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Gaspipeline „Pflock durch das Herz des Projekts“: US-Regierung bereitet neue Nord-Stream-2-Sanktionen vor

Den USA ist die etwa zu 90 Prozent fertiggestellte Gasleitung ein Dorn im Auge. Nun soll es bereits „in sehr naher Zukunft“ neue Sanktionen wegen des Projekts geben.
23.12.2020 - 21:56 Uhr 6 Kommentare
Die USA torpedieren den Bau der Pipeline, wo immer es geht. Quelle: Reuters
Nord Stream 2

Die USA torpedieren den Bau der Pipeline, wo immer es geht.

(Foto: Reuters)

Washington Die US-Regierung bereitet Insidern zufolge neue Sanktionen wegen der umstrittenen Erdgas-Pipeline Nord Stream 2 vor. Die Maßnahmen könnten „in sehr naher Zukunft“ eingeführt werden, sagte drei hochrangige US-Regierungsvertreter am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters.

Man sei nun dabei, „ein Pflock durch das Herz des Projekts zu treiben“, sagte einer von ihnen. Gegen wen die sich die Sanktionen richten sollen, blieb offen. Regierungen oder bestimmten Regierungsvertreter seien jedoch nicht Ziel, hieß es. Eine Stellungnahme von Nord Stream 2 lag zunächst nicht vor.

Den USA ist die etwa zu 90 Prozent fertiggestellte Leitung ein Dorn im Auge. Die Regierung von Präsident Donald Trump wie auch Kongressabgeordnete beider Parteien beklagen, dass sich die Europäer von russischem Erdgas abhängig machen.

Auch der designierte Präsident Joe Biden hat in der Vergangenheit das Projekt kritisiert. Gleichzeitig wollen die USA eigenes Erdgas nach Europa verkaufen.

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    Zuletzt forderte die geschäftsführende US-Botschafterin, Robin Quinville, von der Bundesregierung ein Moratorium. Deutschland hat wiederholt Drohungen der USA mit Sanktionen gegen den Bau der Leitung zurückgewiesen.

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    Nord Stream 2 ist die zweite Ostsee-Pipeline zwischen Russland und Deutschland. Durch die beiden Leitungsstränge sollen künftig jedes Jahr zusätzlich 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas von Russland nach Deutschland gepumpt werden.

    Russlands Präsident Wladimir Putin hatte erst vergangene Woche erklärt, er sehe trotz drohender neuer US-Sanktionen keine Gefahr für die deutsch-russische Pipeline. „Das Projekt ist so gut wie abgeschlossen“, sagte der Kremlchef bei seiner Jahrespressekonferenz in Moskau. Es müssten noch insgesamt 160 Kilometer Leitungen verlegt werden. Das Projekt werde bald beendet.

    Seit fast zwei Wochen geht der Bau nach einjähriger Unterbrechung weiter. Putin sagte, Nord Stream sei „ein rein wirtschaftliches Projekt“. Er hoffe, dass die neue US-Regierung die Interessen der Verbündeten respektiere und wieder zu einem fairen Wettbewerb auf der Welt zurückkehre. „Es liegt auf der Hand, dass die deutsche Wirtschaft von diesem Projekt profitiert“, meinte der Kremlchef.

    Er warf den Amerikanern vor, sie wollten russische Gaslieferungen nach Europa verhindern und stattdessen ihr teureres Flüssiggas absetzen. Widerstände gegen das Projekt gibt es auch innerhalb der EU, insbesondere aus Polen und den baltischen Staaten.

    Hinter dem Projekt steht der russische Staatskonzern Gazprom der die Hälfte der geplanten Gesamtkosten stemmen soll. Die andere Hälfte finanzieren fünf die europäische Energieunternehmen Wintershall Dea, OMV, Uniper, Royal Dutch Shell und Engie.

    Mehr: Nord Stream 2 – Mit welchen Tricks russische Firmen US-Sanktionen umgehen wollen

    • rtr
    • dpa
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    6 Kommentare zu "Gaspipeline: „Pflock durch das Herz des Projekts“: US-Regierung bereitet neue Nord-Stream-2-Sanktionen vor"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Es braucht eine klare Entscheidung in der Deutschen Politik. Amerika first ist eine Ansage mit der man umgehen kann. Wer die Deutsche Energiepolitik erklären kann, der muß erst noch geboren werden. Das Hick wird nur noch von den Briten getoppt.
      Mir tun die Firmen Leid, die mit diesem Chaos leben müssen. Zuerst den Turbo für die Solarbranche gezündet, dann mit dem Henkerbeil, die Branche, die deutlich mehr Arbeitsplätze brachte als die Kohleindustrie, zerstört.
      Erdgas wäre mittelfristig ein energiepolitisch vertretbare Lösung, bis sich eine Alternative etabliert hat.
      Wir verschwendeten Miliarden in das Atomprogramm mit langfristig höchsten Risiken. Die Rechnung bezahlt der dumme Bürger mit der höchsten Steuerquote.

