Fremdenfeindlichkeit in der Schweiz Kein Grüezi für die Deutschen

Während die Deutschen über „Armutszuwanderung“ diskutieren, will die Schweizer Volkspartei die „Masseneinwanderung“ stoppen. Sind Deutsche Opfer Schweizer Ressentiments? Wie unser Korrespondent die Schweizer erlebt.
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Ouvrir la porte aux abus? Offen für Missbrauch? Die Schweizer Volkspartei will die „Massenzuwanderung“ stoppen. Quelle: dpa

Ouvrir la porte aux abus? Offen für Missbrauch? Die Schweizer Volkspartei will die „Massenzuwanderung“ stoppen.

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ZürichAls ich nach meinem Umzug im August 2011 zum ersten Mal meinen Briefkasten in der Schweiz aufmachte, musste ich lachen. Denn als erste Postsendung bekam ich den Aufruf der SVP, der Schweizer Volkspartei, ihre Initiative gegen „Masseneinwanderung“ zu unterzeichnen. „Zu spät, ich bin schon da“, dachte ich – und schmiss das Ding gleich in den Korb für Altpapier.

Bei der vorangegangenen Wohnungssuche hatte mir tatsächlich einmal ein Vermieter seine Wohnung verweigert, mit der Begründung, „dass es in dem Viertel schon genug Ausländer hat.“ Das war es dann aber auch schon mit meinen Erfahrungen zu Anti-Deutschen-Ressentiments in der Schweiz – und jetzt wohne ich schon fast drei Jahre hier und bin auch viel im Land unterwegs.

Es gibt aber auch andere Stimmen. Ein geteiltes Bild zum Beispiel ergeben erste Zwischenergebnisse einer Studie des Ökonomen Thomas Köllen von der Wiener Wirtschaftsuniversität, der sich mit der Situation von Deutschen in der Schweiz und Österreich beschäftigt. „Als Tendenz kann auf jeden Fall schon festgehalten werden, dass ihr Deutsch-Sein ein großes Thema ist für die meisten Deutschen in der Schweiz, das häufig mit unterschiedlichen, eher negativen, Alltagserlebnissen oder Erlebnissen am Arbeitsplatz verbunden ist“ erklärt er.

Doch bisher haben nur 145 Deutsche, die in der Schweiz wohnen, an der Umfrage mitgemacht – die Ergebnisse sind also nicht repräsentativ. Deutsche mit Wohnsitz Schweiz lädt Ökonom Köllen daher ein, an der Studie noch mitzumachen. Von denen, die mitgemacht haben, stimmen rund 42 Prozent der Aussage zu, dass viele Leute am Arbeitsplatz Vorurteile gegenüber Deutschen hätten und sie die Deutschen behandeln würden, als wären diese Vorurteile wahr. 44 Prozent stimmen der Aussage wiederum nicht zu. Und immerhin rund 69 Prozent fühlen sich in der Schweiz tendenziell willkommen, ähnlich viele fühlen sich in der Schweiz aber auch als Fremde.

Die ersten Tendenzen der Untersuchung zeigen, wie vielschichtig das Thema ist. Als ich im vergangenen Herbst die Veranstaltung des bayrischen Wirtschaftsministeriums besuchte, das gezielt deutsche Hochqualifizierte nach Bayern locken wollte, hat mir indes keiner der Teilnehmer davon erzählt, dass er wegen einer Ablehnung der Schweizer überlege zu gehen. „Das hat sich gebessert, von vier oder fünf Jahren waren die Spannungen größer“, berichtete mir zum Beispiel der Informatiker Volker M., der schon zwölf Jahre in der Schweiz lebt.

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56 Kommentare zu "Fremdenfeindlichkeit in der Schweiz: Kein Grüezi für die Deutschen"

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  • Nach 4 einhalb Jahren Schweiz hatte ich auch genug und bin letztendlich wieder nach Deutschland umgezogen. In fast jeder Situation habe ich zu spüren bekommen das ich nicht erwünscht bin. Allerdings nicht von der breiten Masse sondern sehr vereinzelt von Menschen mit meist niedrigem Bilungsniveau. Beim einkaufen, im Ausgang, im ÖV oder im Fitnesscenter. Meine deutschen Kollegen die noch in der Schweiz sind werden mir auch bald folgen. Aber es gehen ständig wieder sehr viel Deutsche in die Schweiz. Hmm vielleicht ist es ein Kreislauf? Aber für Deutschland ist es ja gut wenn wir die gut Ausgebildeten wieder zurückkehren. Und die Schweiz? Ich hoffe sie werden es irgendwann einmal bemerken das wir nicht mehr da sind ')

  • Was ich in der Schweiz oft mitbekomme ist das die Schweizer denken sie seien die einzigen die unter Zuwanderung leiden. Manchen muss man erstmal die Augen öffnen und erklären dass wir in Deutschland ebenfalls eine sehr hohe Zuwanderung aus diversen Ländern haben. Und in Deutschland besteht zudem das Problem der Verständigung. Während sich deutsche relativ schnell an Schwizerdütsch gewöhnen und die deutschen auch verstanden wären, haben wir in Deutschland mit div. Nationalitäten viel grössere Probleme.

    Auch haben 90% der schweizer mit denen ich Kontakt hatte keine Ahnung warum die Deutschen in die Schweiz kommen. Erst nachdem ich erklärt habe wie es steuer- und Gehaltstechnisch in Deutschland aussieht hatten sehr viele absolutes Verständnis für die Auswanderung. Viele sagten sogar dass sie sich ein leben in der Schweiz mit deutschen Steuern auch nicht mehr leisten könnten.

