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Gasstreit Zypern meldet weltweit größten Erdgasfund der vergangenen drei Jahre

Die Mittelmeerinsel Zypern könnte mit einem Gasfund zum Erdgasexporteur aufsteigen. Ein mächtiger Nachbar erhebt aber schon Einspruch.
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Im östlichen Mittelmeer sind lukrative Erdgasvorkommen entdeckt worden. Quelle: dpa
Bohrinsel Homer Ferrington

Im östlichen Mittelmeer sind lukrative Erdgasvorkommen entdeckt worden.

(Foto: dpa)

Athen Der Meeresgott Glafkos galt in der Antike als Retter schiffbrüchiger Seeleute. Jetzt beschwört die Insel Zypern, deren Wirtschaft in der Eurokrise fast abgesoffen wäre, die Seegottheit: „Glafkos-1“ heißt die Probebohrung, die der Energiekonzern Exxon Mobil vom Bohrschiff „Stena Icemax“ südwestlich der Insel niederbrachte.

Es war ein Volltreffer: Man sei „auf den größten Erdgasfund weltweit innerhalb der letzten drei Jahre“ gestoßen, berichtete der zyprische Energieminister Giorgos Lakkotrypis am Donnerstagnachmittag vor der Presse in Nikosia.

Nach ersten Schätzungen umfasst das Vorkommen 140 bis 220 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Zuvor hatte man bereits in den benachbarten Suchgebieten „Aphrodite“ und „Calypso“ zwei kleinere Gasfelder von geschätzt jeweils 110 Milliarden Kubikmeter gefunden. Mit dem neuen, bisher größten Fund unterstreiche Zypern seine Rolle als alternative Energiequelle für die Europäische Union, sagte Minister Lakkotrypis.

Tristan Aspray, Vizepräsident von Exxon Mobil, sprach in Nikosia vom „Beginn einer langen Reise“, in deren Verlauf man auf weitere Gasfunde hoffe. Das Vorkommen „Glafkos-1“ sei bereits eine „aufregende Entdeckung“, freute sich Aspray.

Für Aufregung könnte aber vor allem sorgen, dass ein großer Nachbar dem EU-Mitglied Zypern seine Bodenschätze streitig macht: Die Türkei will mitreden, wenn im östlichen Mittelmeer nach Öl und Gas gesucht wird.

Die Regierung in Ankara unterstreicht ihre Ansprüche mit lautem Säbelrasseln: Während Lakkotrypis und Aspray der Presse Auskunft gaben, formierten sich türkische Kriegsschiffe zum größten Manöver aller Zeiten.

Sicher ist: Im östlichen Mittelmeer schlummern bedeutende Erdgasvorräte. Israel und Ägypten haben in ihren Wirtschaftszonen bereits mit der Förderung begonnen. Zypern hat in Verhandlungen mit diesen beiden Nachbarländern und dem Libanon seine eigene Wirtschaftszone abgesteckt und dort insgesamt 13 Planquadrate, so genannte Blocks, für Explorationen ausgewiesen. Hier vergibt die Regierung Konzessionen für die Öl- und Gasförderung.

In acht Blocks hat die Suche bereits begonnen. Beteiligt an den Explorationen sind neben den US-Konzernen Exxon Mobil und Noble Energy auch die italienische Eni, die französische Total, Royal Dutch Shell, Qatar Petroleum, Delek aus Israel und die koreanische Kogas.

Mit dem neuen Gasfund könnte Zypern nicht nur den eigenen Bedarf decken, sondern auch zum Erdgasexporteur aufsteigen. Für die Wirtschaft der Insel, die sich bisher vor allem auf den Tourismus, Finanzdienstleistungen und die Agrarwirtschaft stützt, wäre das der Beginn einer neuen Ära. Zypern könnte seine in der Eurokrise stark angewachsenen Schulden abtragen und mehr Geld in die Infrastruktur investieren.

EU könnte mit Fund die Abhängigkeit von Russland mindern

Voraussichtlich am Freitag soll das Parlament in Nikosia über die Einrichtung eines Staatsfonds abstimmen, der die Einnahmen aus der Gasförderung verwalten wird. So soll sichergestellt werden, dass die Gelder nachhaltig angelegt werden und auch künftige Generationen von den Erlösen profitieren, selbst wenn die Gasvorräte in einigen Jahrzehnten erschöpft sind.

Die Staaten der Europäischen Union könnten mit dem zyprischen Erdgas ihre Abhängigkeit von russischen Erdgaslieferungen mindern. Für den Gastransport nach Europa sind zwei Varianten im Gespräch: Eine Unterwasserpipeline, die aus den Fördergebieten im östlichen Mittelmeer über Kreta und das griechische Festland zur Adria und von dort nach Italien führt.

