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Fridays for Future So blickt die Welt auf Greta Thunberg und die Klimastreiks

In Japan finden sich kaum Schüler, die freitags für das Klima streiken. In Großbritannien wird die Bewegung immer größer. Ein Überblick unserer Korrespondenten
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„Fridays for Future“: Wie die Welt auf die Klimastreiks blickt Quelle: AFP
Greta Thunberg in Rom

Die sechzehnjährige Schwedin ist in den Osterferien zu mehreren Klimastreiks gereist.

(Foto: AFP)

Stockholm, Zürich, Tokio, Madrid, Washington, Wien, London Greta Thunberg ist zur einer Ikone des weltweiten Protest gegen den Klimawandel geworden. Vor über acht Monaten, am 20. August 2018 schwänzte die 16-jährige Schwedin zum ersten Mal die Schule. Ihre Intention macht sie von Beginn an klar. „Skolstrejk för klimatet“ steht auf dem selbst gemalten Pappschild, das sie seit diesem Tag stets neben sich aufstellt: „Schulstreik fürs Klima“.

Saß das junge Mädchen zunächst noch ganz allein vor dem schwedischen Parlament, unterstützen sie mittlerweile jeden Freitag tausende Schülerinnen und Schüler bei ihren Protesten, nicht nur in Stockholm, sondern in vielen Metropolen weltweit.

Richtig berühmt wurde die junge Schwedin als das Ausland, vor allem Deutschland, auf sie aufmerksam wurde. Zuvor war ihr Protest den schwedischen Medien allenfalls kleinere Notizen wert. Mittlerweile ist die Schülerin aber auch in ihrem Heimatland ein Star und wurde sogar zur Schwedin des Jahres gewählt. 

Während Thunberg in ihrem Heimatland als Frontfrau der Bewegung unumstritten ist, gibt es in Deutschland aber bereits Kritik an den lokalen Führungspersonen der Bewegung. Vor allem die 22-jährige Geographie-Studentin Luisa Neubauer sieht sich dieser Kritik ausgesetzt.

Personenkult und Karrieregedanken werden ihr innerhalb der Bewegung vorgeworfen. Der Unmut lässt sie nicht kalt. Allerdings erklärte sie vor Kurzem, dass auch die Medien eine Mitschuld trügen, da sie immer wieder mit denselben Personen sprechen wollten.

In Schweden ist eine vergleichbare Kritik an Thunberg bislang nicht laut geworden – vielleicht auch deshalb nicht, weil vielen klar ist, dass die Bewegung populäre Frontfiguren braucht, um Aufmerksamkeit erzeugen zu können.

Dafür haben die jungen Aktivisten in Deutschland bereits konkrete Vorschläge für mehr Klimaschutz vorgelegt. Unter anderem fordern sie einen Kohleausstieg bis 2030 und 100 Prozent erneuerbare Energieversorgung bis 2035. Greta Thunberg sich bislang mit ganz klaren Forderungen zurückgehalten. Bahnfahren statt Fliegen zählt da schon zu den deutlichsten.

Schweizer hegen Sympathien für Greta

Außerhalb von Deutschland und Schweden ist die Resonanz auf Thunberg sehr unterschiedlich. In den von Wirtschaftskrisen gebeutelten Staaten Griechenland und Russland wird die „Fridays for Future“-Bewegung kaum beachtet. In den Medien taucht sie allenfalls als kleine Notiz auf. Anderenorts ist das Interesse hingegen sehr groß.

So ist Greta Thunberg vielen Schweizern seit ihrem Auftritt auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos mehr als nur ein Begriff. Auch in der Eidgenossenschaft gehen bei den „Klimastreiks“ zehntausende Schweizer auf die Straßen. Demonstriert wird nicht nur in Zürich, Bern oder Genf, sondern in zwanzig Städten.

Ob man die Schule schwänzen darf, um für das Thema auf die Straße zu gehen, wird auch in der Eidgenossenschaft leidenschaftlich diskutiert. Nicht immer mit Verständnis: So erteilte ein Gymnasium im Waadtland Schülern, die wegen des Streiks bei einer Matheprüfung fehlten, eine Eins. Das ist in der Schweiz nicht die beste, sondern die schlechteste Note.

Viele Schweizer hegen für die Klimastreik-Bewegung aber Sympathien. Schließlich lässt sich der Klimawandel in der Schweiz unmittelbar verfolgen: Früher reichten viele Gletscher bis in die Täler, doch die Eismenge geht seit Jahren zurück. Forscher fürchten gar, dass die Schweizer Alpengletscher bis zum Jahr 2100 ganz verschwinden, wenn der Klimawandel nicht gestoppt wird.

In Österreich ist der Bundespräsident Verbündeter

Beim Nachbarn in Österreich haben die Klimaschützer einen politischen wichtigen Bündnispartner: Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Der ehemalige Grünen-Chef und pensionierter Wirtschaftsprofessor setzt sich seit Amtsbeginn gegen den Temperaturanstieg ein.

Dennoch spielt die „Fridays for Future“-Bewegung in der Alpenrepublik bislang noch keine große Rolle. Dafür sorgt auch das gesellschaftspolitische Klima, das sich seit dem Amtsantritt der rechtskonservativen Regierung unter Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) gedreht hat.

Bislang gab es nur vereinzelte Aktionen in der Alpenrepublik. An den Demonstrationen im März hatten sich insgesamt 25.000 Aktivisten österreichweit beteiligt. Das Schulschwänzen hat die Regierung allerdings untersagt. Das Bildungsministerium betrachtet die Teilnahme an den Schülerdemonstrationen unter dem Motto „Streikendes Klassenzimmer“ als unentschuldigte Fehlstunden.

