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Gastkommentar Afrika muss elektrifiziert werden – mit Bürgschaften für die Energieversorger

Schlechte Stromversorgung behindert die Wirtschaftsentwicklung Afrikas. Die Vorschläge von Tony Blair im Handelsblatt führen jedoch in die Irre. Ein Gastbeitrag.
  • Stefan Liebing
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Netze verbinden und damit mehr Flexibilität auf Afrikas Energiemarkt schaffen: Eine Idee, zum Scheitern verurteilt. Quelle: Bloomberg
Kraftwerk in Nigeria

Netze verbinden und damit mehr Flexibilität auf Afrikas Energiemarkt schaffen: Eine Idee, zum Scheitern verurteilt.

(Foto: Bloomberg)

Berlin Die Basis für jede wirtschaftliche Entwicklung auf dem afrikanischen Kontinent ist der Aufbau einer funktionierenden Stromversorgung. Das bestreitet niemand. Denn ohne Elektrifizierung keine Industrialisierung, und ohne Industrialisierung keine Jobs. Und so lange es keine Jobs gibt, werden sich gerade unternehmerisch denkende und qualifizierte Afrikaner auf den Weg nach Europa machen.

Eine Scheinlösung allerdings stellt die Idee dar, man müsse nur für einen länderübergreifenden Energiemarkt sorgen, wie sie Tony Blair am 4. Januar in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt vorgeschlagen hat.

Die Idee: Stromüberschüsse aus Ghana und Guinea per Überlandleitung nach Burkina Faso und Mali transportieren und damit fossile Kraftwerke ersetzen. Während es natürlich immer sinnvoll ist, Netze zu verbinden und damit mehr Flexibilität bei Angebot und Nachfrage zu schaffen, wird dieser Ansatz in Afrika an zwei Punkten scheitern:

Erstens: Es gibt in Afrika keine längerfristigen Stromüberschüsse, sondern allenfalls kalkulatorische. Es mag sein, dass Guinea heute mehr Strom aus großen Wasserkraftwerken produziert als im Land abgenommen wird. Das ist aber nur deshalb so, weil die Leitungen zu den Kunden fehlen.

Sobald alle Konsumenten angeschlossen sind, wird aus dem Überschuss schnell wieder ein Strommangel. Es fehlt eben an Geld für den Bau von Verteilnetzen. Deshalb mehr grenzüberschreitende Leitungen zu bauen, halte ich für keine gute Idee.

Der Autor ist Vorsitzender des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft und Vorstandsmitglied des CDU-Wirtschaftsrates. Quelle: Afrika-Verein
Stefan Liebing

Der Autor ist Vorsitzender des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft und Vorstandsmitglied des CDU-Wirtschaftsrates.

Zweitens: Für den Bau grenzüberschreitender Transportleitungen haben die Energieversorger kein Geld. Es müssten also erneut Entwicklungsbanken einspringen. Und es muss eine Gesetzes- und Regulierungslage geschaffen werden, die das unter Einbindung mehrerer afrikanischer Regierungen erst ermöglicht.

Das wird jede Menge Budgets für Entwicklungsberater und Studien bringen. Aber keine kurzfristigen Lösungen für die fehlende Stromversorgung. Und die brauchen wir. Dringend. Deshalb sollten gerade deutsche Akteure aus Wirtschaft und Politik endlich das tun, was schnell und gut möglich wäre.

In Deutschland geraten immer mehr Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energie in schwere Fahrwasser, weil der Zubau neuer Erzeugungskapazität hierzulande ins Stocken geraten ist. Da wäre es doch ganz einfach für die Unternehmer, sich aufzumachen Richtung Süden und die Elektrifizierung Afrikas voranzutreiben.

Deutsches Energiewende-Know-How zu exportieren, hier Arbeitsplätze zu erhalten und vor Ort neue zu schaffen, einen Beitrag zur Entwicklung zu leisten: Bei so vielen Vorteilen verwundert es beinahe, dass neben einigen wenigen Unternehmen die Masse der Akteure des deutschen Energiesektors diese Chancen noch nicht erkannt hat.

