Frankreichs reiche Minister Die Champagner-Regierung

Konten, Wertpapiere, Immobilien, Kunst und Autos – die sozialistischen Minister legen ihr Vermögen offen. Und die Franzosen sind überrascht, wie gut betucht ihre Regierung ist. Allen voran Außenminister Laurent Fabius .
Update: 15.04.2013 - 20:43 Uhr 16 Kommentare
Francois Hollande hat die Offenlegung eingefordert. Er selbst besitzt Immobilien im Gesamtwert von 1,17 Millionen Euro. Quelle: Reuters

Francois Hollande hat die Offenlegung eingefordert. Er selbst besitzt Immobilien im Gesamtwert von 1,17 Millionen Euro.

(Foto: Reuters)

ParisFrankreichs Minister sind Automuffel: Jedenfalls nennt nur eine Ministerin einen schicken Sportwagen ihr Eigen. Am Hungertuch nagen sie aber nicht, wie die Vermögensliste zeigt, die am Montagnachmittag im Internet veröffentlicht wurde. Alle 38 Mitglieder der sozialistischen Regierung von Präsident François Hollande geben Einblicke in ihre Finanzen. Mit Abstand der Reichste ist Außenminister Laurent Fabius mit einem Vermögen von 6,5 Millionen Euro – Immobilien, Aktien und eine Kunstsammlung über 630.000 Euro.

Eine der Überraschungen der gegen 18 Uhr freigeschalteten Liste ist Arbeitsminister Michel Sapin, den niemand auf der Rechnung hatte. Mit seinen zahlreichen Immobilien bringt der bieder wirkende Minister, der nur durch seine knallrosa Socken auffällt, es auf 2,2 Millionen Euro und damit in die Top Drei von Hollandes Hitparade der Vermögen.

Die Senioren-Ministerin Michèle Delaunay hat wie Arbeitsminister Fabius den größten Teil ihres Vermögens geerbt. Sie hatte bereits vergangene Woche ihr Vermögen von mehr als fünf Millionen Euro veröffentlicht. Nicht nur mit diesem Wert fällt sie aus dem Rahmen, sondern auch dadurch, dass sie über 23 Spar- und Girokonten verfügt – neben einem runden Dutzend Depots. Als einzige aus der Ministerriege hält sie sich zudem gleich zwei BMW, neben einem Lancia. Allerdings sind es alles ältere Baujahre. Am Montag sagte Delaunay treuherzig, sie fühle sich nicht wie eine Reiche, fügte aber auch hinzu, dass es für viele Franzosen, die mit den Härten der Krise zu kämpfen haben, sicher schwer zu verstehen sei, wie man über ein solches Vermögen verfügen könne.

Reichtum steht in Frankreich leicht im Ruf, nicht ehrlich erworben, sondern unverdient erschlichen oder ergaunert worden zu sein. Was wohl auch damit zu tun hat, dass es nicht wie in Deutschland durch den Krieg eine gewaltige Vernichtung von Vermögen gegeben hat und viele Reiche seit Jahrhunderten auf ihren Gütern hocken.

Schon jetzt wird munter diskutiert, ob bei den Angaben alles mit rechten Dingen zugeht. Die Ministerin für die Frankophonie Yamina Benguigui mit ihrem Trick der Gütertrennung ist ein Beispiel, unklare Bewertungen ein anderes.

Auffällig ist, dass die französischen Minister ganz überwiegend auf Betongold setzen. Der allergrößte Teil ihrer Werte steckt in Häusern und Wohnungen. Dem Finanzsystem scheinen die meisten zu misstrauen, denn nur wenige verfügen über große Depots mit Aktien, Anleihen und Fonds oder über Bankkonten mit hohen Beträgen. Für Deutsche als Nation von Autonarren ist auch verwunderlich, dass sich die meisten Minister keine Luxusschlitten leisten. Alte Hyundais, betagte Peugeots und altersschwache Twingos herrschen vor. Premier Ayrault kurvte, bevor er Regierungschef wurde, in einem VW-Bus durch die Lande. Der bringt es mittlerweile auf 25 Jahre und ist bis auf 1000 Euro abgeschrieben.

Die Justizministerin Christiana Taubira machte sich einen Spaß aus der Vermögensliste. Sie führte auch noch ihre drei Fahrräder auf, wobei das teuerste ein Gitane ist, dass bei der Anschaffung 400 Euro kostete – ein Schnäppchen.

Auslöser der Transparenz-Offensive war die Schwarzgeld-Affäre des geschassten Budgetministers Cahuzac. Sein Nachfolger zählt innerhalb der Regierung schon zu den armen Schluckern. Bernard Cazeneuve gehört zwar ein Haus im Wert von 550.000 Euro, doch lasten darauf Hypotheken von einer halben Million. Auch er zählt zu den Automuffeln. Sein Renault ist nur noch 6000 Euro wert – wie soll bei so viel Sparsamkeit die französische Autoindustrie je auf einen grünen Zweig kommen? Cazeneuves Kabinettskollege Pascal Canfin von den Grünen geht noch radikaler zur Sache: Er hat gar kein Auto. Nicht jeder mag das vorbildlich finden, doch in einer Hinsicht ist Canfin zweifellos beispielhaft: Er unterstützt die Wirtschaftspresse mit einer Beteiligung von 3800 Euro am Magazin Alternatives Economiques.

