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Gabriel Felbermayr IfW-Chef: „Es geht um die Weltherrschaft“

IfW-Chef Felbermayr fürchtet, dass der Handelsstreit die Weltpolitik langfristig prägen wird. Europa empfiehlt er, enger mit anderen Ländern zu kooperieren.
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Es geht um mehr als nur wirtschaftliche Interessen. Quelle: dpa
Konjunktur

Es geht um mehr als nur wirtschaftliche Interessen.

(Foto: dpa)

Berlin Gabriel Felbermayr, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, erwartet, dass die Beziehung zwischen den USA und China konfliktbeladen bleiben wird. „Die Tatsache, dass nicht einmal ein Waffenstillstand bei Zöllen möglich gewesen ist, weist auf viel grundlegendere Probleme hin“, sagte Felbermayr im Handelsblatt-Interview.

Er geht davon aus, dass der US-chinesische Konflikt die Weltpolitik des nächsten Jahrzehnts beherrschen wird. „Und zwar auf allen Ebenen, nicht nur im Handel, sondern womöglich auch militärisch. Es geht um die Weltherrschaft“, sagte er. Die Europäer sollten sich zumindest mit Blick auf den Handel viel stärker auf ihre eigenen Stärken besinnen. „Mit den USA und China liegen genau zwei der 164 Mitgliedstaaten der Welthandelsorganisation WTO in Streit“, stellte er fest.

Der Rest der Welt sei groß genug, und Europa sollte darin die „Rolle eines Protektors der multilateralen Weltordnung“ einnehmen. Allerdings nicht wie bisher nur als Lippenbekenntnis. „Wir sollten in Europa auf jegliche Abschottung verzichten und Ideen, wie den Schutz globaler Champions nicht weiterverfolgen“, mahnte er. Europa mit seiner exportstarken Wirtschaft habe ein hohes Interesse an offenen Märkten.

Weil China mehr in die USA exportiere, als die USA umgekehrt nach China, sind nach seinen Berechnungen die kurzfristigen Wohlstandsverluste für China mit 30,4 Milliarden Euro größer, sollte Trump seine Drohung umsetzen und auch China auf alle Importe Strafzölle von 25 Prozent erheben.

Die USA würden 9,5 Milliarden Euro Verlust erleiden, die Europäer 0,9 Milliarden Euro gewinnen.  Die langfristigen politischen Schäden dürften für Trump aber wesentlich größer sein: Wenn China Zölle auf Landwirtschaftsprodukte erheben würde, träfe dies die US-Farmer, viele von ihnen Trump-Wähler, hart, meinte Felbermayr.

Lesen Sie hier das vollständige Interview:

Herr Felbermayr, was bedeutet die neuerliche Verschärfung des Handelskonflikts zwischen den USA und China für Europa?
Es bedeutet zunächst einmal weitere Unsicherheit. Viele hatten ja schon auf einen Waffenstillstand zwischen den USA und China gehofft. Der ist nun offenbar viel schwieriger zu erreichen, als wir gedacht hatten. Die chinesische Regierung ist nun erst einmal verärgert. Und wie es weiter geht, ist unklar.

Die Unsicherheit ist ohnehin die größte Belastung für die Weltkonjunktur, seit Donald Trump US-Präsident ist. Verschärft sich das Problem jetzt bis hin zum Rezessionsrisiko?
Ich denke eher, dass das Risiko Trump an den Märkten inzwischen großenteils eingepreist ist. Die Investoren dort sind ja nicht naiv. Gefährlicher ist, dass die grundsätzlichen Probleme zwischen den USA und China offenbar viel tiefer liegen, als es der reine Zollstreit zeigte.

Worin besteht der eigentliche Konflikt?
Ich denke, dass Trump sehr gerne am Freitag einen Erfolg im Handelskonflikt vorgezeigt hätte. Aber die chinesische Seite wollte ihm offenbar nicht geben, was er wollte; also faire Bedingungen für den Technologietransfer und besseren Marktzugang für US-Produkte. Hinzu kommt schweres Misstrauen in den USA gegenüber China. Der Sicherheitsapparat und auch eine parteiübergreifende Mehrheit im Kongress sieht China als Weltmacht-Konkurrenz, die es zurückzudrängen gilt. Die Tatsache, dass nicht einmal ein Waffenstillstand bei Zöllen drin gewesen ist, weist auf dieses viel grundlegendere Problem.

Was heißt das für die Zukunft?
Wir müssen uns in Europa darauf einstellen, dass der Konflikt der Weltmächte USA und China der beherrschende Konflikt des nächsten Jahrzehnts sein wird, und zwar auf allen Ebenen, nicht nur im Handel, sondern womöglich auch militärisch. Es geht um die Weltherrschaft.

