Frankreichs Reformen Paris kritisiert „French Bashing"

Eigentlich seien die Beziehungen zwischen beiden Ländern gut, dementiert Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici Gerüchte über Reformvorgaben aus Berlin. Nur über den Ton in deutschen Medien ärgere er sich.
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Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici. Quelle: Reuters

Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici.

(Foto: Reuters)

ParisFrankreichs Finanzminister Pierre Moscovici hat als erstes Regierungsmitglied zu den angeblichen Verstimmungen wegen deutscher Kritik am Nachbarn und wegen eines angeblichen Reform-Ukas Stellung genommen, den die deutschen Wirtschaftsweisen im Auftrag von Wolfgang Schäuble erarbeiteten. „Ich will nicht, dass sich da irgendwelche Misstöne einschleichen: Die deutsch- französischen Beziehungen sind gut, auf der anderen Rheinseite wird wahrgenommen, dass wir uns für stabile Finanzen einsetzen.“ stellte Moscovici Montagmorgen bei einer Unternehmerkonferenz im französischen Finanzministerium klar.

Es sei „verständlich, dass die deutsche Seite Strukturreformen erwartet“. Wenn sie gemacht würden, solle man gemeinsam vorangehen. Die französische Regierung trete jetzt in eine „neue Phase ihrer Politik ein“. Es gehe dabei um eine „langfristige Wirtschaftspolitik und Strukturreformen.“

Vor Journalisten fügte der Minister später hinzu, dass die angebliche deutsche Reformvorgabe für Frankreich glaubwürdig dementiert worden sei. Er habe sich gleich mit Berlin in Verbindung gesetzt. Das Ganze sei „ein Sturm im Wasserglas“. Es gebe keine deutsch-französische Verstimmung und dürfe sie auch nicht geben, dafür sei die Zusammenarbeit der beiden Länder viel zu wichtig. Er spreche sehr oft mit Schäuble und habe ein exzellentes Verhältnis zu ihm, es sei selbstverständlich, dass man sich gegenseitig keine Ratschläge erteile über die Politik, die zu verfolgen sei.

Während er die politischen Beziehungen verteidigte, kritisierte der Minister mediale Attacken auf Frankreich: „Es gibt ein furchterregendes ‚french bashing‘ in den deutschen Medien.“ Moscovici war die Verärgerung anzusehen, als er sich in seiner Rede über negative Berichterstattung beschwerte. Der Minister machte allerdings nicht deutlich, worauf genau er sich bezieht. Vor Journalisten fügte er hinzu, es gebe „hier und da eine Neigung, Frankreich als den kranken Mann Europas darzustellen, als nächstes Ziel der Finanzmärkte, erfundene Missverständnisse zwischen Frankreich und Deutschland hochzuspielen.“

Bislang hatte noch kein französischer Minister zu der angeblichen deutschen Reformvorgabe für Frankreich Stellung genommen. In den Medien spielte das Thema am Wochenende keine Rolle, heute allerdings macht Libération damit auf, unter der martialischen Schlagzeile „Berlin an Paris: ‚Achtung!‘“ Die der Regierung nahestehende Tageszeitung zitiert verschiedene Stimmen, die Spannungen im Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich bestreiten, aber bestätigen, dass es unterschiedliche Vorstellungen über den richtigen Umfang der Staatsausgaben geben könne. Libération bildete ein Titelblatt der „Bild-Zeitung“ ab, mit der Überschrift „Wird Frankreich das neue Griechenland?“ – eine Unterstellung, die in Paris auf Unverständnis stößt, auch wenn sie bislang von niemand besonders ernst genommen wurde.

Offenbar ist die französische Regierung irritiert, weil sich die kritische Darstellungen der schwierigen französischen Wirtschaftslage gerade in dem Moment häufen, in dem die Hollande-Mannschaft sich endlich zu ersten Reformen durchgerungen hat. Morgen wird der Staatspräsident sein erstes Interview geben, in dem er seine auch in Frankreich umstrittene Politik erläutern wird.

 

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26 Kommentare zu "Frankreichs Reformen: Paris kritisiert „French Bashing" deutscher Medien "

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  • ... leider sind die uns seit "Force de Frappe" militärisch weit überlegen. Also Wegducken und zahlen, liebe mit-Michels.

