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G20-Gipfel Trump schlägt Kim Jong Un ein spontanes Treffen vor – Nordkorea zeigt sich offen

Der G20-Gipfel ist noch nicht beendet, da twittert US-Präsident Trump schon eine Einladung an Kim in die Welt. Ob das Treffen zustande kommt, ist noch offen.
Update: 29.06.2019 - 09:06 Uhr Kommentieren
Der US-Präsident schlug dem nordkoreanischen Machthaber ein Treffen vor. Quelle: AFP
Donald Trump und Kim Jong Un

Der US-Präsident schlug dem nordkoreanischen Machthaber ein Treffen vor.

(Foto: AFP)

Osaka Die Twitter-Diplomatie von US-Präsident Donald Trump hat auf dem G20-Gipfel in Japan einen neuen Höhepunkt erreicht: Während die Welt mit Spannung darauf wartete, ob Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping ihren Handelskonflikt beilegen könnten, lud der US-Präsident schon Nordkoreas Führer Kim Jong Un für den nächsten Tag zu einem Treffen an der innerkoreanischen Grenze ein.

Nach vielen wichtigen Treffen werde er Japan verlassen, um Südkoreas Präsident Moon Jae-in zu treffen, twitterte Trump um 7.51 Uhr Ortszeit. An Kim gerichtet schrieb er weiter, dass er ihn gerne an der Grenze treffen wurde – und wenn es nur darum ginge „seine Hand zu schütteln und Hallo zu sagen (?)!“.

Nordkorea jedenfalls zeigt sich offen für eine Zusammenkunft. Pjöngjang sehe dies als „sehr interessanten Vorschlag“, wurde Vizeministerin Choe Son Hui am Samstag von Nordkoreas Staatsmedien zitiert. Sie sei der Ansicht, ein von Trump beabsichtigtes Gipfeltreffen an der Grenze könne eine weitere bedeutungsvolle Gelegenheit sein, die persönlichen Beziehungen zwischen Kim und dem US-Präsidenten zu vertiefen.

Die Verhandlungen über ein Treffen laufen schon länger, seit Kim im Juni einen Brief geschickt und Trump mit einem eigenen geantwortet hatte. Allerdings ist nicht bekannt, wie weit die Gespräche vorangekommen waren. Wenn Kim nun die öffentliche Einladung annähme, wäre es das erste Treffen der beiden Kontrahenten nach ihrer gescheiterten zweiten Runde im Atompoker, die im Februar in Vietnam ergebnislos zu Ende ging.

Trump erklärte Reportern zwar später, dass es sich wirklich nur um eine kurze Stippvisite handeln würde. „Wenn er da ist, werden wir uns für zwei Minuten sehen“, betonte Trump. „Das ist alles, was wir tun können.“ Aber Trump könnte der erste amtierende US-Präsident sein, der nordkoreanischen Boden betritt. Bisher hatten mit Jimmy Carter im Jahr 1994 und Bill Clinton im Jahr 2009 nur ehemalige US-Präsidenten Pjöngjang besucht. Und im gemeinsamen Grenzort Panmujom bedarf es nur eines Schrittes über eine niedrige Steinschwelle, um Weltgeschichte zu schreiben.

Aber der Einsatz ist hoch. Schon das Gipfeltreffen mit Südkoreas Präsident Moon galt als Versuch, die festgefahrenen Atomverhandlungen wieder in Schwung zu bringen. Moon hatte sich in der Vergangenheit schon öfter als Mediator bewährt, der Trump und Kim nach Störungen wieder an den Verhandlungstisch zurückgebracht hat. Nun könnte er für seine Hilfe mit einem Trump-Kim-Gipfel auf koreanischem Boden belohnt werden.

Offen bleibt allerdings, wo die Kompromisslinien liegen könnten. Unter Experten gilt es als ausgemacht, dass Nordkorea niemals, wie bisher von den USA verlangt, alle Atomwaffen aufgeben würde. Zu sehr schätzt das Regime die Drohung mit dem nuklearen Fegefeuer als Sicherheit gegen Angriffe oder Sturzversuche der Führung.

Der Konflikt brach offen auf dem Treffen in Vietnam aus. Nordkorea versuchte, für Gesten wie der Sprengung seines Atomtestzentrums den USA Konzessionen abzuringen, etwa eine schrittweise Lockerung der Sanktionen, die Nordkoreas ohnehin marode Wirtschaft schwer treffen. Trump bestand auf einem großen Wurf. Der Gipfel ging ergebnislos zu Ende.

Nordkorea-Experten sind geteilter Meinung über Trumps spontane Gipfeldiplomatie. John Delury, Professor an der südkoreanischen Yonsei-Universität, meint, das Treffen könnte helfen, wie von Trump gewünscht „neue Beziehungen“ zu etablieren. „Um wirkliche Fortschritte auf dem Weg zu einer Denuklearisierung zu erreichen, muss man Nordkoreas das Gefühl geben, weniger bedroht, sicherer, weniger unter Belagerung und mehr willkommen in der Welt zu sein.“ Dafür müssten sich die Bedingungen im Land und außerhalb verbessern.

Andere Abrüstungsexperten sehen Trumps Vorstoß allerdings skeptisch: „Trumps erbärmliches Missmanagement hat sowohl die Verhandlungen der USA und Südkoreas an diesen Punkt gebracht“, monierte Adam Mount, Direktor des Defense Posture Project der Vereinigung amerikanischer Wissenschaftler. „Was für eine verschwendete Gelegenheit.“

Denn normalerweise sind Gipfeltreffen in der Diplomatie eine Belohnung für Fortschritte, nicht eine Gelegenheit zum Poker. In diesem Fall kommt noch hinzu, dass Kim auch von den Treffen gewinnt, wenn die Sanktionen nicht gelockert werden. Trump hat ihn mit seinen Treffen vom politischen Pariah zu einem gefragten Staatsmann verwandelt. Selbst Japans Ministerpräsident Shinzo Abe, der bisher einen extrem harten Kurs gegenüber Kim gefahren hat, will sich nun mit Nordkoreas Führer treffen.

Trump selbst rechtfertigte seine Offerten. „Offen gesagt würden wir derzeit im Krieg mit Nordkorea sein, wenn ich nicht Präsident geworden wäre“, sagte er in Osaka. Eine Äußerung, die viele Experten als Lüge erachten. Denn es war Trump, der Kim mit Krieg gedroht hatte.

Mehr: Trotz netter Briefwechsel mit dem Weißen Haus und Händeschütteln - Kim und Xi, die beiden mächtigsten Führer Asiens, haben einen gemeinsamen Gegner, und der heißt Trump.

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