Front gegen Brown Labour steht Schlacht um Parteispitze bevor

Nach der Ankündigung seines Rücktritts innerhalb der nächsten zwölf Monate steht der Labourpartei des scheidenden britischen Premierminsters Tony Blair ein harter Kampf um die zukünftige Parteiführung bevor. Als aussichtsreichster Kandidat galt bisher Blairs Finanzminister Gordon Brown. Doch einigen Kabinettsmitgliedern ist Brown ein Dorn im Auge.

LONDON. Loyale Kabinettsmitglieder des angezählten britischen Premierminister Tony Blair haben am Wochenende die Suche nach dem geeignetsten „Stoppt-Brown“-Kandidaten begonnen. Bis zu zehn Kabinettsmitglieder unterstützen eine solche Kandidatur, schrieb der „Observer“. Sie wollten die Wahl des neuen Labourführers zu einem „Referendum über Browns persönliche Integrität“ machen. Mit scharfen Attacken auf Browns „Dummheit“ und „Führungsunfähigkeit“ hatte der von Blair entlassene Innenminister Charles Clarke am Freitag die Jagd auf Brown eröffnet.

Blair hatte letzte Woche nach massiver Kritik aus seiner eigenen Partei die Niederlegung seiner Ämter innerhalb der nächsten zwölf Monaten angekündigt. Am Wochenende mahnte er seine Partei zu Geschlossenheit. Die Regierungspartei riskiere eine Niederlage bei der nächsten Parlamentswahl, wenn sie die Angriffe auf Personen nicht einstelle und sich nicht auf die wichtigen Sachthemen konzentriere, warnte Blair. Sein potenzieller Nachfolger Gordon Brown erklärte, er wünsche sich für den Parteitag im kommenden Jahr eine Auswahl unter mehreren Bewerbern für die Parteiführung.

„Die Labourpartei zerfleischt sich vor den Augen der Öffentlichkeit“, jammerte Ex-Europaminister Denis McShane. Medienberichten zufolge soll Bildungsminister Alan Johnson seine Kandidatur vorbereiten. Johnson hatte sich bereits für das Amt des Parteivize ins Spiel gebracht. Andere mögliche Kandidaten sind Innenminister John Reid, Arbeitsminister John Hutton und Clarke selbst.

Auch der frühere Kabinettsminister Alan Milburn, einer der glühendsten Verfechter von Blairs „Drittem Weg“, dürfte seinen Hut in den Ring werfen. Auf Seite der Brown-Loyalisten hat sich Nordirlandminister Peter Hain eindeutig für Brown erklärt und gleichzeitig seine Kandidatur als Parteivize angekündigt.

Sah Brown vergangene Woche noch wie der Nutznießer der Verschwörung gegen Blair aus, muss er sich nun gegen Vorwürfe verteidigen, er habe die Kampagne orchestriert. Brown dementierte dies. Hätte man ihm den Brief gezeigt, in dem 15 Abgeordnete Blair zum Rücktritt aufforderten, hätte er ihnen erklärt, wie „schlecht beraten“ sie seien.

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