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Fußball-Weltmeisterschaft 2022 Katar droht Fußball-Weltverband Fifa zu verklagen

Mit der Kooperation mit Saudi-Arabien und dem Versuch, die WM von 32 auf 48 Mannschaften aufzustocken, macht sich der Welt-Fußballverband in Katar keine Freunde.
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Sowohl das Gastgeberland der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 als auch die Fifa müssen sich derzeit harter Kritik aussetzen. Quelle: dpa
Fußball-Stadion in Katar

Sowohl das Gastgeberland der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 als auch die Fifa müssen sich derzeit harter Kritik aussetzen.

(Foto: dpa)

BerlinGeld regiert die Welt – und der Fußball-Weltverband FIFA beweist dieses brutale Rezept wieder einmal. Dreieinhalb Jahre vor der WM 2022 in Katar, während dort alle Stadien fertig oder in der Schlussbauphase sind, schmeißen die Fußballfunktionäre um Fifa-Boss Giovanni Infantino alle Pläne über den Haufen. Der Fifa-Council hat am Freitagabend in Miami beschlossen, die Zahl der Teilnehmer-Nationen von bisher geplanten 32 Mannschaften auf 48 zu erhöhen.

Dabei geht es eben um sehr viel Geld – und um Hinterzimmer-Politik. Wenn es zur Aufstockung der Teilnehmerländer käme, bedeutete das 400 Millionen Dollar Zusatzeinnahmen für die Fifa, zumindest laut einer 81-seitigen Machbarkeitsstudie des Verbandes. Bisher sind 64 Partien in acht Stadien geplant. Käme es zu der Erweiterung, müssten weitere Stadien sowie Hotels und Trainingslager für die beteiligten Nationalmannschaften gefunden oder gebaut werden.

Das WM-Austragungsland wehrt sich gegen die Fifa-Pläne, die Infantino in Miami durchgeboxt hat: „Katar hat die Zusage zum Austragen der WM 2022 mit einer klaren Anzahl von Nationalmannschaften bekommen und wir bauen alles exakt dafür“, sagte Katars Außenminister Mohammed bin Abdulrahman bin Jassim Al Thani dem Handelsblatt vor der Entscheidung in Florida. Und er fügte hinzu: „Die Fifa könnte eine solch gravierende Änderung nur in Konsultationen mit uns entscheiden.“

Katar droht mit Klage

Andere hochrangige katarische Vertreter sagten dem Handelsblatt unter der Bedingung, nicht namentlich zitiert zu werden, dass das Land wegen Vertragsbruchs gegen die Fifa klagen werde, wenn tatsächlich eine Aufstockung der Teilnehmerzahl erfolgen würde. Die Fifa hält die Erfolgsaussichten einer entsprechenden Klage laut der internen Studie indes für „begrenzt“.

Katar hat für die WM, die vom 21. November bis 18. Dezember 2022 ausgetragen werden soll, viel investiert – auch, um das Image des Landes als globale Sportmetropole zu untermauern. Rivalen wie die benachbarten Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Saudi-Arabien haben es dem kleinen ambitionierten Staat immer übel genommen, durch die erste Fußball-WM im Mittleren Osten heller glänzen zu wollen.

Allerdings räumt auch die Fifa in ihrem Gutachten ein, dass es „wegen der Beziehungen Katars“ zu den Nachbarländern „herausfordernd“ wäre, die WM neben der Halbinsel im Golf zusätzlich andernorts auszutragen. Co-Hosts dürften sich nicht gegenseitig sanktionieren, sondern müssten kooperativ sein. Allerdings haben Saudi-Arabien, die VAE und Bahrain im Juni 2017 einen vollständigen Boykott Katars beschlossen – wegen angeblicher Terrorfinanzierung durch das kleine Emirat.

Stadien, die die Anforderungen für eine WM mit 48 Teilnehmern erfüllen, hat die Fifa indes nur in den VAE (zwei), Kuwait (eins), sowie in Saudi-Arabien (eins) gefunden. Allerdings sind bloß Kuwait und Oman im Katar-Konflikt neutral eingestellt.

Infantino hilft Saudi-Arabien

Infantino soll vor allem Saudi-Arabien als Partner für eine Austragung der WM 2022 favorisieren – laut den Enthüllungen von „Football Leaks“ würden ihm dafür auch enorme Gelder aus dem Land winken. 25 Milliarden Dollar sei die arabische Vormacht am Golf demnach bereit, in eine Fifa Nations League, eine Klub-WM und die Aufstockung der Weltmeisterschaft 2022 zu investieren.

Daneben hatte laut einem Bericht des Londoner „Guardian“ einer weltbesten PR-Gurus, Lynton Crosby und seiner Lobbyfirma CTF Partners, für 6,4 Millionen Dollar eine Kampagne gegen Katar angeboten. Diese „Projekt Ball“ genannte Operation sollte Katar als Terrorstaat diskreditieren und eine Neuvergabe der WM 2022 erreichen.

