ein Kämpfer“, sagte der frühere französische Präsident François Hollande am Donnerstag via Twitter. „Die Franzosen, gleich welcher Auffassung, verlieren heute einen Staatsmann, aber auch einen Freund“, schrieb der Sozialist.

Mit ihm habe die EU einen der stärksten Verteidiger der europäischen Einheit verloren, sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am Donnerstag. Er persönlich habe auch einen lieben Freund verloren. Chiracs Einfluss auf die EU sei dauerhaft; sein Vermächtnis für Frankreich und die EU „wird für immer bei uns bleiben“.

Mit Material von Agenturen

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