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G7-Treffen G7-Gegner in Kanada wollen La Malbaie „zum letzten G7-Gipfel machen“

In Kanada sammeln sich die Protestgruppen, um gegen das G7-Treffen zu demonstrieren. Ein Sicherheitszaun und die „rote Zone“ schützen das Tagungshotel.
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Das Luxushotel im kanadischen La Malbaie ist Austragungsort des G7-Treffens 2018. Quelle: dpa
Manoir Richelieu

Das Luxushotel im kanadischen La Malbaie ist Austragungsort des G7-Treffens 2018.

(Foto: dpa)

Quebec/La MalbaieSicherheitszaun und „rote Zone“ in La Malbaie, Demonstrationen in Quebec – auch der G7-Gipfel in der kanadischen Charlevoix-Region am Freitag und Samstag wird von Protesten begleitet werden. Zentrum des Protests wird die Stadt Quebec sein, die etwa 140 Kilometer vom Tagungsort entfernt ist. In Quebec wird die internationale Presse sitzen, die über den Gipfel berichten wird.

Wie viele Demonstranten nach Quebec kommen werden, darüber liegen keine offiziellen Schätzungen vor. Mehrere Protestveranstaltungen sind geplant, die Organisationen erwarten zwischen mehreren Hundert Teilnehmern bis zu mehr als tausend.

Gewiss ist, dass ein großes Kontingent an Sicherheitskräften bereitstehen wird. Etwa zwei Drittel des G7-Budgets in Höhe von 600 Millionen kanadischen Dollar, also etwa 400 Millionen US-Dollar oder rund 270 Millionen Euro, sind für die Sicherheitsmaßnahmen eingeplant. Die Bundespolizei RCMP stellt rund 3000 Polizisten bereit, hinzu kommt die Provinzpolizei Surete du Quebec und Militär. In Presseberichten ist von insgesamt mehr als 9000 Sicherheitskräften die Rede.

Zahlreiche Gruppierungen und Organisationen haben sich zu einem „Anti-G7-Bündnis“ zusammengeschlossen. Dazu gehört der kanadaweit aktive „Council of Canadians“. „G7-Gipfel werden genutzt, um Freihandelsverträge zu fördern, die gegen das öffentliche Interesse sind, die Rechte indigener Völker und von Arbeitern verletzen und die die neoliberale Agenda von Steuerreduzierung, Deregulierung und Privatisierung vorantreiben“, erklärt der Council.

Eine Onlinepetition „Make this the last G7 summit“ – „Macht dies zum letzten G7-Gipfel“ – wurde am Dienstagabend gestartet. Darin wird ein Ende der nach Ansicht der Initiatoren zu teuren Gipfel gefordert. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen solle der Schauplatz solcher Debatten sein, nicht ein rotierender Gipfel. Die Petition fordert dazu auf, die G7-Gipfel zu beenden.

Bereits am Donnerstagabend soll in der Stadt Quebec ein Protestmarsch stattfinden. Massivere Störungen des Verkehrs sollen dann am Freitag stattfinden. Für Samstag sind in der Nähe des Parlaments der Provinz Quebec Diskussionsforen und Protestaktionen sowie zum Abschluss eine „Anti G7-Comedy-Show“ geplant.

Parlament stellt die Arbeit ein – Kritik von der Opposition

Quebecs regierende liberale Partei hat angesichts der erwarteten Proteste beschlossen, die Arbeit des Parlaments am Donnerstagnachmittag einzustellen und die Freitagsitzung abzusagen. Ein Oppositionsabgeordneter kritisierte diese Entscheidung. „Es ist so, als ob die Nationalversammlung Angst vor dem eigenen Volk hat“, rügte er.

Bewohner in der Innenstadt von Quebec sehen den Protesten mit gemischten Gefühlen entgegen. „Wir wissen alle, was 2001 passierte“, sagt Marc-Antoine Doré, Geschäftsinhaber in Alt-Quebec, dem historischen Stadtzentrum.

Damals fand in Quebec der Amerika-Gipfel mit US-Präsident George W. Bush statt. Die Stadt wurde mit einem Zaun abgeriegelt, aber der Zaun zog Demonstranten an. Tränengasnebel lag über der Altstadt, und es gab hässliche Konfrontationen zwischen Polizei und Demonstranten. Einige Geschäftsinhaber bereiten sich darauf vor, die Schaufenster ihrer Betriebe mit Spanplatten zu schützen, sollte die Lage eskalieren.

In Malbaie wurde rund um das Hotel Fairmont Le Manoir Richelieu, in dem die G7-Regierungschefs von Freitagvormittag bis Samstagnachmittag tagen werden, ein drei bis vier Meter hoher Zaun gezogen. Der Nahbereich um das Hotel wurde zur „roten Zone“ erklärt, die nur autorisierte Personen – die Regierungschefs und ihre Mitarbeiter, Polizei und Hotelmitarbeiter – betreten dürfen.

In der „roten Zone“ unterhalb des Hotels liegt ein einziges Wohnhaus. Dessen Eigentümer, die Familie Tremblay, mussten eine Sicherheitsüberprüfung über sich ergehen lassen, um in ihrem Haus bleiben zu dürfen, schreibt die „Montreal Gazette“. Für Einkäufe müssen Rosaire Tremblay und seine Frau Sicherheitskontrollen passieren.

Tremblays positive Einstellung zum Gipfel schmälert das nicht: „Das ist das Beste, was La Malbaie passieren konnte. Seht euch diese landschaftliche Schönheit an“, sagt Tremblay und meint damit den Blick auf den St.-Lorenz-Strom und die Charelevoix-Berge. „Journalisten werden diese Bilder verbreiten.“

Dass La Malbaie gewählt wurde, hat sicher auch damit zu tun, dass nur maximal drei Straßen in die Gemeinde führen, die leicht kontrolliert werden können. Auf eine totale Abriegelung wurde aber verzichtet. In der Nähe des Museums von La Malbaie, höchstens zwei Kilometer vom Tagungshotel entfernt, wurde eine Demonstrationszone eingerichtet, in der Proteste stattfinden können. Auch für eine ausreichende Anzahl an Toilettenhäuschen wurde gesorgt.

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