G7-Krisengipfel „Russland muss für sein bisheriges Handeln bezahlen“

Erstmals seit 1998 schrumpft die Runde der acht führenden Wirtschaftsnationen der Welt auf sieben: Russland ist nicht eingeladen. Die G7 unter US-Präsident Obama kündigt „zunehmend bedeutsame“ Sanktionen an.
Update: 24.03.2014 - 21:19 Uhr 8 Kommentare
Drei Gs von insgesamt sieben: Der britische Premierminister David Cameron, US-Präsident Barack Obama, Bundeskanzlerin Angela Merkel. Quelle: ap

Drei Gs von insgesamt sieben: Der britische Premierminister David Cameron, US-Präsident Barack Obama, Bundeskanzlerin Angela Merkel.

(Foto: ap)

Den Haag/KiewWegen der Krim-Krise haben die führenden Industrienationen erstmals seit der Aufnahme Moskaus 1998 Russland aus ihrem Kreis ausgegrenzt. Als G7 anstatt als G8 kamen die Staats- und Regierungschefs unter der Regie von US-Präsident Barack Obama am Montag in Den Haag zu einem Krisentreffen zusammen.

„Wir sind einig darin, dass Russland für sein bisheriges Handeln bezahlen muss“, sagte Obama vor Beginn eines Gipfels für nukleare Sicherheit, an dessen Rand die G7-Runde stattfand. Weitergehende Sanktionen würden enorme Folgen für die russische Wirtschaft haben. Kremlchef Wladimir Putin zeigte sich unbeeindruckt und schuf auf der Krim weiter Fakten.

In einer gemeinsamen Erklärung kündigte die G7-Gruppe zugleich an, dass die G8-Gruppe unter Einschluss Russlands bis auf weiteres nicht mehr arbeiten wird. „Diese Gruppe kam wegen gemeinsamer Überzeugungen und Verantwortlichkeiten zusammen“, heißt es. „Russlands Handeln in den vergangenen Wochen ist damit nicht in Einklang zu bringen.“

„Wir setzen unsere Teilnahme in der G8 aus, bis Russland seinen Kurs ändert und das Umfeld wieder für eine sinnvolle Diskussion der G8 bereit ist“, heißt es in der Erklärung. Man sei bereit, die Sanktionen gegen Russland „einschließlich koordinierter sektoraler Sanktionen“ zu verschärfen. Dies werde „zunehmend bedeutsame Folgen für die russische Wirtschaft“ haben. Kanzlerin Merkel sagte: „Im Augenblick gibt es G8 nicht – weder als konkreten Gipfel noch als Format.“

Folgerichtig beschloss die Gruppe deshalb, den für Juni geplanten G8-Gipfel in Sotschi abzusagen. Stattdessen werden sich die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen (G7) im Juni ohne Russland in Brüssel treffen, beschloss die Runde am Montag in Den Haag nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur. Auch Reuters berichtete unter Berufung auf mehrere Diplomaten von der Absage des Gipfels.

Der Westen hatte die Vorbereitungen für den Sotschi-Gipfel bereits kurz nach der russischen Militäraktion auf der Krim ausgesetzt. Zu den G7 gehören die USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan und Kanada. Russland wurde nicht nach Den Haag eingeladen.

Auch der britische Premier Cameron schloss einen G8-Gipfel mit Russland aus. Der stellvertretende US-Sicherheitsberater Ben Rhodes sagte, für die G7-Länder gebe es keine Grundlage für die Zusammenarbeit mit Russland, solange es das Völkerrecht verletze. Nach Diplomaten-Angaben sollte es am Abend eine Erklärung der G7 geben, in der das russische Vorgehen verurteilt und Moskau vor weiteren Militäraktionen gewarnt wird. Beschlüsse über neue Sanktionen gegen Russland wurden nicht erwartet.

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8 Kommentare zu "G7-Krisengipfel: „Russland muss für sein bisheriges Handeln bezahlen“"

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  • Man sollte die Geschichte der Sieger- bzw. Besatzer-Versionen nicht unreflektiert pausenlos wiederholen. Dadurch steigt der Wahrheitsgehalt nicht zwangsläufig an.
    Aber: Das was hier und heute und jetzt die NATO (also USA bzw. EUdSSR) veranstalten, ist IMPERIALISMUS PUR!!!
    Ich schäm' mich für meine Regierung (die ich nicht gewählt hab).

  • 19 Millionen Tote haben die Deutschen im 2. Weltkrieg auf sowjetischer Seite hinterlassen, die allermeisten davon Russen, und jetzt sind unsere schon wieder mit dabei.

  • Es wäre schön, hätte das HB mal die Meinung Chinas herausgearbeitet. Davon liest man leider nix. Stattdessen liest man nur, was die Amerikaner und ihr Anhängsel Merkel so von sich geben. Schade.

  • Russland wird die Nichteinladung zum G8-Treffen überleben.

    Man wird sehen, wie Russland langfristig reagiert. Ich denke, es wird eine Kombination von vielen Schritten gehen, als da wären z.B.:

    Verstärkung der Zusammenarbeit im Rahmen der BRICS-Staaten, vieleicht sogar mit dem Format entsprechender Gipfeltreffen.

    Erschließung von China als wachsendem Absatzmarkt für seine Energieexporte

    Weitere Schritte auf dem Weg zum Ersatz des US-Dollars als einziger Rohstoffwährung der Welt.

    Modernisierung der eigenen Wirtschaft und Industrie aus eigener Kraft, angeschoben durch den neuen Elan und das gestärkte Nationalbewusstsein, mit denen Russland aus der Krise hervorgehen wird.

