G20-Gipfel „Da rollt ein Feuerball auf uns zu“

Beim G20-Gipfel in Seoul könnte es zum offenen Konflikt zwischen Ländern mit Handelsüberschuss und solchen mit Handelsdefizit kommen. Wie die Länder die Herausforderung Währungskonflikt meistern können und worin für die Streitpartner die Hausaufgaben bestehen.
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Internationale Experten nehmen Stellung zu den Gefahren und Chancen des G20-Gipfels und des Währungskrieges. Quelle: dpa

Internationale Experten nehmen Stellung zu den Gefahren und Chancen des G20-Gipfels und des Währungskrieges.

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PEKING. Zhang Yansheng ist als Leiter des Instituts für Internationale Wirtschaftsforschung der Entwicklungs- und Reformkommission einer der einflussreichsten Ökonomen der Volksrepublik. Er nimmt vor allem zu den Gefahren Stellung, die aus den USA drohen:

"Wenn es bei der G20 zum offenen Konflikt zwischen Ländern mit Handelsüberschuss und solchen mit Handelsdefizit kommt, stehen uns schwierige Zeiten bevor. Viele hier halten bereits die aktuelle US-Politik für sehr schlecht, den Markt mit Geld zu überschwemmen. Das zielt darauf ab, die eigene Krise auf andere Länder abzuwälzen.

Eine lockere US-Geldpolitik müssen wir von zwei Seiten betrachten: Es gibt im Westen Länder, die von der Finanzkrise schwer betroffen sind. Ihnen droht Deflation. Sie werden den Weg niedriger Zinsen und einer Abwertung ihrer Währung wählen, um den Export zu stimulieren. Dagegen gibt es andere Länder wie China, die bereits unter Inflation leiden und ihren Leitzins erhöhen. Sie werten ihre Währung bereits auf. Meiner Meinung nach sind wir nun der Gefahr ausgesetzt, dass billige Liquidität wie ein großer Feuerball auf unser Land zurollt und eine Blase auslöst. Sollte dieser Feuerball China treffen und platzen, dann würde mit uns geschehen, was 1990 mit Japan geschah. Chinas Wirtschaft würde zehn bis 15 Jahre lang stagnieren. Wir wünschen uns daher, dass die G20 in vier Bereichen Fortschritte macht: der globalen makroökonomischen Regulierung, der Reform der Finanz- und Devisensysteme, beim Ausgleich der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Differenzen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern sowie bei der Öffnung für Handel und Investitionen.

Den Vorschlag von Weltbank-Chef Robert Zoellick, einen neuen Goldstandard einzuführen, halte ich für sehr gut. Wie wir wissen, hat es in der Geschichte zwei große Zeiten des Wirtschaftswachstums gegeben: von 1870 bis 1913 und von 1950 bis 1973. Die erste Periode war die des Goldstandards, während der zweiten galt das System von Bretton Woods. Beide Systeme haben Prosperität und Stabilität gewährleistet. Daher bin ich mit dem Vorschlag einverstanden, ein kooperatives Währungssystem einzurichten und auf das Dollar-Monopol zu verzichten. Wenn weltweit nur eine Währung dominiert, sind Systemrisiken programmiert. Ein System mit mehreren starken Währungen kann dagegen Risiken und Krisen besser abwehren."

Aufgezeichnet von Finn Mayer-Kuckuk, Peking

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5 Kommentare zu "G20-Gipfel: „Da rollt ein Feuerball auf uns zu“"

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  • Oder wieweit und wie oft können Staaten, Wirtschaften und Menschen solche Krisen wegstecken?

  • im Jahre 2001 wurden Türme des World-Trade-Center gesprengt. Den schwarzen Peter schob man Stunden später den Moslems in die Schuhe.
    Was passierte dann?
    Die Kriege in Zentralasien wurden begonnen. Der Goldpreis erwachte aus seinem Dornröschenschlaf. Die inflation ebenso. Mit der Finanzkrise kamen die bankenbailouts. Auf Deusch: Geld wird in Massen gedruckt. Der Goldpreis steigt weiter. Die inflation steigt weiter. Die Kriege gehen weiter (werden mit frisch gedruckten Dollars bezahlt). Verunft? Fehlanzeige. Es wird wohl kommen, wie immer: Geld drucken, bis nix mehr geht. Dann der Reset mit Neubeginn. Die Schuldigen an der Situation werden dann wieder obenauf sitzen, weil sie jetzt schon mit den bald wertlosen Papiergeld Rohstoffe, Firmen, Edelmetalle, Grundstücke etc. kaufen. Der kleine Mann, der bis zuletzt an den Staat und an die banken glaubt, wird wieder mal der Gelackmeierte sein.

