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Gaspipeline Nord Stream 2: US-Kongress will Sanktionen gegen Berlin ausschließen

Der US-Kongress will die angedrohten Strafmaßnahmen nicht gegen europäische Regierungen anwenden. Allerdings werden sie gegen Unternehmen verschärft.
04.12.2020 - 05:20 Uhr 6 Kommentare
Durch die zwei jeweils rund 1200 Kilometer langen Leitungen von Nord Stream 2 sollen künftig jedes Jahr 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas von Russland direkt nach Deutschland gepumpt werden. Quelle: dpa
Verlegeschiff für Pipelinebau

Durch die zwei jeweils rund 1200 Kilometer langen Leitungen von Nord Stream 2 sollen künftig jedes Jahr 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas von Russland direkt nach Deutschland gepumpt werden.

(Foto: dpa)

Washington Im Streit um die deutsch-russische Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 will der US-Kongress Sanktionen gegen Regierungen und Behörden europäischer Partnerstaaten wie Deutschland ausschließen. Gegen Unternehmen, die an dem Projekt beteiligt sind, sollen die angedrohten Strafmaßnahmen allerdings ausgeweitet werden.

Das geht aus dem Entwurf für das Gesetzespaket zum US-Verteidigungshaushalt hervor, auf den sich Demokraten und Republikaner in beiden Kammern im US-Kongress am Donnerstag (Ortszeit) einigten. Sanktionen gegen Unternehmen sollen demnach erst verhängt werden dürfen, nachdem potenziell betroffene Regierungen von EU-Mitgliedstaaten, der Schweiz, Norwegen und Großbritannien konsultiert wurden.

Bekannt war bislang, dass sowohl das Repräsentantenhaus als auch der Senat – die beiden Kammern im US-Kongress – Sanktionen gegen die an der Pipeline beteiligten Unternehmen verschärfen wollten. In den beiden Gesetzesentwürfen, die nun für das Paket zum Verteidigungshaushalt zusammengeführt wurden, war zuvor aber keine Rede davon gewesen, dass europäische Partner konsultiert werden müssten oder dass Sanktionen gegen Regierungen oder Behörden in Europa nicht zulässig wären. Nach einer Verabschiedung durch beide Kammern muss US-Präsident Donald Trump das Gesetz unterzeichnen, damit es in Kraft tritt.

Vor knapp einem Jahr waren die Bauarbeiten an Nord Stream 2 gestoppt worden, nachdem die USA ein Sanktionsgesetz (Peesa) gegen die Spezialschiffe in Kraft gesetzt hatten, die die Rohre verlegen. Die beiden Schweizer Verlegeschiffe wurden abgezogen. Der russische Präsident Wladimir Putin kündigte an, die Arbeiten eigenständig zu Ende bringen – unabhängig von ausländischen Partnern.

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    Nach den Sanktionen können gegen betroffene Personen Einreiseverbote in die USA verhängt werden. Etwaiger Besitz betroffener Personen oder Firmen in den Vereinigten Staaten kann eingefroren werden.

    Grafik

    Im Oktober veröffentlichte das US-Außenministerium neue Richtlinien, wonach auch die Bereitstellung bestimmter Dienstleistungen und Einrichtungen für die Verlegeschiffe bestraft werden könnte. Der neue US-Gesetzesentwurf (Peesca) sieht nun eine weitere Verschärfung der Strafmaßnahmen vor.

    Weitere Unternehmer sind im Visier

    Demnach sollen auch Unternehmen, die Schiffe für andere Aktivitäten im Zusammenhang mit Verlegearbeiten stellen, mit Strafen belegt werden. Dabei kann es sich etwa um das Ausheben von Gräben für die Pipeline handeln.

    Auch Firmen, die betroffene Schiffe versichern oder ihnen ihre Hafenanlagen zur Verfügung stellen, drohen Sanktionen. Das gleiche gilt für Unternehmen, die Zertifizierungen für die Pipeline vornehmen, damit diese in Betrieb gehen kann.

    Dem Entwurf hinzugefügt wurde nun, dass sich der US-Außenminister vor der Verhängung von Sanktionen gegen Unternehmen aus EU-Mitgliedsstaaten, der Schweiz, Norwegen und Großbritannien mit den Regierungen dieser Länder beraten müsse. In seinem Bericht an den Kongress – der Grundlage für die Verhängung von Sanktionen ist – müsse der Minister etwaige Bedenken dieser Regierungen anführen. Außerdem heißt es, dass gegen die aufgeführten europäischen Regierungen und ihre Körperschaften Sanktionen nicht anwendbar seien.

    Die US-Regierung hatte erst im vergangenen Monat deutlich gemacht, dass sie die Pipeline kurz vor Fertigstellung noch stoppen wolle und den Sanktionsdruck auf beteiligte europäische Unternehmen erhöhe. „Diese Pipeline findet nicht statt“, sagte ein hochrangiger US-Regierungsvertreter damals der Deutschen Presse-Agentur in Washington. Die Regierung habe Unternehmen und Personen identifiziert, denen erste Strafmaßnahmen drohten. In der deutschen Wirtschaft und Politik lösten die neuen Drohungen Empörung aus.

