Frust in der Ukraine Fehlende Reformen und Dauerkrieg

Die „Revolution der Würde“ von 2014 hat in der Ukraine längst ihren Schwung verloren. Angesichts ausbleibender Reformen häufen sich kleinere Proteste und Gewaltausbrüche. Beobachter warnen vor einem heißen Herbst.
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Die schwere Wirtschaftskrise und der nicht enden wollende Krieg im Osten gegen prorussische Separatisten nagen an den Nerven der Menschen. Quelle: dpa
Krise in der Ukraine

Die schwere Wirtschaftskrise und der nicht enden wollende Krieg im Osten gegen prorussische Separatisten nagen an den Nerven der Menschen.

(Foto: dpa)

KiewAls die schwer bewaffneten Kämpfer des berüchtigten Freiwilligenbataillons Aidar mit ihrem Panzer eine Leninstatue in der Ostukraine rammen, haben sie wohl nicht mit einem Aufruhr gerechnet. Das Denkmal ist für sie ein störendes Symbol des Kommunismus, das nicht zu einem in die EU strebenden Land passt.

Doch kurz darauf umringen mitten in der Nacht mehr als 100 entrüstete Bewohner des Ortes Melioratywne bei der Großstadt Dnipropetrowsk die Soldaten. Die wütende Menge will die eigenmächtige Aktion der Aidar-Truppe stoppen und bedrängt sie. „Sollen sie zu sich nach Hause fahren und dort kämpfen“, empört sich eine Mittdreißigerin.

Als die ersten Warnschüsse fallen, eskaliert die Lage. Die Soldaten schlagen mit Gewehrkolben um sich, mehrere Menschen werden verletzt. Die herbeieilende Polizei stellt sich schützend vor die Soldaten und drängt später die Dorfbewohner, niemanden anzuzeigen.

Berichte wie aus Melioratywne gibt es überall in der krisengeplagten Ukraine. Viele befürchten inzwischen, dass der verheißungsvolle Umsturz nach den prowestlichen Maidan-Protesten Anfang 2014 ähnlich wie die Orange Revolution von 2004 nur wenig Änderungen bringt. Kritiker sprechen von einer „Revolution ohne Würde“.

Lediglich 14 Prozent der Ukrainer glauben noch einer Umfrage vom Mai zufolge, dass sich ihr Land unter der proeuropäischen Führung um Präsident Petro Poroschenko in die richtige Richtung bewegt. Ein halbes Jahr zuvor waren es immerhin mehr als 20 Prozent.

Die schwere Wirtschaftskrise und der nicht enden wollende Krieg im Osten gegen prorussische Separatisten nagen an den Nerven der Menschen. Inzwischen denken mehr als 60 Prozent der Stadtbevölkerung darüber nach, ihrer Heimat den Rücken zu kehren und auszuwandern.

Die Unzufriedenheit zeigt sich in allen Teilen der Ex-Sowjetrepublik. In der Nordwestukraine etwa halten sich angesichts der Wirtschaftskrise zahlreiche Menschen mit dem illegalen Abbau von Bernstein über Wasser. Die Polizei schaut weitgehend machtlos zu.

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