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Freihandel Deutsche Wirtschaft feiert Mercosur-Abkommen – besonders die Autobranche

Vertreter unterschiedlicher Branchen begrüßen das neue Freihandelsabkommen mit Südamerika. Es müssen aber noch einige Hürden überwunden werden.
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Bislang fielen auf Auslieferungen nach Brasilien und Argentinien noch Außenzölle in Höhe von 35 Prozent an. Quelle: dpa
Deutsche Auto-Exporte

Bislang fielen auf Auslieferungen nach Brasilien und Argentinien noch Außenzölle in Höhe von 35 Prozent an.

(Foto: dpa)

Brüssel, Osaka, Berlin Die deutsche Autobranche wittert nach dem Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten große Chancen für den Absatz von Autos und Kleintransportern. Dafür müssten aber Zölle und andere Handelshemmnisse nachhaltig abgebaut werden, erklärte der Verband der Automobilindustrie (VDA) am Samstag. „Für Mercosur ist das Abkommen der EU das erste mit einem bedeutendem Automobilproduzenten, daher bietet es für die EU und Deutschland gute Chancen“, sagte Verbandspräsident Bernhard Mattes.

Derzeit fallen auf Autoimporte laut VDA in Brasilien und Argentinien Außenzölle von 35 Prozent an. „Daher waren die Exporte aus Europa nach Mercosur mit 78.000 Einheiten in 2018 bisher sehr gering“, erklärte Mattes. Das Abkommen mit Mercosur werde für beide Seiten Exportchancen eröffnen. Vor allem der brasilianische Automarkt wächst derzeit. In Brasilien und Argentinien haben deutsche Autohersteller und Zulieferer laut VDA auch mehr als 140 Produktionsstandorte.

Über das Abkommen zwischen der EU und den Mercosur-Ländern Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay sollen Zölle und andere Handelshemmnisse abgebaut werden, um den Warenaustausch zu stärken und Unternehmen Kosteneinsparungen in Milliardenhöhe zu bringen.

Auch aus anderen Branchen kommt viel Lob: „Die entstehende größte Freihandelszone der Welt ist mehr als nur ein Ausrufezeichen gegen den weltweit grassierenden Protektionismus“, sagte der Präsident des Großhandelsverbandes BGA, Holger Bingmann, am Wochenende. Der Durchbruch sei eine gute Nachricht für Unternehmen und Verbraucher.

20 Jahre hatten die Europäische Union und die im Mercosur zusammengeschlossenen Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay verhandelt, nun steht ein vorläufiges Abkommen. „85 Prozent der europäischen Ausfuhren in den Mercosur unterliegen derzeit dem Zoll, was Kosten in Höhe von jährlich vier Milliarden Euro für deutsche und andere europäische Unternehmen ausmacht“, erklärte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Eric Schweitzer. Die EU sei der wichtigste Handelspartner für den Mercosur, einem Markt mit über 250 Millionen Konsumenten.

Auch der deutsche Maschinenbauverband VDMA begrüßte die Einigung. „Bislang waren Länder wie Brasilien aufgrund von Handelsschranken, insbesondere Zölle in Höhe von durchschnittlich 14 Prozent, gerade für die mittelständischen Unternehmen des Maschinenbaus nur schwer zugänglich“, sagte VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann.

Kritik von Umweltgruppen

Das Abkommen muss noch einige Hürden nehmen. Frankreich und andere Länder fürchten eine starke Zunahme der Rindfleisch-Importe. Umweltgruppen kritisieren, durch das Abkommen könnte die Abholzung von Urwäldern beschleunigt werden. Alle EU-Mitglieder sowie das Europäische Parlament müssen dem Vertrag zustimmen.

Am Rande des G20-Gipfels im japanischen Osaka sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Mercosur-Deal, Bekenntnisse zum Pariser Klimaschutzabkommen sowie zum Schutz von Wäldern seien aufgenommen worden. Beides sei Deutschland sehr wichtig gewesen. Der französische Präsident Emmanuel Macron sagte, der Deal sei gut und entspreche den Interessen seines Landes.

Es sei Vorsorge getroffen worden, um Zucker- und Fleisch-Exporte aus Südamerika zu begrenzen. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker ergänzte, das Abkommen werde Jobs schaffen. Es stehe im Einklang mit europäischen Werten und unterstütze den Freihandel in der Welt.

Der von US-Präsident Donald Trump angezettelte Handelsstreit setzt China und Europa unter Druck und bremst die Weltwirtschaft. Die EU hat sich auch deswegen zuletzt auf Freihandelsabkommen mit Japan und Mexiko verständigt. Beim Mercosur-Deal kann sie vier Mal so viele Zölle sparen wie beim Abkommen mit Japan.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro sprach von einem historischen Durchbruch. Sein Land erwarte in den kommenden 15 Jahren eine wachsende Wirtschaft und steigende Investitionen. Beide Wirtschaftsregionen umfassten fast 800 Millionen Menschen und stünden für ein Viertel der globalen Wirtschaftsleistung. Die südamerikanischen Länder hatten sich zuletzt noch gegen eine Öffnung bestimmter Industriesektoren wie der Automobilbranche gesträubt.

Mehr: Die größte Freihandelszone der Welt wird Realität. Sie umfasst die EU und Südamerikas Mercosur-Staaten. Ganz zum Verdruss der USA.

  • rtr
  • dpa
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