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Friedensbemühungen Ein südkoreanischer Zug auf Mission in Nordkorea

Während die Gespräche zwischen den USA und Nordkorea ins stocken geraten sind, treiben Südkorea und Nordkorea ihre Annäherung voran – mit einer Eisenbahnverbindung.
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Nord- und Südkorea treffen Vorbereitungen für eine verbindende Eisenbahnlinie. Quelle: AFP
Südkoreanischer Zug am Bahnhof Dorasan

Nord- und Südkorea treffen Vorbereitungen für eine verbindende Eisenbahnlinie.

(Foto: AFP)

TokioDie südkoreanischen Erbauer des Bahnhofs Dorasan an der Grenze zu Nordkorea bewiesen Vision. Lange war der moderne Bau aus Stahl und Glas tatsächlich eine Endstation. Denn nur 650 Meter weiter nördlich begann die entmilitarisierte Zone, die Nord- und Südkorea seit Jahrzehnten nahezu hermetisch voneinander trennt.

Doch im Bahnhof zeigten die Tafeln schon immer zwei Richtungen an: Seoul im Süden, Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang im Norden – ein Symbol der Hoffnung auf Versöhnung, Annäherung und letztlich Wiedervereinigung. Am Freitag wurde diese Hoffnung für einen Moment erfüllt.

Um 9.05 Uhr dieselt ein kleiner Zug Richtung Norden los auf eine historische Mission. Er ist zwar nicht der erste seiner Art. Schon 2007 zuckelte ein südkoreanischer Zug gen Norden. Aber jetzt werden erstmals Offizielle und Experten beider Seiten 18 Tage lang gemeinsam einen Großteil des dünnen nordkoreanischen Gleisnetzes inspizieren, um Pläne für dessen Modernisierung entwerfen zu können.

Und damit es den Pionieren auch an nichts fehlt, wurde der Zug extra für die lange Reise ausgestattet.

Vorne weg fährt eine starke Diesellok. Dahinter ein großer Tankwagen mit Treibstoff, gefolgt von einem Wagen mit Stromgeneratoren, einem Passagierwagon, einem Schlaf- und einem weiteren Liegewagen mit Bädern und am Ende ein Abteil mit Proviant. Offenbar wollen die Gäste aus dem reichen Süden ihren armen, aber stolzen Cousins im Norden nicht allzu sehr zur Last fallen.

Schließlich herrscht in Nordkorea nach Jahrzehnten der Misswirtschaft und Jahren der Sanktionen Mangel. Aber es reicht, um noch eine Lok und drei weitere Wagons für die nordkoreanische Delegation anzukoppeln.

Die Erwartungen an die Reise sind nach dem harten Konflikt zwischen den USA und Nordkorea im Jahr 2017 hoch. Die gemeinsame Inspektion sei der „geschichtlich bedeutende erste Schritt“, die getrennten Verkehrswege wieder zu verbinden, urteilt die linksliberale Zeitung Hankyoreh. Vereinigungsminister Cho Myoung-gyon übernahm die Aufgabe den Bürgern noch einmal die politischen Ziele der Inspektion zu erklären.

„Das Projekt der innerkoreanischen Eisenbahnverbindung zielt darauf, die Trennung zu überwinden und eine neue Zukunft für die koreanische Halbinsel zu erschließen“, sagte er auf einer Zeremonie am Bahnhof Dorasan. Durch die Verbindung der Gleisstrecken würden Nord- und Südkorea künftig gemeinsam gedeihen. Außerdem werde der Boden für Frieden gefestigt und Wohlstand in Nordostasien und der Welt verbreitet.

Damit spielte Cho auf den Friedensplan von Südkoreas Präsident Moon Jae-in an: die nordostasiatische Eisenbahngemeinschaft. Dem Staatsmann schwebt vor, Südkorea über China und Russland mit dem Rest Eurasiens zu vernetzen. Von Rotterdam bis ins südkoreanische Busan könnten dann Frachtzüge rollen. Diese wirtschaftliche Verbindung soll die Staaten in der Region dann so zusammenbringen wie es Europa mit der Kohle- und Stahlunion vorgemacht hat.