    Da Russland jedoch im Gegensatz zum imperialistisch ausgerichteten Westen, der nicht anderes im Sinn hat, als das Ziel, das "Imperium Amerikanum" über die gesamte Welt auszudehnen, keineswegs die Weltherrschaft anstrebt, wird Russland die Tür zum Dialog mit dem Westen offenhalten. Darauf können wir uns verlassen, obwohl der Westen dies Tür soeben mit lautem Knall zugeschlagen hat.



  • Haha, Flashie, mal wieder keine Ahnung von Geschichte? Ansprachen an die Nation sind von dem wirklichen Handeln zu unterscheiden.

  • Fakt ist, ein demokratisch gewählter Präsident der Ukraine wurde von rechtsradikalen Schlägertruppen mit Hilfe des Westens weg geputscht, weil er sich für das günstigere russische Angebot und gegen das ungünstige EU-Assoziierungsabkommen entschieden hat.
    In der Folge wurde vom Westen eine Marionettenregierung installiert, deren 1. Aufgabe darin bestand, Russisch als Amtssprache im Osten der Ukraine zu verbieten und der rechtsradikale Mitglieder angehören.
    Wen kann es da verwundern, dass Russland die für das Land militärisch unverzichtbare Krim annektierte.
    Die Krise könnte sehr leicht gelöst werden, wenn folgende Offerte Russland von der EU und einer aus freien, fairen Wahlen hervorgegangenen ukrainischen Regierung unterbreitet würde :
    1. Die EU schließt mit der Zollunion ein Freihandelsabkommen.
    Die Ukraine unterhält dann Beziehungen sowohl zur EU wie zur Zollunion
    und kann ihre Probleme größtenteils in dieses Abkommen einbringen und so lösen.
    2. Die Ukraine erklärt sich für NEUTRAL und tritt der NATO nicht bei.
    3. Die speziellen Beziehungen der Ukraine zur Krim werden mit Russland verhandelt.

    Es bringt nichts, Wladimir Putin deshalb zu "dämonisieren", weil er unverzichtbare Sicherheitsinteressen Russlands verteidigt und NATO-Raketen von seiner "Haustür" fernhalten will, die dazu geeignet sind, wegen einer verkürzten Warnzeit die alte Regel des Atomzeitalters aus zu hebeln : Wer zuerst schießt, stirbt als Zweiter.
    Im übrigen hat diese Krise auch einen Gewinner : Die USA !!
    Lt. Mr. McCain wollen die USA "langjährig" die Versorgung der EU mit Gas sicherstellen.
    Das Freihandelsabkommen der EU mit den USA wird nun zügig abgeschlossen. Die Spionagetätigkeit der USA wird sicherlich widerspruchslos hingenommen werden und es ist natürlich notwendig, dass die Europäer gegen den "bösen Putin" mit US-amerikanischem, teurem Schießgerät aufgerüstet werden.

    Es ist an der Zeit, dass die Europäer eigene Interessen im Verhältnis zu Russland verfolgen.

  • Fakt ist, ein demokratisch gewählter Präsident der Ukraine wurde von rechtsradikalen Schlägertruppen mit Hilfe des Westens weg geputscht, weil er sich für das günstigere russische Angebot und gegen das ungünstige EU-Assoziierungsabkommen entschieden hat.
    In der Folge wurde vom Westen eine Marionettenregierung installiert, deren 1. Aufgabe darin bestand, Russisch als Amtssprache im Osten der Ukraine zu verbieten und der rechtsradikale Mitglieder angehören.
    Wen kann es da verwundern, dass Russland die für das Land militärisch unverzichtbare Krim annektierte.
    Die Krise könnte sehr leicht gelöst werden, wenn folgende Offerte Russland von der EU und einer aus freien, fairen Wahlen hervorgegangenen ukrainischen Regierung unterbreitet würde :
    1. Die EU schließt mit der Zollunion ein Freihandelsabkommen.
    Die Ukraine unterhält dann Beziehungen sowohl zur EU wie zur Zollunion
    und kann ihre Probleme größtenteils in dieses Abkommen einbringen und so lösen.
    2. Die Ukraine erklärt sich für NEUTRAL und tritt der NATO nicht bei.
    3. Die speziellen Beziehungen der Ukraine zur Krim werden mit Russland verhandelt.

    Es bringt nichts, Wladimir Putin deshalb zu "dämonisieren", weil er unverzichtbare Sicherheitsinteressen Russlands verteidigt und NATO-Raketen von seiner "Haustür" fernhalten will, die dazu geeignet sind, wegen einer verkürzten Warnzeit die alte Regel des Atomzeitalters aus zu hebeln : Wer zuerst schießt, stirbt als Zweiter.
    Im übrigen hat diese Krise auch einen Gewinner : Die USA !!
    Lt. Mr. McCain wollen die USA "langjährig" die Versorgung der EU mit Gas sicherstellen.
    Das Freihandelsabkommen der EU mit den USA wird nun zügig abgeschlossen. Die Spionagetätigkeit der USA wird sicherlich widerspruchslos hingenommen werden und es ist natürlich notwendig, dass die Europäer gegen den "bösen Putin" mit US-amerikanischem, teurem Schießgerät aufgerüstet werden.

    Es ist an der Zeit, dass die Europäer eigene Interessen im Verhältnis zu Russland verfolgen.

  • Obama ist ein Weichei. Bush und Reagan hätte keine Sekunde gezögert, und den völlig durch geknallten Russen mit allen zur Verfügung stehenden militärischen Mitteln in die Schranken gewiesen. So einfach ist das. Over and out !

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