In Italien genießt Greta Star-Status

Südlichen der Alpen kommt die Bewegung hingegen sehr gut an. In Italien, wo Greta Thunberg am Karfreitag Papst Franziskus traf und anschließend auf der zentralen Piazza del Popolo zusammen mit mehreren Tausend junger Leute für mehr Klimaschutz demonstrierte, ist die schwedische Aktivistin mittlerweile der Star der Umweltschützer.

In Spanien dagegen wird die „Fridays for Future“-Bewegung gerade erst populär. Es begann vor zwei Monaten mit dem Protest von Studenten der Uni Girona und hat sich seit dem landesweit ausgedehnt. Nach Angaben der Madrider Sprecherin der Bewegung, Irene Rubiera, sind die spanischen Demonstranten aber älter als in anderen Ländern. Sie seien in der Regel Studenten und nicht mehr Schüler. 

Monatliche Demos in Großbritannien

In Großbritannien finden die „Fridays for Future“ einmal pro Monat statt. Zum ersten Protesttag im Februar kamen mehr als zehntausend Schüler in 60 Orten landesweit. Allein in London versammelten sich mehrere Tausend auf dem Parliament Square. Unter ihnen war auch der neunjährige Daniel Miliband in Begleitung seines Vaters Ed, dem früheren Labour-Chef.

Mitte März dann schwänzten bereits 50.000 Schüler in 150 Orten die Schule. Auch die Deutsche Schule in London erlaubte ihren Schülern, zum Parliament Square zu fahren. Auf Schildern war zu lesen „There is no Planet B“ und „March now – or swim later“. Beim jüngsten Protest am 12. April gingen erneut Zehntausende auf die Straße, der nächste Termin ist für den 24. Mai angesetzt.

Koordiniert wird die Bewegung vom UK Student Climate Network, das sich im Januar gegründet hat. Inzwischen haben sie Jake Woodier sogar einen erfahrenen Klimaschutz-Aktivisten als festangestellten Pressesprecher. Die Reaktion der Schulen sei gemischt gewesen, sagt Woodier. Manche hätten den Schülern die Teilnahme an den Protesten unter Androhung von Strafe verboten. Andere seien offener und hätten das Thema sogar in ihren morgendlichen Assemblies besprochen.

In den USA kommt die strenge Schule Aktivisten in die Quere

Jenseits des Atlantiks stellt sich die Situation etwas anderes dar. Junge Klimaschützer in den USA gehen weniger regelmäßig auf die Straße als in einigen europäischen Regionen. Größere, konzertierte Ansammlungen finden etwa einmal im Monat statt, nicht jede Woche. Vielleicht liegt das auch daran, dass amerikanische Schulen grundsätzlich strenger geführt werden als etwa deutsche - das fängt mit Schuluniformen an und hört mit einem straffen Nachmittagsprogramm auf.

Mitte März, als die „Fridays for Future“- Bewegung zu ihrem ersten weltweiten Protest aufrief, beteiligten sich dennoch Schüler aus mehr als 60 US-amerikanischen Städte daran. Die Dachorganisation „US Youth Climate Strike“ verteidigte damals ihren Aufruf, den Schulunterricht für die Demos zu verlassen.

„Wenn wir unsere Gesellschaftsordnung stören und uns weigern, zur Schule zu gehen, zwingen wir das System dazu, sich der Klimakrise zu stellen und Veränderungen vorzunehmen“, sagte die Sprecherin der Organisation, die 16-jährige Maddy Fernands aus Minnesota. Der nächste Freitagsprotest ist für den 3. Mai geplant.

Parallel setzen amerikanische Jugendorganisationen auf gezielte Aktionen in linksliberalen Großstädten, die nicht zwingend an einen Freitag oder Schulzeiten gebunden sind. Die Sorge um das Weltklima treibt viele, insbesondere jüngere US-Amerikaner um. Doch ein breites, radikales Umdenken scheint in der an Wegwerf-Produkte und Bequemlichkeit gewöhnten Nation kaum vorstellbar.

Im kommenden Präsidentschaftswahlkampf allerdings könnte das Thema an Fahrt gewinnen. Mehrere Demokraten, die Trump herausfordern wollen, haben den Kampf gegen den Klimawandel zur Top-Priorität erklärt.

Nur wenige Demonstranten in Japan und Südkorea

Auch im fernen Japan ist Greta Thunberg keine Unbekannte mehr. Einige Medien berichteten über die Proteste in Europa, die die damals 15-jährige ausgelöst hatte. Am 15. März gingen in Tokio und Kyoto rund 100 junge Japaner auf die Straße. Selbst für Japan, wo Großdemonstrationen eher die Ausnahme sind, ist das eine geringe Zahl. 

Im Südkorea schaffte es die streikende Schülerin aus Schweden dagegen sogar in die Online-Kolumnen angesehener Zeitungen. Das Echo auf der Straße war noch gering, wenn auch größer als in Japan. Mitte März versammelten sich gerade einmal 300 junge Koreaner in Seouls Zentrum.

Doch auch Greta Thunbergs Protest begann still. Was mit einer einzelnen Aktivistin begann, hat sich mittlerweile zu der globalen „Fridays for Future“-Bewegung entwickelt. Und noch ist kein Ende abzusehen. 

Die 16-jährige Schülerin will auf jeden Fall weitermachen. „Wir werden den Kampf für unsere Zukunft fortsetzen“, versprach sie auf ihren vielen Kundgebungen in den vergangenen Wochen in Berlin, Brüssel, Rom, Paris und London.

Dorthin reiste sie politisch korrekt im Elektroauto ihres Vaters oder mit der Bahn. Und die Schule musste sie auch nicht schwänzen, denn in Stockholm waren Osterferien. Am heutigen Freitag wird sie allerdings in ihrer Klasse wieder fehlen und streiken: für das Klima.

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