    • Nordstream 2 war und ist ein Fehler von Deutschland und jetzt müssen wir damit umgehen. Politisch entfremdet es uns innerhalb Europas und von den USA, energiepolitische Notwendigkeiten gibt es nicht; im Gegenteil, die Energiewende kommt dadurch etwas langsamer. Jetzt wäre es klug erstens den Ausbau von Nordstream 2 bis zur Klärung des Nawalny-Attentats auszusetzen. Zweitens per Gesetz (jawohl, Gesetz) festzulegen, dass Frackinggas weder teurer noch in größeren Menden als pipeline geliefertes Erdgas eingekauft werden darf. Dadurch ändert sich die Interessenlage der USA. Und das ist die einzige Möglichkeit, die wir haben. Denn wirtschaftlich, militärisch und geopolitisch sitzen die USA am längeren Hebel - ob wir das mögen oder nicht spielt keine Rolle.

    • Warum haben wir nur Angsthasen gewählt? Suchen wir uns auch ein Projekt wo wir den " Pflock durch das Herz des Projekts " der USA treiben: Wer Nordstream II killt der muss auch Ramstein killen! Wir müssen uns endlich darauf besinnen mit wem wir auf einem Kontinent leben und wo bei gegenwärtiger Konstellation der nächste heiße Konflikt stattfindet. Ganz sicher nicht in USA sondern in Europa. Für die USA wäre m. E. ein zerstörtes Mitteleuropa sprich Deutschland max. ein bedauerlicher Kollateralschaden. Das Thema muss mal auf den Tisch auch wenn es den Transatlantikern in Deutschland nicht gefällt. Oder gibt es sie doch die Denkverbote? Und wir sollten dabei auch aufhören mit ähnlichen zweifelhaften Mitteln wie früher die Katholische Kirche alle aus unserem Blickwinkel " Ungläubigen " missionieren zu wollen. Am Europäischen deutschgetriebenen ( Un- ) wesen muss eben nicht die ganze Welt genesen. Schon vergessen? Andere Länder andere Sitten wussten die ideologiefreien Schlauen schon immer.

    • Dass die USA, ob Demokraten oder Republikaner, hier Interessenpolitik betreiben ist offensichtlich. Man kann gespannt sein, ob es den beteiligten Unternehmen trotz Sanktionen gelingt das Projekt zu Ende zu bringen und die Bundesregierung bei ihrer Linie bleibt.
      Andererseits war die russische und deutsche Lesart, es handle sich um ein rein privatwirtschaftliches Projekt von Anbeginn Unsinn. Ein Energieprojekt mit dem russischen Staatskonzern Gazprom, das die vitalen Interessen von Polen, dem Baltikum und der Ukraine berührt ist per se politisch. Es wäre ehrlicher, wenn die Bundesregierung deutlich machte, dass es ebenso auch ein Projekt im deutschen Interesse ist. Auch wir dürfen Interessen haben, nicht nur die USA.

    • Von freier Marktwirtschaft kann man bei diesen amerikanischen Drohungen wohl nicht sprechen-Das ist Protektionismus vom Feinsten. Wir können schon glücklich sein, wenn die USA nicht ihre gewaltigen Militärmittel nutzen, um ihre Interessen durchzusetzen. Immerhin geben sie 10 mal mehr für ihre Aufrüstung aus als die Russen und 20 mal mehr als wir. Steht wohl noch nicht auf der Agenda-ist aber wohl immer im Hinterkopf.

    • na da sieht man doch, dass es egal ob Biden oder Trump regiert, die USA nur ihre eigenen Interessen sehen - nichts sonst und sonst nichts: USA ist klar fokussiert auf "Amerika first first first".
      Da hören sich irgendwelche Telefonate wie ein abgekartetes Spiel an. Mal sehen wie lange sich Deutschland an der Nase herumführen lässt.

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