Das neu erweckte saudische Interesse an Fußball und die Öffnung der Stadien für Frauen ist natürlich zu begrüßen. Und wegen massiver Korruptionsvorwürfe wegen der Vergabe der WM 2022 an Katar und der späteren Verschiebung der Austragung in die Vorweihnachtszeit, erntet der kleine Wüstenstaat ohnehin wenig Mitleid. Und natürlich hat Infantilo recht, wenn er – ebenfalls im „Guardian“ – darauf hinweist, dass Sport viel über Politik hinaus erreichen kann, auch Bewegung in Richtung Aussöhnung.

Die Rolle des Sports für Friedensmissionen ist begrenzt

Doch dann hätte die Fifa diese Ambitionen jetzt auch klar formulieren müssen: Mit Fußball die bestehende Blockade aufbrechen, den Mittleren Osten einen und die zerstrittenen Staaten wieder zu einen. Eine solche Bedingung und Mission wäre einen Versuch wert. Allein der Geruch schmutzigen Geldes ist zu stark. Infantilo geht es um Milliardendeals, nicht um Menschenrechte und Aussöhnung.

Und die Rolle des Sports ist zudem begrenzt: Während die Winter-Olympiade in der russischen Schwarzmeer-Metropole Sotschi lief, ließ Präsident Waldimir Putin bereits die Annexion der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel durch seine Soldaten vorbereiten.

Offiziell sollen ja auch nur während der Spiele die Waffen schweigen, könnte man zynisch hinzufügen. Aber in Wirklichkeit offenbart sich damit, dass die entstandene allzu große Nähe von Fifa und IOC zu Autokraten wie Putin oder dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman von großem Übel ist.

Vor allem, wenn man sieht, wie wenig sich Saudi-Arabien um Sportrecht schert. Kurz nach der Blockade begann eine private Firma im Königreich damit, die Sportübertragungen des katarischen Sportrechteinhabers BeIn von Satelliten abzufangen und als Piratensender auszustrahlen. Bis heute ist dieser Rechtsbruch nicht behoben.

Im Gegenteil: Selbst wenn man in ein Hotel der französischen Accor-Kette – an der auch der saudische Milliardär Prinz Alwaleed bin Talal Al Saud beteiligt ist – in Saudi-Arabiens Ölmetropole Dammam kommt, findet man im dortigen Fernsehnetz mehrere Sender von BeOutQ Sports – jenem Piratensender, der die Übertragungen von BeIn Sports rechtswidrig ausstrahlt.

Zudem wird jetzt auch die Asian Football Confederation (AFC) verklagt. Der Verband, der von einem Fußball-Funktionär aus dem bahrainischen Königshaus geführt wird, soll auf seiner Website saudische Fußballspiele gestreamt haben, für die BeIn die Übertragungsrechte in Millionenhöhe gekauft hatte.

Von den 400 Millionen Dollar, die sich die Fifa durch eine Aufstockung der WM-Teams für 2022 erhofft, sollen laut ihrer internen Studie übrigens 121,8 Millionen durch Sportübertragungsrechte kommen – wie allerdings soll das bei Ländern wie Saudi-Arabien funktionieren, wo Piraterie stattfindet, wenn sie politisch opportun ist?

Der europäische Fußballverband Uefa, die Deutsche Fußballliga, Spaniens La Liga und andere hatten im Juni 2018 ein Ende des Rechtsbruchs namens BeOutQ, dem saudischen Sport-Piratensender, gefordert. Die Fifa wiederum erweist den nationalen Ligen und den Europäern mit ihrer Entscheidung von Miami zur Erweiterung des Teilnehmerfeldes für die WM 2022 nun einen erneuten Bärendienst.

Denn verlässliche Partner im Sport sind Saudi-Arabien, Bahrain und die VAE nicht. Ihr Ringen ist rein politisch motiviert: Katar den Titel als erstem Austragenden einer Fußball-WM in der arabischen Welt zu nehmen.

Da dürfen sich DFB und Bundesliga nicht zu Mittätern machen, so unsympathisch einem Katar auch sein mag. Wieso lässt sich der DFB, aber vor allem Sponsoren wie Adidas gefallen, ständig mit einer zutiefst korrupten Institution wie der Fifa zu arbeiten? Das ist ein enormes Reputationsrisiko. In der Unternehmenswelt würden sie in Zeiten von Compliance Vertragspartner wie die Fifa nicht mit der Kneifzange anfassen.

Es ist Zeit, sich Infantino entgegenzustellen und die Korruption in der Fifa zu beenden. Sonst macht sich der Westen völlig unglaubwürdig. Und eine jetzt erfolgende Politisierung des Fußballs sollte auch dringend vermieden werden, wenn Sport irgendwie noch weiter als Brückenbauer taugen soll.

Geld schießt doch Tore. Denn diese ebenso berüchtigte wie bezweifelte Weisheit im Fußball wird jetzt leider wieder bewiesen. Anders jedenfalls kämen Saudi-Arabien und andere jetzt nicht ins Geschäft. Im Juni soll die endgültige Entscheidung auf dem Fifa-Kongress in Paris fallen. Zeit, zur Vernunft zu kommen und der Korruption im Weltsport entschlossen den Riegel vorzuschieben.

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