Gastbeitrag Wie Saudi-Arabien den Jemen destabilisiert

Die Angriffe der von Saudi-Arabien geführten Allianz auf den Jemen werden die Huthis nicht an den Verhandlungstisch bewegen. Im Gegenteil wird ein viel gefährlicherer Gegner gestärkt, glaubt Expertin Mareike Transfeld.
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Houthi-Milizen: Saudi-Arabien greift den Jemen aus der Luft an. Quelle: dpa
Gewehre gen Himmel

Houthi-Milizen: Saudi-Arabien greift den Jemen aus der Luft an.

(Foto: dpa)

BerlinIn der Nacht zum 26. März hat eine von Saudi-Arabien angeführte Koalition von zehn arabischen Staaten mit logistischer Unterstützung der USA und Großbritanniens Luftangriffe auf militärische Ziele im Jemen begonnen. Darüber hinaus sollen 150.000 Soldaten für eine mögliche Bodenoffensive bereitstehen.

Das Ziel der Operation sei es, die Regierung unter Präsident Abdu Rabu Mansour Hadi vor dem vollständigen Zusammenbruch beziehungsweise der Übernahme des Staates durch die Huthi-Bewegung zu schützen, um das Land zu stabilisieren.

Die Luftangriffe werden aber die Huthis weder von ihrer Machtposition am Boden verdrängen, noch an den Verhandlungstisch bewegen. Stattdessen wird sich die humanitäre Lage im Jemen weiter verschärfen. Bereits im Februar 2015 brauchte mehr als die Hälfte der jemenitischen Bevölkerung humanitäre Unterstützung.

Die Wissenschaftlerin forscht an der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) unter anderem zu Elitenwandel und Protestbewegungen im Jemen. Quelle: Stiftung Wissenschaft und Politik
Jemen-Expertin Mareike Transfeld

Die Wissenschaftlerin forscht an der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) unter anderem zu Elitenwandel und Protestbewegungen im Jemen.

(Foto: Stiftung Wissenschaft und Politik)

Die Luftangriffe zerstören zudem die Infrastruktur des Sicherheitsapparates, der bislang auch für die Bekämpfung von al-Qaida eingesetzt worden ist. Dies ist besonders problematisch in einer Situation, die zu einer weiteren Radikalisierung von Kämpfern beiträgt.

Al-Qaida dürfte sich unter diesen Bedingungen weiter ausbreiten. Eine Stabilisierung des Landes hat nur dann eine Chance, wenn alle Konfliktparteien die Waffen ruhen lassen und an den Verhandlungstisch zurückkehren, an erster Stelle die Huthis, Saudi-Arabien und der Übergangspräsident Hadi.

Die Huthis sind eine bewaffnete politische Bewegung aus dem Nordjemen, die wegen ihrer politischen, wirtschaftlichen und religiösen Marginalisierung bereits zwischen 2004 und 2010 in Konflikt mit der jemenitischen Zentralregierung standen. 2011 versuchten sie, die landesweiten Proteste gegen den damaligen Präsidenten Ali Abdallah Saleh sowie 2013 den VN-unterstützen „Nationalen Dialog“ zu nutzen, um ihre Anliegen durchzusetzen.

Ohne Erfolg: Im Januar 2014 wurde die Dialogkonferenz ohne Konsens abgeschlossen. Daraufhin machten sich die Huthis das in der Bevölkerung weitverbreitete Misstrauen gegenüber der im Dezember 2011 eingesetzten Übergangsregierung sowie die Unzufriedenheit über anhaltende Korruption und ökonomische Missstände zunutze, um Unterstützer gegen Übergangspräsident Hadi zu mobilisieren. Im September 2014 gelang es ihnen schließlich, Kontrolle über weite Teile des Nordjemens und damit die Hauptstadt Sanaa sowie Teile des Zentral- und Südjemens zu gewinnen.

Hadi rief nach Intervention, Saudi-Arabien folgte
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