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Fußball-WM in Katar Ex-Uefa-Boss Michel Platini wegen Korruptionsverdacht festgenommen

Gegen den Franzosen wird offenbar seit 2016 wegen der Vergabe der Fußball-WM 2022 nach Katar ermittelt. Aktuell befindet sich Platini sich in Haft.
Update: 18.06.2019 - 13:17 Uhr Kommentieren
Der ehemalige Uefa-Chef wurde offenbar wegen Korruptionsverdacht festgenommen. Quelle: dpa
Michel Platini

Der ehemalige Uefa-Chef wurde offenbar wegen Korruptionsverdacht festgenommen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der ehemalige Uefa-Präsident Michel Platini ist in Polizeigewahrsam genommen worden. Das bestätigten Justizkreise der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag in Paris. Zuvor hatten französische Medien darüber berichtet. Eine offizielle Bestätigung der Behörden steht bisher aus.

Hintergrund sind Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit der Vergabe der Fußballweltmeisterschaft 2022 nach Katar. Wegen des Verdachts der Bestechung wird bereits seit Jahren von verschiedenen internationalen Behörden und Verbänden in der Sache ermittelt. Der 63-jährige Fußballer und Fußballfunktionär soll bereits im Dezember 2017 als Zeuge im seit 2016 laufenden Verfahren ausgesagt haben.

Über eine Verschiebung der Turniervergabe wird seit langem spekuliert. Ende 2010 waren erstmalig zwei Weltmeisterschaften auf einmal zugeteilt worden. Völlig überraschend gingen die Weltmeisterschaften nach Russland (2018) und ins abgelegene, bevölkerungsarme und fußballerisch unterentwickelte Emirat Katar (2022).

Der offen geäußerte Verdacht: Das durch Öl und Gas reich gewordene Königreich hat sich die Stimmen erkauft. Katar wird wegen der als sklavenhaft beschriebenen Ausbeutung von Arbeitskräften bei der Errichtung der bisher nicht vorhandenen sportlichen Infrastruktur kritisiert. Zudem kann in dem Wüstenstaat das Turnier nur im Winter abgehalten werden.

Bewahrheiten sich die Details, erhärtet sich dieser Verdacht nicht nur, der Skandal nähme weit größere Züge an. Denn Ursprung der Korruptionsvorwürfe ist demnach ein Treffen Platinis mit dem damaligen französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy und dem Emir von Katar sowie dem damals amtierenden Premierminister Katars, Hamad Ben Jassem, im Élysée-Palast in Paris. Die Berichte berufen sich auf Justizkreise, wonach diesbezüglich auch Claude Guéant, früherer Generalsekretär des Elysée-Palasts, vernommen wird.

Mutmaßlicher Inhalt des Gesprächs: der Verkauf des Hauptstadtklubs Paris Saint-Germain an den katarischen Staatsfonds. Im Gegenzug soll Platini demnach bei der Abstimmung im Dezember 2010 für die nötige Unterstützung gesorgt haben.

Der ehemalige Spitzenstürmer Platini war von 2007 bis 2016 Präsident der europäischen Uefa, des mächtigsten Kontinentalverbands innerhalb des Weltfußballverbands Fifa. Schon seine Kampfkandidatur gegen den Schweden Lennart Johansson wurde von der Kritik begleitet, sich die Stimmen der osteuropäischen Mitgliedsverbände durch großzügige Versprechen gesichert zu haben. Eine Praktik, der sich auch der langjährige Fifa-Chef Sepp Blatter oft bedient hat.

Komplexe Ermittlungen

2015 wurden Platini und Blatter nach langen externen und internen Ermittlungen von der Ethikkommission der Fifa vorläufig gesperrt. Offizieller Grund war eine fragwürdige Zahlung über zwei Millionen Schweizer Franken, die er 2011 von Blatter erhalten hatte. Laut Blatter und Platini handelte es sich um eine verspätete Honorarzahlung für Platinis FIFA-Arbeit in den Jahren 1998 bis 2002.

Der Franzose wurde schließlich zunächst auf acht Jahre von allen Ämtern ausgeschlossen, dann wurde die Sperre jedoch reduziert. Platini klagte noch 2018 vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte auf Rehabilitation. Es ginge ihm um die Ehre, sagte er damals. Im Oktober 2019 würde der Bann offiziell auslaufen.

Schon 2010 hatte die „Sunday Times“ mit einer Enthüllungsgeschichte Korruptionspraktiken bei der WM-Vergabe 2010 ans Licht gebracht. Zwei Mitglieder des entscheidenden Fifa-Exekutivkomitees gingen auf vorgetäuschte Geldangebote der Reporter ein. Der Fall löste weite Ermittlungen aus. Die Fifa-Ethikkommission wurde umfassend umstrukturiert und unabhängiger gestaltet. Etliche Fifa-Funktionäre mussten im Zuge des Verfahrens zurücktreten und wurden gesperrt.

Hier soll Michel Platini inhaftiert worden sein. Quelle: Reuters
Polizeiwache in Nanterre

Hier soll Michel Platini inhaftiert worden sein.

(Foto: Reuters)

Dennoch veröffentlichte der Verband vom Abschlussbericht des Chefermittlers Michael J. Garcia nur eine gekürzte Fassung, worauf Garcia unter Protesten zurücktrat. 2017 veröffentlichte die Fifa schließlich das ganze Papier, nachdem mehreren Medien das Dokument zugespielt worden war.

Platini, der maßgeblich von Blatter gefördert wurde, lieferte sich kurz vor der Suspendierung beider Funktionäre eine offene Fehde mit seinem Schweizer Protegé. Der Franzose brachte sich mit starker Kritik als Blatter-Nachfolger in Position, was dem Fifa-Präsidenten merklich missfiel. Beide bekräftigen bis heute, nichts Falsches getan zu haben.

Wegen der WM-Vergaben ermittelte unter anderem auch das US-amerikanische FBI. Inzwischen sind alle Weltmeisterschaften von 2006 bis 2022 von Korruptionsvorwürfen oder -enthüllungen betroffen. Die Vergabe der WM 2026 in die USA und Kanada ist bisher noch unbelastet.

Mehr: Chef von Tuchel-Klub Paris St. Germain wird der Korruption verdächtigt. Der Präsident des französischen Fußballmeisters soll versucht haben, die Leichtathletik-WM 2017 zu „kaufen“. Es geht um eine mögliche Millionenzahlung.

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