Zypern, Israel und Griechenland führen bereits Gespräche über das Projekt dieser „East Med Pipeline“. Eine Alternative wäre, das vor Zypern geförderte Erdgas auf der Insel zu verflüssigen und mit LNG-Tankern in die Abnehmerländer zu transportieren.

Aber es gibt politische Verwicklungen. Das östliche Mittelmeer ist eine Spannungsregion. Die Türkei hält seit 1974 den Nordteil Zyperns militärisch besetzt und etablierte dort 1983 die international nicht anerkannte „Türkische Republik Nordzypern“.

Die Türkei verlangt nicht nur, dass die türkische Volksgruppe an den Erlösen aus der Gasförderung beteiligt wird. Sie macht dem EU-Staat Zypern auch seine Bodenschätze streitig und erhebt Ansprüche auf große Teile der zyprischen Wirtschaftszone vor der Südwestküste der Insel.

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan bezeichnet die ausländischen Konzerne, die mit Konzessionen der Republik Zypern vor der Insel nach Bodenschätzen suchen, als „Piraten“ und „Banditen“. Vergangene Woche kündigte Außenminister Mevlüt Cavusoglu an, sein Land werde in Kürze vor der Küste Zyperns nach Öl und Gas suchen. Dazu werde die Türkei zwei Bohrschiffe nach Zypern entsenden, sagte Cavusoglu. „Nichts in dieser Region kann ohne Einwilligung der Türkei geschehen, wir werden das nicht zulassen“, so der Außenminister.

Und die Türkei zeigt Flagge: Am Mittwoch begann die türkische Kriegsmarine im östlichen Mittelmeer mit dem bisher größten Marinemanöver ihrer Geschichte. An der Übung nehmen mehr als hundert Schiffe sowie Kampfflugzeuge, Helikopter und Drohnen teil.

Gasstreit gefährdet Zyperns Wiedervereinigung

Bereits vor einem Jahr hatte die Türkei mit mehreren Kriegsschiffen das italienische Bohrschiff „Saipem 12000“ blockiert, das im Auftrag von Eni vor der Südküste Zyperns nach Gas suchen sollte. Die Italiener gaben sich geschlagen und drehten nach einigen Tagen ab.

Die Seeblockade zeigte, wie gefährlich der Gasstreit ist. Eine Wiedervereinigung Zyperns wäre ein Weg, die Kontroversen um die Bodenschätze beizulegen. Die Gespräche über eine Beilegung des Konflikts brachen jedoch im Sommer 2017 zusammen – nicht zuletzt wegen der Weigerung der Türkei, einem Abzug ihrer Besatzungssoldaten aus Nordzypern zuzustimmen.

Der zyprische Präsident Nikos Anastasiades traf am Dienstag in Nikosia mit dem türkischen Volksgruppenführer Mustafa Akinci zusammen, um die Chancen für neue Verhandlungen zu sondieren. Nach der Begegnung sagte Anastasiades aber, die Bedingungen für eine Wiederaufnahme der Gespräche seien noch nicht reif.

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2 Kommentare zu "Gasstreit: Zypern meldet weltweit größten Erdgasfund der vergangenen drei Jahre"

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  • Das haben diejenigen, die sich mit Rohstoffen beschäftigen, schon viel, viel länger gewusst - zumindest seit der Bankenkrise dort. Wie Sie vermutlich mitbekommen haben, wurden den Zyprioten damals die Bankeinlagen "rasiert" - per wunderschönem "Haircut". O-Ton Schäuble: "Bankeinlagen sind eine sensible Sache, daher macht man es am Wochenende“ .
    Aber eben nicht nur den zypriotischen Bürgern selber. Wer hatte nämlich auch ein besonderes Interess an intensiven Geschäftsbeziehungen mit Zypern? Die Russen. Es ist daher ein offenes Geheimnis, dass die EUrokraten nicht zulassen wollten, dass Zypern mit Russland eine strategische Partnerschaft abschließt und die Russen Zugang zu den Gasvorkommen vor Zypern bekommen:
    "Hinzu kommt ein offener Konflikt zwischen Zypern und der Türkei wegen der Explorationsrechte an den vermutlich reichen Erdgasvorkommen, die jüngst im östlichen Mittelmeer entdeckt wurden und an denen auch russische Energieunternehmen höchstes Interesse haben. (...)
    Da Zypern offenbar mit Russland einen potentiellen strategischen Partner hat, der so gar nicht im europäischen Interesse liegt, hat Brüssel es auch eilig gehabt, Nägel mit Köpfen zu machen und Zypern unter den „Rettungsschirm“ zu zwingen."
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=13713

  • Ressourcen wecken Begehrlichkeiten. Hier sind die internationalen Instanzen gefragt, um
    den Streit um Foerderrechte beizulegen. Ich hoffe wir muessen unserem Nato-Partner Tuerkei nicht beistehen.

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