  • Fassen wir doch kurz zusammen. Die Deutschen sind in der Schweiz willkommene Arbeitskräfte, sonst würde sie dort keiner einstellen und kaum ein Deutscher in die Schweiz auswandern. Offizielle Zahlen, die mir leider nicht vorliegen, belegen vermutlich, daß die meisten Deutschen dort in Arbeit sind und kaum auf staatliche Leistungen angewiesen sind.
    Nicht die Deutschen sind das Problem, sondern der Minderwertigkeitskomplex vieler Schweizer, die befürchten, ihre lächerliche Werbung könnte bald lauten: „Wer hat's erfunden? Die Deutschen in der Schweiz“. Außerdem haben viele Schweizer selbst ein Problem mit dem Schweizer-Deutsch, das nicht nur lächerlich, sondern auf viele unerträglich wirkt. Des Weiteren scheint das Drei Länder Land keine richtige Identität zu besitzen, weil der Einfluß Deutschlands, Frankreich und Italien einfach zu groß ist. Dies und andere Faktoren sind meiner Meinung nach die wesentlichen Gründe für eine anti-deutsche Haltung dort, die unbegründet ganz schnell zum Eigentor werden kann.
    Die Schweiz nimmt sich gemessen an ihrer Größe einfach zu wichtig.

  • Hinsichtlich der Zahlen: Lt. Bundesamt für Migration sind in 2012 insgesamt 738.735 ausländische Staatsangehörige nach Deutschland zu- und 317.594 abgewandert. Unter den zugewanderten Personen befanden sich 433.140 Unionsbürger und 305.595 Staatsangehörige aus Nicht-EU-Staaten.

    Da die 433.140 Unionsbürger aus zahlreichen verschiedenen Mitgliedstaaten stammen, u. a. aus Irland, dem Mittelmeerraum und Polen, und es sich dabei hauptsächlich um qualifizierte Kräfte handelt, die z. B. unser Pflegesystem dringend braucht, scheinen mir doch einige der hier kolportierten Zahlen zu der - offensichtlich nicht existierenden - Überschwemmung mit Armutszuwanderung aus dem Balkan heftigst übertrieben.

    Also, mehr als die im Artikel genannten 130.000 Menschen sind es schon. Kleiner Hinweis diesbezüglich ist aber doch ganz interessant: Nicht nur die viel zitierten Krankenhäuser und Altenheime sind auf die Leute angewiesen, und könnten noch viel mehr davon brauchen. Insbesondere Industrie und Computerbranche sind in der gleichen Lage. Bei europäischer Zuwanderung ist die Integration zudem in der Regel weniger problematisch (und NEIN, das geht nicht gegen die Türkei, für mich ist sie schon lange ein Teil Europas). Es würde sich außerdem echt lohnen, bei solchen Diskussionen eindeutig zwischen Arbeitszuwanderung, und das ist Zuwanderung aus der EU fast flächendeckend, und Flüchtlingen, die akut Hilfe brauchen und schließlich nicht freiwillig migriert sind, zu unterscheiden. Außerdem: Von einem endlich funktionietrenden europäischen Binnenarbeitsmarkt würden auch Deutsche stark profitieren, mit Firmenniederlassungen, wohnen und arbeiten im grenznahen Raum etc. Die Mehrheit der Schweizer scheint das für ihr Land doch so zu sehen, sogar ohne EU-Mitgliedschaft. Können wir uns mal 'ne Scheibe von abschneiden.

  • Es gibt schon ein paar Unterschiede:

    Nicht ein Deutscher wandert in die Schweiz aus, ohne einen hochqualifizierten Arbeitsplatz zu HABEN.

    Und organisiertes Betteln in den Strassen von Zürich oder Bern ist mir nicht bekannt.

  • Wenn die Schweizer Ausländer nicht mögen, hat man dafür Verständnis.
    Wenn die Deutschen Ausländer nicht mögen, sind die Deutschen Rechtsradikale.
    Vielleicht sind die Deutschen in der Schweiz unbeliebt, weil sie sich wie Lehrer aufführen und die Eingeborenen erziehen wollen.
    Andererseits sollten die Schweizer froh sein, daß die Deutschen kommen und nicht die Ausländer, die zu uns nach Deutschland kommen.

  • @malinois

    Jedes Jahr verlassen 700.000 Deutschen Deutschland. Ich sage Ihnen - die Deutschen sind eine Plage.

  • Wunderbar, die gelebte Demokratie in der Schweiz. Warten wir doch den 9.Februar ab, wo die Schweizer über Masseneinwanderung abstimmen. Leider können die Deutschen sich gegen Masseneinwanderung von Menschen mnit niedrigem Bildungssstand nicht per Volksabstimmung aussprechen. Der Autor des Artikels hat nicht sonderlich gut recherchiert, wie auch aus einigen Kommentaren zu ersehen ist. Ich hoffe sehr, die Schweizer behalten ihre eigene Identität und verfolgen ihre eigenen nationalen Interessen, nicht so wie die Deutschen, die lieber Brüssel (Finanzindustrie und Konzerne) über sich bestimmen lassen.

  • Ich denke auch, dass man nicht ganz so einfach Deutsche die in die Schweiz gehen mit Rumänen die nach Deutschland gehen, vergleichen kann. Ist es nicht eher so, dass die Deutschen, die in die Schweiz gehen, gut qualifizierte Leute sind und dort Arbeit mit ordentlichem Gehalt haben? Wohingegen ein rumänischer Mann/Frau einfach so nach Deutschland kommen, dann nach irgendeiner Arbeit suchen und dann Deutsch lernen. Also sollte man hier eine Unterscheidung nach Bildungsniveau treffen, was für Leute wohin gehen.

  • @qiek
    Thema verfehlt. Setzen. Sechs.

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