Doch das hat natürlich einen guten Grund: Die Realisierung von Investitionsvorhaben in vielen Ländern Afrikas ist komplex. Man muss daher schon einigen Aufwand betreiben, sich die 54 Märkte des Kontinents mit ihren unterschiedlichen regulatorischen Systemen, Netzen und wirtschaftlichen Parametern genau anzusehen.

Denn wie immer in Afrika finden sich Beispiele für Erfolgsgeschichten gleichermaßen wie Misserfolge. Uganda hat in den vergangenen Jahren so viel an neuer Stromerzeugungskapazität zugebaut, dass man händeringend nach Abnehmern in den Nachbarländern sucht – wären da nur grenzüberschreitende Leitungen.

Ghana hat für einige Zeit sogar einen Stopp für neue Einspeiseverträge verhängt, so viele Kraftwerksprojekte haben ausländische Investoren der Regierung angetragen. In Guinea dagegen gibt es Großstädte mit mehreren hunderttausend Einwohnern, die ausschließlich von Diesel- und Schwerölgeneratoren versorgt werden, und das oft nur für drei oder vier Stunden pro Tag. Wie passt das zusammen?

Im Wesentlichen bestehen zwei Hindernisse für neue Vorhaben: Zum einen fehlen ausgebaute Netze. Meist sind Stromleitungen in staatlichem Eigentum und auch als Monopol organisiert. Niemand anderer als der öffentliche Energieversorger darf Stromnetze bauen und betreiben.

Geld haben diese Staatsbetriebe nicht, finanziert werden Überlandleitungen und Verteilnetze daher zu einem großen Teil mit Entwicklungsgeldern der Weltbank oder von europäischen Regierungen. Das dauert. Lösen lässt sich das kurzfristig nur, wenn man auf Inselnetze setzt. Oft reicht es, so viele Dörfer zu verbinden und die Endkunden anzuschließen, bis ein kleines Solar- oder Windkraftwerk sich lohnt. Das ist günstiger und schneller.

Das zweite Problem ist die fehlende Kreditwürdigkeit staatlicher Energieversorger. Viele dieser Unternehmen müssen Treibstoff oder Strom teuer einkaufen und zu einem regulierten subventionierten Preis an Endkunden abgeben. Sie sind daher notorisch in Zahlungsschwierigkeiten.

Wenn deutsche Projektentwickler sich um Fremdkapital bei Banken bemühen und als Sicherheit einen Vertrag mit einem solchen Unternehmen vorlegen, werden sie in der Regel nicht einmal am Pförtner vorbeikommen. Ohne Sicherheit keinen Kredit. Auffällig ist aber, dass es eine ganze Reihe erfolgreicher Projekte ausländischer Investoren in Afrika gibt.

In Mosambik ist derzeit ein norwegisches Solarprojekt im Bau, ein französischer Unternehmer hat kürzlich die Verträge für ein weiteres Kraftwerk unterschrieben. Deutschland: Bislang Fehlanzeige!

Entscheidend für die Machbarkeit von Erneuerbare-Energie-Projekten in Afrika sind Garantien und Bürgschaften für die Energieversorger. Dort Entwicklungsgelder einzusetzen, scheint mir sinnvoll. Und es wird schnell klar werden, dass es zu viel weniger Problemfällen kommen wird als gedacht. Wir haben eben weiterhin ein verzerrtes, negatives Bild von Afrika – auch und gerade bei den kommerziellen Banken.

Beide Hindernisse lassen sich überwinden. Also: Kurzfristig Inselnetze schaffen und private Kraftwerkslösungen durch Garantien absichern. Mit einer kleinen Veränderung unserer entwicklungspolitischen Instrumente könnten wir schnell viel erreichen. Dezentral und nachhaltig.

Die Bundeskanzlerin hat im Oktober einen Entwicklungsinvestitionsfonds versprochen, damit deutsche Mittelständler leichter in Afrika investieren können. Hier ist eine erste Aufgabe für diesen Fonds. Damit wir ab morgen Afrika elektrifizieren können.

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