  • Und? Diese Barbaren lassen sich das gefallen, oder nicht?
    Dann nur Draufgehauen, nichts anderes habt ihr verdient mitsamt eurer selbst gewaehlten Regierung!
    Volk und Regierung passen das hervorragend zusammen!

  • Im französischen Ökonomie Fachmagazin
    „Le Pleitier“ hab ich gelesen, dass das wettern
    der Franzosen gegen die Deutschen sich auf
    reiner Verzweiflung, Eifersucht und diverser
    selbstverschuldeter Minderwertigkeitskomplexe
    begründet. Friendly ……..

  • Im französischen Ökonomie Fachmagazin
    „Le Pleitier“ hab ich gelesen, dass das wettern
    der Franzosen gegen die Deutschen sich auf
    reiner Verzweiflung, Eifersucht und diverser
    selbstverschuldeter Minderwertigkeitskomplexe
    begründet. Friendly ……..

  • Das French Bashing kann man sehr schnell abstellen. Dazu braucht es nur eine klare Aussage, was die Franzosen zu tun gedenken, so dass die Lage in Frankreich inkl. der eigenen Banken nicht ausufert, sondern eben unter Kontrolle gebracht wird. Wäre vielleicht auch ganz interessant für die frz. Staatsbürger, um dieses zu wissen.

    Doch es kommt da keine Erklärung, was man selbst tun wird und so beginnen halt die Unterstellungen, dass Frankreich sich zu Lasten von anderen sanieren möchte.

    Wie gesagt, Bekanntgabe einer deutlichen Strategie und sich daran auch halten, so dass man auch glaubwürdig ist und das French Bashing ist im nullkommanix verschwunden.

    Aber nur rumlamentieren, dass die anderen einen verreissen, greift zu kurz.

  • Frankreich ist kein Freund Deutschlands. Die Beziehungen sind OK, solange Deutschland zahlt und das Maul hält. Leider werden die Deutschen die gesamte sich abzeichnende Misere nicht schultern können. Und dann wird sich das echte Verhältnis zu unseren "Freunden" zeigen!

  • Zitat : Vor Journalisten fügte er hinzu, es gebe „hier und da eine Neigung, Frankreich als den kranken Mann Europas darzustellen".

    Frankreich ist ein kranker Mann Europas, und dieser kranke Mann sollte eigentlich aus Europa, nach Nichterfüllung der Maastrichtkriterien, mit Füssen nach vorne rausfliegen !!!
    Wer sich mit diesem Ganovenpack einläßt, hat verloren ! Und zwar überall, ob in der Politik, in der Wirtschaft oder im täglichen Leben !

  • Franzosen sind halt Weicheier! Gehen lieber mit Südländern kuscheln..........
    was für eine Heulsuse dieser MoscoVize

  • Naja, gegen ein paar Schläge einer hübschen Französin habe ich nichts einzuwenden.

  • V O R S I C H T
    Guido Kopp liest mit und macht die x. Neuauflage zum Liebingsthema 3. Reich. Diesmal in Farbe und Stereo, damit es es auch jeder versteht. sie dürfen nichts zur Vergangenheit sagen, das ist uns verboten worden.
    Wer das Heidelberger Schloss sprengte, General Melac´s Todeslisten von 4000 Dörfern in Baden, Elsaß, Pfalz, Dann später die 5 Bundesfestungen (Landau, Ulm, Mainz, Luxemburg, Rastatt) ab 1815 aus Angst vor einem neuen Napoleon und seiner zig Tausend Morde in Deutschland.
    Tja dann die Rheinkrise 1840 und die erneute Gefahr, das rheinland vom Deutschen Bund zu entreissen. Von Fallersleben dichtete hierzu in seiner Verzweiflung ein Lied dessen erste Strophe man nicht mehr singen darf, aber meinte: Deutschland im innern geeinigt bleibt standhaft vor Angriffen, was dann unter dem sog. Einigungskrieg (Schlesien) Reichskanzler Bismarck gelang. Das führte zur erneuten Angriff aus Frankreich 1870 gegen Preussen, diesmal aber mit deren Niederlage.
    IST DAS Rechtsradikal? Nein das ist Geschichte und wo ist Kopp? der hat sich unter einer Swastika-Fahne versteckt.

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