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Gaia-X Altmaier stellt europäischen Cloud-Service vor – Mittelstand zeigt Interesse

Deutschland und Frankreich arbeiten beim Aufbau einer europäischen Cloud eng zusammen. US-Konzerne wie Microsoft warnen vor Datenprotektionismus.
28.10.2019 - 17:50 Uhr Kommentieren
Am Dienstag stellt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier in Dortmund die europäische Cloud-Lösung „Gaia-X“ vor. Quelle: imago images/Cord
Digital-Gipfel

Am Dienstag stellt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier in Dortmund die europäische Cloud-Lösung „Gaia-X“ vor.

(Foto: imago images/Cord)

Paris, Berlin Mit Alleingängen hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier schlechte Erfahrungen gemacht: Sein erster, unabgestimmter Vorstoß für eine Industriestrategie stieß auf überwiegend negative Resonanz.

Bei Altmaiers nächstem großen Projekt soll es besser werden. Der CDU-Politiker will am Dienstag auf dem Digitalgipfel in Dortmund ein Konzept für eine europäische Dateninfrastruktur präsentieren – Gaia-X nennt er es.

Wirtschaftsvertreter und Wissenschaftler hat er in die Planungen eng eingebunden. Zudem stimmt er sich seit Monaten mit seinem französischen Kollegen Bruno Le Maire über die Dateninitiative ab. Das französische Wirtschafts- und Finanzministerium sagte dem Handelsblatt, dass am Dienstag auch weitere Einzelheiten für das gemeinsame Vorgehen bekannt gegeben würden.

Europa, so die Vision von Deutschland und Frankreich, soll mit einem eigenen Cloud-Angebot digitale Souveränität erlangen – und sich von den US-Konzernen unabhängig machen, die bisher das Geschäft mit der Speicherung, Verarbeitung und Auswertung riesiger Datenmengen beherrschen.

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    Dahinter steht die Sorge, dass Gesetze wie der US-Cloud-Act, der US-Behörden weitreichende Zugriffsrechte einräumt, Europas Datensicherheit gefährden.

    Altmaier und Le Maire hatten sich am 19. September in Paris getroffen und dort, beim deutsch-französischen Wirtschafts- und Finanzrat, auch über Künstliche Intelligenz und eine sichere Infrastruktur für europäische Daten gesprochen. Sie hatten den Grundsatz eines gemeinsamen Vorgehens vereinbart und auch, dass Daten aus verschiedenen Wirtschaftssektoren dem Partner zugänglich gemacht werden sollen.

    Industrie erwartet viel

    Datensouveränität war auch Thema beim deutsch-französischen Ministerrat am 17. Oktober in Toulouse. Dort wurde vereinbart, Anfang 2020 die abgestimmte Plattform für eine Dateninfrastruktur vorzustellen und in einem konkreten Sektor, der experimentellen Charakter haben soll, zum Datenaustausch zu kommen.

    Die deutsche Industrie hat hohe Erwartungen. „Umfragen zeigen, dass gerade kleine und mittlere Unternehmen Angebote aus Europa bevorzugen“, sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks dem Handelsblatt. „Bei der konkreten Ausgestaltung einer europäischen Cloud- und Dateninfrastruktur sollten insbesondere die Bedürfnisse des Mittelstands berücksichtigt werden.“

    Die dominanten US-Konzerne verfolgen die Debatte genau: Weder zufällig noch uneigennützig hat Microsoft am Montag in Berlin einen eigenen Akzent zum Digitalgipfel gesetzt. Sabine Bendiek, Chefin von Microsoft Deutschland, setzt darauf, dass „technologische Kompetenz die Voraussetzung für digitale Souveränität“ sei. Und technologisch kompetent werde man am besten durch Zusammenarbeit mit kompetenten Partnern.

    Dass Bendiek dabei vor allem ihr eigenes Unternehmen als Partner im Sinn hatte, war offensichtlich. Ist Microsoft doch neben Amazon einer der weltweit größten Cloud-Anbieter und hat gerade in den USA einen Auftrag des US-Verteidigungsministeriums im Wert von geschätzt rund zehn Milliarden Dollar über die nächsten zehn Jahre bekommen.

    Die Managerin erinnerte daran, dass hierzulande Volkswagen, Porsche, aber auch die Bundeswehr bei ihren digitalen Projekten auf Partnerschaften mit ausländischen Unternehmen setzten. „Digitale Alleingänge in Zeiten großer Komplexität funktionieren nicht“, sagte Bendiek. „Eine national eingezäunte Cloud bringt die Innovation nicht voran“, kommentierte die Microsoft-Managerin das Gaia-X-Projekt.

    SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil warnte dagegen davor, sich von „ausländischen Monopolen abhängig zu machen“. So habe eine Studie des Bundesinnenministeriums ergeben, dass die Bundesverwaltung „in hohem Maße“ von Microsoft abhängig sei.

    Plan: Dezentrale europäische Datenarchitektur

    Ausgeschlossen sind US-Anbieter von Gaia-X nicht: „Die Mitwirkung steht auch Marktteilnehmern außerhalb Europas offen, die unsere Ziele der Datensouveränität und Datenverfügbarkeit teilen“, heißt es in einem Papier des Wirtschaftsministeriums.

    Wie eine Zusammenarbeit mit US-Anbietern aussehen könnte, ist allerdings unklar. Altmaier plant zumindest nicht, einen direkten Konkurrenten zu Amazon und Microsoft aufzubauen. Vielmehr soll eine dezentrale europäische Datenarchitektur entstehen und die Ausgangsposition Europas für die nächste Welle der Digitalisierung verbessern.

    Potenzial sieht der Wirtschaftsminister vor allem in einem Bereich, der ohnehin Spezialität der deutschen Wirtschaft ist: die Herstellung von Vorprodukten und Zwischenerzeugnissen für andere Unternehmen, neudeutsch B2B.

    Hier ist der Markt, anders als im von amerikanischen und chinesischen Plattformen dominierten Konsumentengeschäft, noch nicht aufgeteilt. Eine Studie des Wirtschaftsministeriums, die dem Handelsblatt vorliegt, zeigt, dass erst ein Drittel aller Industriebetriebe digitale Marktplätze für B2B-Geschäfte nutzen.

    Mehr: In einem Gastbeitrag für das Handelsblatt wirbt Peter Altmaier für die zweite Welle der Digitalisierung. Die sei eine große Chance für Europa.

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