Gastbeitrag in der „New York Times“ Diese Enthüllungen werden gefährlich für Trump – und den Rest der Welt

Nach dem Woodward-Buch erleidet Trump einen erneuten Tiefschlag: Ein Insider berichtet über den stillen Widerstand gegen den US-Präsidenten.
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„Prinzipienlos, erratisch und anti-demokratisch“ – so beschreiben Mitarbeiter den US-Präsidenten. Quelle: Reuters
Donald Trump

„Prinzipienlos, erratisch und anti-demokratisch“ – so beschreiben Mitarbeiter den US-Präsidenten.

(Foto: Reuters)

BerlinDonald Trumps Meinung wird mit einem Wort klar: „HOCHVERRAT?“ sieht der US-Präsident seinem Tweet zufolge in dem Insider-Bericht eines ranghohen Mitglieds seiner Regierung, der jetzt anonym als Gastbeitrag in der „New York Times“ erschienen ist. Es ist ein Manifest des stillen Widerstandes von Regierungsmitarbeitern, die das Schlimmste verhindern wollen, bis Trump nicht mehr im Amt ist.

Für den US-Präsidenten ist es der zweite Schlag innerhalb weniger Tage. Erst am Montag waren Auszüge aus dem neuen Buch des Watergate-Reporters Bob Woodward bekannt geworden, die das Bild einer Präsidentschaft malen, die tagtäglich am Rande des Nervenzusammenbruchs laviert.

Ob Zufall oder nicht: Dieser Doppelschlag könnte Trump innenpolitisch bei den hart umkämpften Kongresswahlen am 6. November wichtige Stimmen kosten. Und fast noch wichtiger: Er manifestiert bei Freunden und Feinden der USA den Eindruck einer paralysierten Weltmacht. Das ist gefährlich nicht nur für die USA, sondern auch für den Rest der Welt.

„Die Wurzel des Problems ist die Amoralität des Präsidenten“, schreibt der anonyme Partisan im Weißen Haus. Trump sei prinzipienlos, erratisch und anti-demokratisch. Insofern bestätigt der Insider vieles von dem, was Woodward und vor ihm Michael Wolff und Omarosa Manigault Newman beschrieben haben. Der Unterschied liegt jedoch darin, dass sich hier ein ranghohes Mitglied der Trump-Administration äußert. Das hat Auswirkungen nach innen und nach außen.

Im Weißen Haus dürfte das Misstrauen weiter wachsen, Trump wird sich noch mehr isolieren und möglicherweise politisch wild um sich schlagen. In Washington wird bereits darüber spekuliert, dass der Präsident womöglich Verteidigungsminister Jim Mattis feuern könnte. Der ehemalige General gilt als einer der wenigen verbliebenen „Erwachsenen“ in der Administration.

Mattis hat dafür gesorgt, dass die USA trotz Trumps „Männerfreundschaft“ mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin den machtpolitischen Ambitionen des Kreml-Chefs in Osteuropa entgegentreten. Sollte Mattis gehen müssen, würde die Welt noch ein Stück gefährlicher.

Womöglich noch größer ist der Schaden, den der unmögliche Präsident außenpolitisch anrichtet. Freunde und Alliierte werden verunsichert, Feinde ermutigt. „Trump zeigt eine Präferenz für Autokraten und Diktatoren“, schreibt der Anonymus aus dem Weißen Haus.

Die Schwäche Trumps für vermeintlich „starke Männer“ dürfte eben diesen kaum entgangen sein.  So trifft sich der nordkoreanische Diktator Kim-Jong Un mit Trump zu einem „Love-Fest“ auf der Weltbühne, ohne von seinen gefährlichen Nuklearplänen auch nur ein Jota abzuweichen.

Wer in diesen Tagen mit Leuten aus dem Regierungsumfeld spricht, bekommt als erstes oft einen Disclaimer zu hören: „Ich bin gegen Trump, er ist verrückt, ich habe ihn nicht gewählt.“ Wie lange kann eine Administration funktionieren oder gar Politik machen, deren Mitarbeiter sich für ihren Präsidenten schämen?

Das Dilemma des Insider-Berichts aus dem Weißen Haus ist seine Zerrissenheit, die zugleich den Riss durch die amerikanische Gesellschaft widerspiegelt. Im Oval Office sitzt für alle Welt sichtbar ein inkompetenter, gefährlicher Narzisst. Für jene, die ihre Vaterlandsliebe vor die Loyalität zum Präsidenten stellen, wird Widerstand deshalb zur Pflicht.

Es habe sogar Überlegungen gegeben, den Präsidenten gemäß der Verfassung des Amtes zu entheben, weil er seinen Aufgaben nicht gewachsen sei, berichtet der Partisan im Weißen Haus. Das hätte vermutlich eine Verfassungskrise heraufbeschworen, weshalb die stillen „Widerstandskämpfer“ in der Administration lieber ausharrten, um das Schlimmste zu verhindern, bis es vorbei sei.

Diese Einschätzung ist ebenso bitter wie realistisch. Die Amerikaner werden Trump nur vor den nächsten Wahlen los, wenn die Untersuchungen von Sonderermittler Robert Mueller dem US-Präsidenten einen eindeutigen Bruch der Gesetze nachweisen. Ansonsten kann die Demokratie der USA nur gesunden, wenn die Amerikaner selbst den Fehler von 2016 korrigieren und Trump erst bei den Halbzeitwahlen im November Grenzen setzen und ihn dann bei den Präsidentschaftswahlen 2020 aus dem Amt wählen.

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1 Kommentar zu "Gastbeitrag in der „New York Times“: Diese Enthüllungen werden gefährlich für Trump – und den Rest der Welt"

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  • Ich verweise auf die Petition der Gruppe "Duty to warn" - in der über 50.000 Angehörige medizinischer Berufe eine Absetzung des Präsidenten nach dem 25 Verfassungszusatzes fordern. Grund " he is psychologically unfit"
    auf der Internetseite der Organisation weisen namhafte Psychologen und Professoren detailliert auf die mentalen Probleme hin, die sie auf Basis ihrer fachlichen Wahrnehmung und (Fern)Diagnose erwarten. Alle werden durch die "Enthüllungen" jetzt als alltägliche Realität bestätigt. Zeit ihm die Macht über die Atomsprengköpfe zu entziehen - aber solang verstehe ich jeden im System, der bleibt und versucht diesen paranoiden Psychopathen im Zaum zu halten. Hier wird Widerstand zur Pflicht.

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