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G20-Gipfel G20-Dinner: Tischgeplauder nicht gefragt

Beim Abendessen der Regierungschefs beim Wirtschaftsgipfel gibt es kein Tischgeplauder - in der Runde werden Interessen vertreten: Sarkozy pocht auf mehr Regulierung, Merkel fordert die Konsolidierung nach der Krise und US-Präsident Obama mahnt zu neuen Konjunkturpaketen. In der Krise ist sogar der saudische König gezwungen zu reden.
Auch Saudi Arabiens König Abdullah bricht beim G20-Gipfel sein Schweigen. Quelle: Reuters

Auch Saudi Arabiens König Abdullah bricht beim G20-Gipfel sein Schweigen.

(Foto: Reuters)

LONDON. Wenn Angela Merkel heute Abend im Buckingham Palace mit der Queen plaudert, haben Jens Weidmann und Jörg Asmussen schon anstrengende Tage hinter sich. Weidmann, Wirtschaftsberater der Kanzlerin und Sherpa bei der G20, formuliert in zähen Textverhandlungen mit seinen internationalen Kollegen die Abschlusserklärung vor, die die Staats- und Regierungschefs am Donnerstag der Weltöffentlichkeit präsentieren wollen. Eine ähnliche Funktion erfüllt Finanzstaatssekretär Asmussen, der seinem Chef Peer Steinbrück bei den parallel stattfindenden Beratungen der G20-Finanzminister zuarbeitet. Seit Monaten stecken die beiden Topberater in der Vorbereitung des Gipfels.

Wenn es richtig gut läuft, sind die Abschluss-Kommuniqués schon weitgehend fertig, bevor die Staats- und Regierungschefs sich nach dem Empfang bei der Queen zum gemeinsamen Abendessen beim britischen Premier Gordon Brown in der Downing Street 10 niederlassen.

Knifflige Detailfragen zu Finanzmarktregulierung, der prozyklischen Wirkung von Basel II oder Welthandelshürden beschäftigen die "Chefs" bei solchen Runden in der Regel nicht. Die Arbeitsfrühstücke, Mittag- und Abendessen der G20-Führer laufen eher "informell" ab, wie es in Regierungskreisen heißt. Das bedeutet, dass jeder in der Runde in seiner Tischrede die Dinge vorträgt, die ihm besonders wichtig sind. Nicolas Sarkozy etwa wird auf mehr Regulierung pochen, Merkel will für Konsolidierung nach der Krise werben und US-Präsident Barack Obama möchte seinen ersten Auftritt im Kreis der ganz mächtigen Kollegen nutzen, um Konjunkturpakete und weitere Stimulierungsmittel anzumahnen.

Gordon Brown, der Gastgeber, will vor allem den Schwellen- und Entwicklungsländern helfen. Dort kommt wegen der Krise kaum noch privates Kapital aus den Industriestaaten an, weshalb Währungsfonds, Weltbank und regionale Entwicklungsbanken von den reichen Staaten mehr Geld erhalten sollen, damit die armen Länder nachhaltiger unterstützt werden können.

Hinter Brown wird am heutigen Abend ein aufmerksamer Mensch sitzen. Er muss diskret, aber mit feinem Gespür die Punkte notieren, die von den "Chefs" in ihren Ansprachen besonders hervorgehoben werden. Während diese sich nach dem Essen zur Ruhe begeben, bricht für die Sherpas die Nachtschicht an. Ziel ist die weitgehende Übertragung der jeweiligen Chef-Punkte in die noch offenen Passagen der Abschlusserklärung. "Bei den Chefs geht es höflich zu, bei den Sherpas wird es später intensiv", sagt jemand, der schon einmal dabei war.

Wenn die Kanzlerin dann am nächsten Morgen im Excel-Konferenz-Zentrum der Londoner Docklands das über Nacht verhandelte Dokument liest, weiß sie, ob und wie stark sie sich durchgesetzt hat. "Eigentlich wird die Messe beim Abendessen gesungen", heißt es in Regierungskreisen. Der "Alptraum ist, wenn am nächsten Tag nichts davon im Dokument steht". Beim Frühstück noch nachzuverhandeln gilt als schwierig.

Allerdings sind die Gepflogenheiten bei dem zweiten G20-Gipfel auch ganz anders als etwa bei Spitzenrunden in Brüssel. Während die EU-Regierungschefs durchaus einmal selbst Textarbeit an wichtigen Dokumenten leisten, wäre das für den indischen oder chinesischen Premierminister schlicht unvorstellbar.

Doch der Druck der Krise hat auch Bewegung in kulturelle Gewohnheiten der Regierungschefs gebracht. "Das wird schon etwas interaktiver", hat man in Berlin beobachtet. Sogar der saudische König, der normalerweise nicht selbst spricht, sondern reden lässt, solange nicht mindestens ein anderer König im Raum ist, muss in London höchstpersönlich das Wort ergreifen.

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