Joseph E. Stiglitz

Der renommierte Ökonom ist der Gewinner des Wirtschaftsnobelpreises des Jahres 2001.

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Gastkommentar Trump hat den Handelskrieg gegen China fast schon verloren

Die USA werden in der Konfrontation mit China den Kürzeren ziehen. Denn der US-Präsident bietet nur kurzfristige Lösungen, die auf lange Sicht seinem Land schaden, glaubt Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph E. Stiglitz.
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3 Kommentare

Falls der zwischen Europa und den USA vereinbarte Waffenstillstand hält, werden sich die USA statt mit der ganzen Welt hauptsächlich mit China befehden. Wie wird das ausgehen?

Die makroökonomischen Gesetzmäßigkeiten setzen sich immer durch. Wenn die Inlandsinvestitionen der USA ihre Ersparnisse weiterhin überschreiten, wird das Land Kapital importieren müssen und ein hohes Handelsdefizit bekommen.

Schlimmer: Aufgrund der Steuersenkungen erreicht das US-Haushaltsdefizit Rekordstände, die laut einer Prognose bis 2020 eine Billion Dollar übersteigen werden. Das Handelsdefizit wird also unabhängig vom Ergebnis des Handelskrieges steigen.

Das passiert nur dann nicht, wenn Trump die USA in eine Rezession führt, bei der die Einkommen so stark sinken, dass Investitionen und Importe steil zurückgehen.

Das „beste“ Ergebnis von Trumps engem Fokus auf das Handelsdefizit mit China wäre eine Verbesserung der bilateralen Handelsbilanz, die mit einer entsprechenden Zunahme des Defizits gegenüber anderen Ländern einhergeht. Die USA könnten mehr Erdgas an China verkaufen und weniger Waschmaschinen kaufen, aber sie werden dann weniger Erdgas an andere Länder verkaufen und Waschmaschinen kaufen.

Doch aufgrund des Eingriffs der USA in den Markt werden sie so mehr für ihre Importe bezahlen und weniger für ihre Exporte erhalten. Bestenfalls geht es den USA dann schlechter als heute.

Trump agiert zu kurzsichtig

Die USA haben ein Problem, aber es betrifft nicht China. Es betrifft ihr eigenes Land: Amerika spart zu wenig. Trump ist extrem kurzsichtig. Hätte er nur einen Deut wirtschaftliches Verständnis und langfristige Visionen, so hätte er sein Möglichstes getan, um die nationalen Ersparnisse zu steigern. Das hätte das multilaterale Handelsdefizit reduziert.

Es gibt offensichtliche kurzfristige „Lösungen“: China könnte mehr amerikanisches Öl kaufen und es dann weiterverkaufen. Dies würde nicht den leisesten Unterschied machen, außer dass es die Transaktionskosten möglicherweise geringfügig verteuert. Aber Trump könnte sich dann brüsten, dass er das bilaterale Handelsdefizit beseitigt habe.

Aber es wird schwierig, das bilaterale Handelsdefizit sinnvoll zu senken. Mit abnehmender Nachfrage nach chinesischen Waren wird sich der Wechselkurs des Yuans abschwächen. Dies wird die Auswirkungen der US-Zölle teilweise ausgleichen und zudem Chinas Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Ländern steigern.

Falls China aktiver interveniert und aggressivere Vergeltungsmaßnahmen einleitet, könnte die Veränderung in der Handelsbilanz mit China noch geringer ausfallen. Der relative Schmerz, den jedes Land dem anderen zufügt, ist schwer zu bestimmen.

China hat eine größere Kontrolle über seine Volkswirtschaft und wollte ohnehin auf ein Wachstumsmodell umstellen, das auf der Binnennachfrage statt auf Investitionen und Exporten beruht. Die USA helfen China lediglich bei etwas, was es sowieso zu tun versucht.

Der US-Präsident wird mit seiner Taktik scheitern

So viel ist klar: Falls Trumps Ziel darin besteht, China daran zu hindern, seine „Made in China 2025“-Politik zu verfolgen, wird er damit fast mit Sicherheit scheitern. Trumps Handlungen werden die chinesische Führung im Gegenteil nur in ihrer Entschlossenheit bestärken, die Innovation voranzutreiben und die technologische Vorherrschaft zu erreichen, da ihr bewusst wird, dass sie sich nicht auf andere verlassen kann und dass die USA ihr aktiv feindselig gegenüberstehen.

Wenn ein Land in einen Krieg eintritt – sei es ein Handelskrieg oder ein sonstiger Krieg –, sollte es sichergehen, dass gute Generäle das Sagen haben, die klar definierte Ziele und eine praktikable Strategie verfolgen und die Unterstützung der Bevölkerung genießen. Dies ist die Stelle, an der die Unterschiede zwischen China und den USA besonders groß erscheinen. Kein Land könnte über ein weniger qualifiziertes Wirtschaftsteam verfügen als Trumps.

Die Unterstützung der Wähler wird weiter schwinden, wenn sie sehen, dass sie in diesem Krieg doppelt verlieren: Arbeitsplätze gehen verloren, nicht nur wegen der Vergeltungsmaßnahmen Chinas, sondern auch, weil die US-Zölle den Preis der US-Exporte verteuern und sie weniger konkurrenzfähig machen.

Dies könnte einen Rückgang des Dollar-Kurses erzwingen, der die Inflation weiter in die Höhe treibt. Die Fed dürfte dann die Zinssätze anheben, was Investitionen und Wachstum verringern und die Arbeitslosigkeit in die Höhe treiben würde.

China hat Trump wiederholt gesichtswahrende Wege offeriert, die es ihm ermöglicht hätten, das Schlachtfeld zu räumen und sich zum Sieger zu erklären. Doch er weigert sich, diese Wege zu gehen.

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3 Kommentare zu "Gastkommentar: Trump hat den Handelskrieg gegen China fast schon verloren"

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  • wäre nett, wenn das HB auf das englische Original verlinken könnte, so es in der internationalen Version des HB enthalten ist.

  • "...Die makroökonomischen Gesetzmäßigkeiten setzen sich immer durch." - Und weiter braucht man auch eigentlich nicht zu lesen.


  • ...und das soll zu 100% Joseph E. Stiglitz kommen? ohne Worte

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