    Der US-Regierungsvertreter betonte, Befürworter von Nord Stream 2 sollten nicht darauf hoffen, dass es einen Regierungswechsel in Washington geben werde. Er verwies darauf, dass sowohl Peesa als auch Peesca parteiübergreifend unterstützt werden und verpflichtende Sanktionen vorsehen. „Das bedeutet, dass die Sanktionen unabhängig davon umgesetzt werden, wer im Oval Office sitzt.“

    Durch die zwei jeweils rund 1200 Kilometer langen Leitungen von Nord Stream 2 sollen künftig jedes Jahr 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas von Russland nach Deutschland gepumpt werden – unter Umgehung der Ukraine. Die etwa 9,5 Milliarden Euro teure Pipeline ist zu 94 Prozent fertig.

    Die USA laufen aber seit Jahren Sturm dagegen und begründen dies mit zu großer Abhängigkeit ihrer europäischen Partner von russischem Gas. Unterstützt werden sie von osteuropäischen Staaten wie Polen und den baltischen Ländern. Kritiker werfen den USA dagegen vor, nur ihr Flüssiggas in Europa besser verkaufen zu wollen.

    Bei der Nord Stream 2 AG mit Sitz im schweizerischen Zug ist der russische Konzern Gazprom formal einziger Anteilseigner. Dazu kommen aber als „Unterstützer“ die deutschen Konzerne Wintershall Dea und Uniper sowie die niederländisch-britische Shell, Engie (einst GDF Suez) aus Frankreich und OMV aus Österreich. Nord-Stream-Aufsichtsratschef ist Altkanzler Gerhard Schröder (SPD), bei Nord Stream 2 ist er Präsident des Verwaltungsrats.

    Mehr: Wettlauf gegen die Zeit: Ab 5. Dezember soll Nord Stream 2 fertiggebaut werden

    • dpa
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    6 Kommentare zu "Gaspipeline: Nord Stream 2: US-Kongress will Sanktionen gegen Berlin ausschließen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Amerikanische Präsidenten werden immer das vertreten, was sie für das Interesse der USA halten! Dies ist ja grundsätzlich noch nicht falsch! Dies wird ja von unserer Politik in Europa auch so verfolgt; z.B. der Import von Gen-Produkten usw. Bei Herrn Trump ist es ein spezieller Fall des Unbelehrbaren. Herr Obama war zumindest gesprächsbereit und hat, soweit ich mich erinnere, keine Verträge gebrochen.

    • Das hat mit Trump nichts zu tun. Beide Parteien waren schon immer gegen die Pipeline.

      Ich habe schon 2008 nicht verstanden wie Linke Deutsche in Obama einen Gott sehen konnten. Obama wurde von den Linken wie ein heiliger Mesias verehrt. Dabei sind die Demokraten mindestens so rechts wie die CDU.

      Die Hoffnungen auf Obama und Biden waren in der EU stets völlig überzogen. Obama hat gar nichts geliefert. Obama bekam den Nobelpreis für gar nichts. Kein Präsident hat mehr Menschen im Ausland ohne Urteil exekutiert (Drohenkrieg).

      Im Unterchied dazu haben die Linken alles Negative in Trump hineinprojeziert. Selbst ein Putsch wurde im ihm unterstellt.

      Messen mit zweierlei Maß? Projektion? Wie erklört Ihr Euch Euer Verhalten?

    • Tja, es muss einfach gesagt werden:
      Diese Drohgebärden der Amis könnten den Deutschen komplett am Allerwertesten vorbeigehen, denn Deutschland ist zwar ein rohstoffarmes Land (und daher war einmal die Bildung der wichtigste deutsche Rohstoff), aber EINEN wichtigen Rohstoff haben wir dann doch in der deutschen Erde - und ohne diesen Rohstoff hätte das Deutsche Wirtschaftswunder nach WW2 auch nicht stattgefunden.
      Was müssten die Deutschen also tun, um vom Ausland (weitestgehend) energieunabhängig zu werden?
      Na, die Bagger wieder rausholen und ran an die Kohle!!!
      Spricht man mit Amis, dann sagen die einem übrigens auch ganz offen, dass Deutschland das Land mit der dämlichsten Energiepolitik der Welt ist - und dass nicht sie es sind, die jetzt den Morgenthau-Plan nachträglich umsetzen, sondern die ideologisierten Deutschen selbst.

    • Das hat Trump geschafft:
      Früher waren ca. 40 - 50 % gegen "old Europ" jetzt sind es ca. 70% der Amerikaner.
      Was unternehmen Brüssel und Germany - NICHTS -
      SLEEP WELL.
      the stupid german

    • Die Hoffnungen bezüglich Biden sind wohl übertrieben gewesen!

    • Sanktionen gegen Regierungen waeren toll. Wir koennten aus der NATO rausgeworfen
      werden, was ich sehr begruessen wuerde. Sanktionen gegen Unternehmen stehen offenbar
      weiterhin zur Debatte. Bin mal gespannt, ob die Sanktionen gegen Shell, Basf, Engie etc
      verhaengen. Dann koennen wir im Gegenzug, Exxon und alle anderen aehnlichen
      US-Konzerne sanktionieren. Und natuerlich das amerikanische Fracking-Gas.

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