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16 Kommentare zu "Frankreichs reiche Minister: Die Champagner-Regierung"

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  • Sich Sozialist nennen und Sozialist sein ist ein grosser Unterschied!
    Wer Schröder und Merkel sozialistisch nennt ist ein Vollpfosten und hat keinen blassen Schimmer was es überhaupt bedeutet!

    Hat Schröder soziale Politik gemacht ? Macht Merkel soziale Politik?
    Ne, aber die Volksverblödung läuft dagegen auf Hochturen!
    Und diese funktioniert anscheinend bestens gerade beim Mittelstand und den Besserverdienenden!

    Immer schön die Klassen gegeneinander ausspielen!
    So lenkt man von den wahren Zielen ab!
    Selbst Assozial sein, auf echte Sozialisten schimpfen und die Linke immer noch für SED Kader halten! (Die meisten sind in die CDU eingetreten!)
    So bekommt das Doofvolk hier was es verdient:
    Die totale Versklavung und Verarmung!

    Bald werden sich sogar alle Ex-Wessis nach der guten alten DDR herbeisehnen, in der sie dann gerne leben würden!

  • Ja glaubt den jemand, bei uns wäre das anders?
    Rot-Grün damals wurde z. B. die Toscana-Fraktion genannt, hier vornehmlich die Grünen. Die haben dort offenbar alle ihre Häuser
    Aber hier wird es niemals durchkommen, dass unsere Politiker all ihr Vermögen offenlegen
    Aber wie sagte Schröder immer so schön? Wir haben über unsre Verhältnisse gelebt.
    Aber damit meinte er ja nur uns, das dumme Volk

  • Zu Westerwelle,der hat sich auf Malorca mit seinem Freund ein 2 Millionen Anwesen gekauft. Aber dieses Geld hat er sich ehrlich mit seinem Abgeordneten und Ministergehalt
    verdient. Die spanischen Putzfrauen werden vermutlich mit
    dem Deutschen Mindestlohn abgegolten.

  • Warum so viele Anwälte in die Deutsche Politik wechseln, ist jetzt verständlich. Sie dürfen ihr finanzielles Geheimniss bewahren zum Schutz ihrer Mandanten. Der Bürger muss alles offenlegen und da diese Anwälte stets Misstrauisch sind aus eigener Erfahrung werden auch noch Konten der Bürger durchschnüffelt. Das die französischen Sozis gut betucht sind,ist nicht überraschend für mich. Um sozial zu sein, muss man ja nicht auf Champanger verzichten. Bei uns sind Steinbrück,Fischer,Schröder die Leuchtürme wie man sein Fell wechselt zu Armanie,Davidoff
    und teueren Rotwein.

  • Nachdem hier im wesentlichen der Blickpunkt auf den "großen" Reichtum verschiedener dieser Politik-"Eliten" gelegt wird (in Frankreich sind Politiker "Eliten", die gewöhnlich aus den Absolventen der "Grande Ecoles" rekrutiert werden und sich meist gegenseitig gut kennen - um nicht zu sagen Mafiabande), möchte ich den Blick auf die andere Seite richten: die fast komplette Mittelosigkeit manch anderer Minister, selbst ein Finanzminister der nicht mal eine Viertelmillion sei eigen nennt (obwohl er auch nicht mehr die Jüngste ist).

    Glaubt das jemand? Interessanter ist vielmehr die Suche, mit welchen Tricks sie ihr Vermögen (nicht das was sie formal besitzen, sondern das, über das sie "verfügen" können) verschleiern. Ich unterstelle hier keine Schwarzgelder, sondern ich denke hier an legale Methoden.

  • Bevor hier Leute verdächtigt werden, gebietet es die Fairnis, die erst einmal zu fragen. Das gilt auch für den Westerwelle.

    Sozialisten eben. Schon Hermann Göring...auch Sozialist... Schröder, Fischer , dergleichen.

  • plumpe demagogie

    westerwelle hat mehr auf der seite als der frz außenminister und dies als leistungslooser lobbyist der banken,versicgherungen und großunternehmen.

    da könnte doch das HB nal rumrecherchieren

  • Champagner???? Das soll wohl ein Witz sein! Winterkorn verdient in einem Jahr mehr als die ganze Ministerriege besitzt. Bei den deutschen Ministern wird es nicht anders sein. Was soll dieser miese Kampagnenjournalismus gegen Spitzenpolitiker, diese gezielte Volksverdummung.

  • Damit hat sich Hollande sicher ein Ei gelegt.Die Gewerkschaftsführer,sicherlich nicht unvermögend,haben schon die Messer gewetzt.

  • Ist doch bei uns genauso, die am meisten nach Umverteilung rufen, haben meist auch nur die eigene Brieftasche im Sinn. Dem Kanzlerkandidaten der SPD ist das in dieser Position zu erwartende Gehalt zu niedrig wie er neulich erklärt hat.

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