Gastkommentar Warum sich Deutschland nicht mehr fürchten muss

Die Schuldenkrise zwingt zu harten Einsparungen beim Militär. Aber das ist kein Problem. Denn die Herausforderungen, vor denen Deutschland steht, lassen sich ohnehin nicht mit Waffen lösen. Ein Gastbeitrag
  • Tilman Brück
14 Kommentare

BerlinDie enormen Kosten durch die Eurokrise zwingen die Politiker in Deutschland zur Beantwortung einer fundamentalen Frage: welche Verteidigungspolitik kann und will sich Deutschland noch leisten? Da sowohl eine Rettung als auch ein Fallenlassen Griechenlands für Deutschland sehr teuer werden, schrumpfen die Mittel für alle anderen Politikfelder. Höhere Steuern scheinen von den Wählern auch nicht gewollt zu sein. Deshalb muss die Politik die Frage beantworten, welche kostenträchtigen Schwerpunkte sie setzen muss - und welche sie noch setzen kann.

Neben wichtigen Politikfeldern wie Arbeitsmarkt-, Sozial-, Infrastruktur- und Klimaschutzpolitik steht die deutsche Sicherheitspolitik vor besonderen Herausforderungen – aber eben auch Spielräumen. Nie zuvor in der deutschen Geschichte war die äußere Bedrohung geringer als heute. Gleichzeitig war die Bündniszugehörigkeit Deutschlands noch nie so unumstritten wie heute. Mit der Abschaffung der Wehrpflicht beginnt die Bundeswehr gerade ihre weitreichendste Strukturreform seit der Wiedervereinigung,. Und mit dem Start des Abzugs der Bundeswehr aus Afghanistan beginnt der Einstieg in den Ausstieg aus einem Krieg, der den deutschen Steuerzahler insgesamt wohl mehr als 36 Milliarden Euro gekostet haben wird. All dies sind Faktoren, die für eine starke Reduzierung  des Verteidigungsbudgets sprechen.

Schuldenkrise bestimmt Sicherheitskonferenz

Andererseits entstehen in der globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts neue Unsicherheiten und Bedrohungen. Der globale Terrorismus ist mit der Tötung Bin Ladens keineswegs besiegt, immer mehr Staaten haben oder greifen nach der Atombombe, der Mittlere Osten ist instabiler als in den letzten fünfzig Jahren und die maritime Piraterie greift um sich. Gleichzeitig nimmt der Klimawandel zu und droht zu Kriegen um Wasser und Land zu führen. Der Druck durch Flucht und Armut auf fragile Staaten steigt stetig an, auch an Europas Grenzen. Und es ist unklar, aus welchen Quellen sich der große Hunger nach Energie im 21. Jahrhundert speisen soll - und wie sicher diese Energiequellen (etwa in den Wüsten Nordafrikas) sein werden.

Ganz klar ist jedoch, dass diese Bedrohungen und Unsicherheiten keine spezifisch deutschen sein werden. Die Zeiten sind zum Glück vorbei, in denen die Grenzen Deutschlands und die Tektonik der europäischen Großmächte über Krieg und Frieden in Mitteleuropa entschieden. Natürlich hängt  das auch damit zusammen, dass das 21. Jahrhundert kein europäisches Jahrhundert sein wird. Die größten europäischen Mächte sind nur noch globale Mittelmächte, wenn überhaupt. Die großen Schwellenländer  werden ökonomisch und politisch dominieren - egal wie der Sicherheitsrat seine Beschlüsse fasst. Das bedeutet ganz klar: Deutschland kann - zum Glück! - keine militärische Gefahr mehr sein. Und es braucht - und auch das zum Glück! - keinen militärischen Schutz vor seinen Nachbarn mehr.

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14 Kommentare zu "Gastkommentar: Warum sich Deutschland nicht mehr fürchten muss"

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  • Deutschland sollte sich im 21. Jahrhundert auf das beschraenken, was es kann. Militaerisch handeln kann es nicht. Sein politischer Einfluss ist auf Europa beschraenkt. Seine Produkte werden jedoch auch in den entferntesten Winkeln der Erde begehrt und gekauft. Das ist seine Staerke und dort sollte der Fokus und Ehrgeiz liegen. Die Schweiz macht's vor.

