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Gastech in MailandVolle Auftragsbücher und hohe Preise: Die Gasbranche schaut zufrieden in die Zukunft

In Italien treffen sich die Vertreter internationaler Energiekonzerne. Die Stimmung ist gut, auch wenn der Krieg omnipräsent ist – nicht zuletzt durch den Vortrag eines Ex-Außenministers.Christian Wermke 05.09.2022 - 19:36 Uhr Artikel anhören

Die Auftragsbücher der Erzeuger sind voll, die Stimmung in der Branche ist gut.

Foto: Reuters

Mailand. Das Geschäft läuft gut, die Firmen verdienen weiter. Das hört man fast überall auf der Mailänder Gastech. Ukrainekrieg und Energiekrise zum Trotz: Die Auftragsbücher der Branche, die sich hier in Norditalien zu ihrer 50. Konferenz trifft, sind voll. Für viele Teilnehmer ist es eine besondere Messe: Selten war der Sektor mehr im Fokus als derzeit. Als sich die Unternehmen vor einem Jahr in Dubai trafen, hätte niemand ernsthaft geglaubt, dass sich der Gaspreis teilweise versechsfachen oder Russland gar die Versorgung über seine Pipeline Nord Stream 1 stoppen würde.

Heute streitet Europa um seine Energiesicherheit, globale Lieferketten sind durch die Coronapandemie und Putins Krieg zusammengebrochen, neue Player kommen auf den Markt. „Beim Thema Russland hat man sich in vielen Unternehmen stillschweigend darauf geeinigt, nicht darüber zu sprechen“, sagt der Manager eines deutschen Kompressorherstellers. „Das ist ein Politikum.“

Deutschlands Ex-Außenminister Sigmar Gabriel spricht hingegen in seinem Vortrag fast nur darüber. „Der russische Aggressionskrieg zeigt, wie schnell die Versorgung des für selbstverständlich gehaltenen Erdgases zu einem Engpass führen kann.“ Erdgas werde für eine Übergangsphase weiterhin unverzichtbar sein, für die Chemieindustrie, fürs Heizen, für das Herstellen von Wasserstoff. „Es wird in den kommenden Jahren nicht genügend erneuerbare Energien in Europa geben, um damit zusätzlich grünen Wasserstoff herzustellen“, sagt Gabriel. Europa muss daher einen Großteil des Wasserstoffs importieren – und dürfe dabei nicht die Abhängigkeit wiederholen wie beim russischen Erdgas.

Gabriel zeigt sich auch besorgt über geopolitische Ungleichheiten. Wenn überall Kapazitäten für Flüssiggas (LNG) ausgebaut würden und reiche Länder bereit seien, LNG für „egal welchen Preis“ einzukaufen, treibe das die Kosten in ärmeren Ländern dramatisch nach oben. „Der Preis wird nicht vom Markt gemacht, sondern von politischer Intervention“, so Gabriel.

Er beobachte durch Pandemie und Krieg eine Rückkehr des starken Staates, der seine Bürger beschützen will. „Wir reden heute über gutes und schlechtes Gas. Es gibt keine unpolitische Globalisierung mehr im Energiesektor.“

Flüssiggas steht im Fokus

Mehr als 750 Aussteller sind nach Mailand gekommen, das „Who is who“ der globalen Branche. Viele Stände sind auffällig stark begrünt, beim britischen Mineralölkonzern BP sitzen Gäste vor einer Blätterwand, beim amerikanischen Erdgasversorger Tellurian ranken grüne Pflanzen an der Kaffeebar herunter.

Erdgas ist noch immer wichtig, doch der Fokus von Unternehmen wie Regierungen liegt mittlerweile auf dem Flüssiggas.

Foto: imago images/imagebroker

Greenpeace-Protestler ließen vor dem Messegelände einen Heißluftballon starten, der aussieht wie die Erde. Darauf die Slogans: „Fossile Brennstoffe jetzt stoppen“ und „Gas ist Greenwashing“. Selbst die Tunnel der U-Bahn-Station der Messe hatte Greenpeace mit Protestsprüchen plakatiert.

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Zwar ist Erdgas noch immer Kern der Konferenz, aber längst verlagert sich der Schwerpunkt in Richtung Wasserstoff, Flüssiggas und Dekarbonisierung. Bei nahezu jedem dritten Unternehmen stehen große Schiffsmodelle von Flüssiggastankern auf der Ausstellungsfläche. Vor allem die USA haben Europa in der Energiekrise mit LNG ausgeholfen. Zwei Drittel ihres Flüssiggases exportieren die Amerikaner derzeit auf den alten Kontinent – doppelt so viel wie noch vor dem Ukrainekrieg. 15 Prozent ihres Gasbedarfs kann die EU damit abdecken.

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„Erdgas und Flüssiggas haben noch eine weite Reise vor sich, das hat diese Krise gezeigt“, ist Peter Clarke überzeugt, Senior Vice President beim amerikanischen Ölmulti Exxon Mobil. „Wir haben in Deutschland einen Mangel an Optionen und einen Mangel an Infrastruktur“, sagt zudem Klaus-Dieter Maubach, Chef von Deutschlands größtem Gashändler Uniper, dem der Staat derzeit finanziell unter die Arme greifen muss. „Eines unserer Key-Learnings: Wir haben zu lange auf Russland als verlässlichen Partner vertraut.“

Für die Verbraucher habe er zudem eine schlechte Botschaft: „Die Preise werden weiterhin hoch bleiben“, sagt Maubach. Der Branche könne das aber auch insgesamt helfen, den Übergang zu grüneren Technologien anzuschieben.

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