Den Segen von Nordkoreas Führer Kim Jong Un hatte Moon schon früh erhalten. Die Verbindung der Eisenbahnlinien ist eines der wichtigsten Ergebnisse der drei Gipfeltreffen, die der linke Demokrat mit dem dynastischen Diktator dieses Jahr zelebriert hat. Weitere Projekte sollten eigentlich noch dieses Jahr folgen, darunter die Verbindung von Straßen.

Unglücklicherweise ist außer einer Minensuche in der entmilitarisierten Zone nicht viel passiert. Selbst Moons friedensstiftende Zugfahrt wurde verzögert, weil Washington bremste. Dabei mangelte es Trump nicht an Verhandlungswillen – im Gegenteil.

Nachdem er und Kim die Region 2017 an den Rand eines Krieges getrieben haben, üben sie sich in diesem Jahr in freundlichen Gesprächen über eine Denuklearisierung Nordkoreas. Im Juni trafen sie sich auf neutralem Boden in Singapur zum ersten Gipfeltreffen beider Länder. Ein weiteres wird für kommendes Jahr geplant. Aber Trump stören die Versuche Südkoreas, die internationalen Sanktionen mit Wirtschaftshilfe für den Norden zu durchlöchern.

Der Grund: Trump wollte Kim in seinem atomaren Poker durch den wirtschaftlichen Druck der Sanktionen zur Aufgabe zwingen. Letztlich lenkte seine Regierung jedoch ein. Und die Vereinten Nationen gewährten Südkorea prompt Ausnahmen von den Sanktionen für das ambitionierte Projekt.

Zuerst wird der Zug bis zum 5. Dezember an der Westküste entlang nach Sinuiju fahren, einer wichtigen nordkoreanischen Stadt an der Grenze zu China. Vom 8. bis 17. Dezember bummelt der Zug dann über mehr oder weniger reparaturbedürftige Gleise von Pjöngjang über die Ostküste zum Tumen-Fluss, der Nordkorea von Russland trennt- und natürlich wieder zurück nach Südkorea.

Derzeit ist die Verbindung für großen Frachtverkehr nicht nutzbar, weil die Gleise so schlecht sind. Die Durchschnittsgeschwindigkeit auf der 850 Kilometer langen Strecke von Pjöngjang an die sibirische Grenze beträgt klägliche 40 Kilometer pro Stunde. Nach der Bestandsaufnahme der Gleiskörper soll ein genereller Plan formuliert werden, gefolgt von weiteren Inspektionen und detaillierten Bauprojekten zum Ausbau der Strecke.

Nur könnte dieser Versuchsballon einer innerkoreanischen Annäherung jederzeit platzen. Und das größte Risiko ist der Atompoker zwischen Kim und Trump. Selbst Südkoreas Regierung musste eingestehen, dass die Umsetzung von Moons Visionen vor allem von den Fortschritten abhängt, die die USA und Nordkorea in ihren Verhandlungen erzielen. Nur sieht es dort leider nicht ermutigend aus, weil sich weder Nordkorea noch die USA deutlich bewegen.

Umso wichtiger wird mal wieder Moon. In der Vergangenheit hatte Südkoreas Präsident es mehrfach geschafft, Trump und Kim nach Querelen wieder an den Verhandlungstisch zu manövrieren. Nun drechselt er an seinem nächsten Gipfeltreffen mit Kim, um den Friedensprozess am Leben zu halten.

Beide hatten bei einem Treffen in Pjöngjang vereinbart, dass Kim noch in diesem Jahr Südkoreas Hauptstadt besucht. Nordkorea hat zwar um eine Vertagung gebeten. Aber Moons Regierung arbeitet weiterhin am vierten Gipfeltreffen innerhalb eines Jahres. Vielleicht hilft die Zugdiplomatie Kims Regime, seine Pläne zu beschleunigen.

Diese Straße verbindet Nord- und Südkorea

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