  • ich habe schon an der einen und anderen Stelle über die Grenzen des Wachstums gesprochen und wir sind genau an diesem Punkt. Die Probleme der Weltwirtschaft sind so komplex und so ernst, dass sie sich nicht auf diesem Gipfel werden lösen lassen. Weder auf diesem noch auf dem nächsten.

    in Zeiten wie diesen schaut jeder aus sich selbst und die interessen der Länder werden über die interessen der Weltgemeinschaft gestellt. Egal was auf diesem Gipfel beschlossen oder nicht beschlossen wird, in der Realität wird es sowieso anders kommen. Denn die Probleme sind struktureller Art und nicht mittelfristig lösbar. Hier stehen komplette Wirtschaftskonzepte und Wohlstand ganzer Nationen auf dem Spiel.
    Wir befinden uns an einem großen Wendepunkt und unabhängig von irgendwelchem Gelabber der Wirtschaftsweisen werden wir über die nächsten Jahre und Jahrzehnte keine solch hohen Wachstumsraten der Wirtschaft wie in der Vergangenheit mehr erleben, denn das wird nicht ohne Konflikte auf weltpolitischer Ebene möglich sein. Grenzenloser Wachstum ist nur auf Kosten anderer möglich, doch das werden sich die starken bzw. aufstrebenden Nationen nicht gefallen lassen. Und China erst recht nicht. Die Situation ist dermaßen angespannt, dass man schon den Rauch in der Luft spüren kann. ist nur eine Frage der Zeit, bis das Feuer einen Flächenbrand entfacht. Die Fronten und Differenzen und Vorstellungen sind zu groß und jeder beharrt auf seinem Recht. Nicht gerade die beste Ausgangslage. Selbst Kompromisse werden schwierig umzusetzen sein.

    Wenn wir aus dieser Sackgasse ohne einen Weltkrieg rauskommen, können wir uns glücklich schätzen.

  • Der Elan der wichtigsten Wirtschaftsnationen dieser Erde darf jetzt nicht nachlassen, der Finanzwelt feste Regeln zu geben. Die Krise darf sich nicht wiederholen. Diese einfache Erkenntnis sollte auch jetzt beim Treffen der G 20 allen Teilnehmern vor Augen stehen, so wie uns Deutschen und Europäern: http://bit.ly/c6Lqp8

  • @ Deflation nicht nur die USA auch der Deutsche zahlt weiter,eben bis nichts mehr geht,der Mehltau breitet sich aus und lehmt uns keine Steuerungs möglichkeit,die verfehlte politik der vergangenheit treibt uns nun in den Abgrund zeitverzögert stellen wir fest die fahrt wird immer schneller und nun wir als exportweltmeister lassen uns von unseren kunden alles in Dollar bezahlenund kaufen dann die nächsten Staatsanleihen,auch mit Dollar und schon ist alles in butter.Alles was besteht hat den einen Wert das es zugrunde geht.Nun im Politischen Geschäft bezahlen immer die die Vertraut haben,die auf ehrlichkeit,aufrichtigkeit zählten man kann keinen trauen,einmal im reichtum schwelgend,geht nur noch eins es soll so bleiben für immer und nur für mich.
    China,indien,Russland,müssen doch erstaunt feststellen wie schnell nun der Abgang der einst gut funktionierenden sozialen marktwirtschaft samt manchesterkapitalismus sich verabschieden.Wir in europa werden nun wieder lernen müssen was armut heisst.Damit meine ich nicht die schon jahrelang ausgebluteten fetig gemachten Arbeitnehmer,Der erkaufte scheinbare Aufschwung fällt uns nun auf die Füsse.Nun Norbert die renten sind sicher,Ulla greift nun die wohlverdiente kohle ab,Rüttgers hat platzgemacht für ein malocher mit schwielen an den händen.Merkel ist mit sich zufrieden viele gutversorgte brauchen den euro so wird in ganz europa besser umverteilt.und dann schauen wir mal in ein paar jahren nach wer das überlebt hat.Oder woher kommt so viel Wachstum das es für alle reicht ?

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