Wie kann sich Europa positionieren, um nicht zwischen den beiden Großmächten zerrieben zu werden?
Das ist eine sehr schwierige Frage. Zumindest mit Blick auf den Handel sollte Europa viel stärker eigenes Agenda-Setting betreiben. Mit den USA und China liegen genau zwei der 164 Mitgliedstaaten der Welthandelsorganisation WTO in Streit. Der Rest der Welt ist also groß genug, und Europa sollte darin die Rolle eines Protektors der multilateralen Weltordnung einnehmen. Und zwar nicht wie bisher nur als Lippenbekenntnis. Mit eigenen Importschranken sollte die EU sehr vorsichtig sein. Das sollte beim Palmöl aus Malaysia beginnen. Wir sollten in Europa auf jegliche Abschottung verzichten und Ideen, wie den Schutz globaler Champions nicht weiter verfolgen. Als großer Exporteur ist klar, wo Europas Interessen im Welthandel liegen.

Wenn Trump seine Drohung gegenüber China umsetzt: Wer hätte den größten Schaden?
Zunächst sitzt Trump da am längeren Hebel. Wenn alle Importe von beiden Seiten mit 25 Prozent Zoll belegt würden, hätten die USA einen direkten Verlust von 9,5 Milliarden Euro, China aber von 30,4 Milliarden Euro. Die Europäer könnten durch Preisvorteile kurzfristig mit 0,9 Milliarden Euro leicht gewinnen.

Also alles halb so schlimm für die USA?
Die langfristigen politischen Schäden dürften sehr viel höher sein als die kurzfristigen ökonomischen. Nicht von Ungefähr hatte Trump zunächst viele Bereiche von seinen Strafzöllen ausgenommen. Wenn nun die Landwirtschaft einbezogen wird, trifft das viele Trump-Wähler. Auch Geschäftsmodelle wie das von Walmart basieren ja auf billigen Importen aus China. Die langfristigen Kosten könnten also für Trump weitaus höher liegen als es die kurzfristigen reinen Effekte von Zöllen zeigen.

Werden die Handelsgespräche zwischen der EU und den USA jetzt ebenfalls schwieriger als erwartet?
Im Gegenteil. Ich denke, die Eskalation im Streit mit China kauft der EU erst einmal Zeit. Zwei Großkonflikte gleichzeitig zu eskalieren, wäre für Trump zu riskant, weil die Verteilungseffekte der Kosten in den USA unkalkulierbar würden. Es steigt ja auch der Druck der Wall Street auf Trump, es nicht zu übertreiben. Kurzfristig stehen die Zeichen für Europa also auf Deeskalation. Aber wir sehen ja gerade wieder, wie schnell sich Trumps Haltungen ändern können. Das zeigt auch, wie schwierig es bleiben wird, mit diesem Präsidenten zu verhandeln.

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2 Kommentare zu "Gabriel Felbermayr: IfW-Chef: „Es geht um die Weltherrschaft“"

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  • Sehr guter Artikel, danke!

    Schlussendlich wird sich Deutschland und Europa entscheiden muessen, ob sie die USA unterstuetzen wollen oder China. Und USA ist nicht Trump ist. Trump is maximal noch 5 Jahre dran.

    Man muss auf die Geschichte schauen, und was diese beiden Laender und ihre Ideologien ausmachen. Es ist eine Entscheidung zwischen Demokratie und Ein-Parteien-Diktatur, zwischen selbstbestimmtem Leben und staatlich ueberwachtem Leben. Wir entscheiden daueber in welchem System unsere Kinder und Enkelkinder in Zukunft leben werden.

  • ehr geehrte Frau Riedel,

    endlich spricht es einmal jemand aus: Bei dem Konflikt USA/China geht es nicht nur um Handelsinteressen. Die beiden Großmächte streiten sich vielmehr um die Vorherrschaft auf dem Planeten. Wir haben einen ähnlichen Streit schon einmal erlebt. Nach dem zweiten Weltkrieg, in den Jahren 1945 - 1990, gab es eine politisch-ideologiesche, wirtschaftliche Auseinandersetzung einschließlich Rüstungswettlauf und militärischer Bedrohung zwischen den USA und der UdSSR. Damals sprach man von einem "Kalten Krieg".

    Damit stellt sich sofort die Frage, wie sich Europa in dem neuen "Kalten Krieg" verhalten soll. Herr Felbermayr meint ja, es solle Protektor der multilateralen Weltordnung werden. Das wäre so eine Art von Neutralität, wie die Schweiz sie seit Jahrhunderten pflegt. Aber ob eine solche Haltung überhaupt möglich ist, ob sie von beiden Großmächten toleriert wird, müssen wir erst herausfinden. Nur zur Erinnerung: Im "Kakten Krieg USA/UdSSR" standen die europäischen Länder geschlossen an der Seite Amerikas.

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