  • Lieber Herr Brück,

    wenn wir etwas die letzten Jahre gelernt haben sollten, dann das, dass die Welt sich von einem auf den anderen Tag dramatisch verändern kann. Vor diesem Hintergrund die Bundeswehr zu einem Kleinbetrieb schrumpfen zu wollen, nur weil vermeintlich keine aktuellen Bedrohungen erkennbar sind, ist schon sträflicher Leichtsinn. Ihre Aussage, dass im Ernstfall die europäischen Partner das schon alleine in den Griff bekommen, wird bei diesen sicher auf helle Begeisterung stoßen.
    Ihre rein ökonomische Sicht der Dinge wird dem Thema auch nicht ansatzweise gerecht. Der Staat hat nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, die Sicherheit seiner Bürger zu gewährleisten. Dazu gehört auch ein handlungsfähiges Militär, welches in der Lage ist mögliche Bedrohungen abzuwehren, auch wenn die gerade nicht aktuell sind.

  • "Onkel Brücks Märchenstunde" Selten soviel Schwachsinn gehört!

  • @flyingfridge
    Was sagt uns das? Dass China ca. 85 Mrd. US$ ausgibt und Deutschland ca. 44 Mrd US$.
    Der Vergleiche pro Kopf ist doch in diesem Fall Unsinn! Das sagt doch nichts aus über die Aggressivität. China baut Tarnkappenjäger, Flugzeugträger, Anti-Flugzeugträger-Raketen etc., ist also auf einem massiv expansiven Kurs. Während es in Deutschland um den Abbau geht, im besten Fall um den Erhalt.
    Ein Land mit einer miesen Verteidigung ist auch im 21. Jhdt nur ein Spielball anderer Mächte.
    Spaß am Rande: China liegt wahrscheinlich nur bei 60 US$/Person, weil es sich durch den Diebstahl von Bauplänen die Entwicklungskosten spart :-)

  • Selten habe ich solchen altlinken Quatsch gelesen. Sollen wir uns dann von Frankreich "beschützen" lassen, die wenigstens noch echte Soldaten haben? Wie naiv muss man sein, um eine solche Professur zu bekommen? Bislang galt in der Geschichte immer noch, dass die Gemeinschaft, die sich nicht mit Waffen verteidigen konnte, zum Spielball anderer wurde. Es wird ohne Waffenindustrie in Deutschland keinen einzigen Krieg weniger in der Welt geben, jedoch verliert Deutschland Innovationskraft und andere lachen sich ins Fäustchen.
    Dem Handelsblatt stünde es besser zu Gesichte, wenn es von Managern in Deutschland mehr Härte fordern würde. Härte sich selbst gegenüber, mit dem Ziel jedes einzelne Produkt zu Weltmarktführern zu machen. Man sieht den Unterschied zwischen "Fahrenden Managern" und einem Unternehmer wie Piech.

  • Pro Chinese werden etwa 60 Dollar im Jahr für das Militär ausgegeben, pro Deutschem etwa 560 Dollar und pro US-Amerikaner über 2000 Dollar. Nur um das mal in eine andere Relation zu setzen.

  • Weil es vor Dekadenz nur so sprudelt. Das Sankt-Florian-Prinzip oder die Sankt-Florian-Politik bezeichnet Verhaltensweisen, potentielle Bedrohungen oder Gefahrenlagen nicht zu lösen, sondern auf andere zu verschieben.
    Und dafür sind wir eben bereit über lange zeit große summen bereitzustellen , weil wir die Problemlösung lieber anderen überlassen statt selber tätig zu werden .

  • Volle Zustimmung !!!
    Kurz und knackig ,punktgenau argumentiert.
    Besser geht es nicht !

  • @bitschleuder
    Sicherlich war China nicht aktiv in Auslandseinsätzen verwickelt. Allerdings darf man nicht vergessen, dass China mit die höchsten Militärausgaben weltweit hat (nach USA und Russland!) und eine aggressive Rohstoffsicherungspolitik fährt (Ausbeutung Afrikas!!!). Das Bundeswehr-Budget ist gerae mal bei ca. 2% des gesamten Bundeshaushalts. Also was soll noch gespart werden?!

    Schließe mich der Meinung vom alten Fritz an, habe selten so einen eindimensionalen Schwachsinn gelesen.
    Ich denke unser Bundespräsident a.D. Horst Köhler vor seiner Abdankung das richtige ausgesprochen. Wir sollten alle mal die Augen öffnen!

  • Naja, darüber werden die direkten Anrainer Chinas aber ganz anders denken (Was ihre Streitkräfte angeht, klotzen die Chinesen ziemlich ran, ganz recht, die haben wirklich Verstand;))...
    Und was die "zivilen wirtschaftliche Arrangements" angeht: Der Zugang zu Rohstoffen ist gewiss von ausschlaggebender Bedeutung (schon wieder Verstand!). Bedeutet aber auch, das man manchmal einigen recht unappetitlichen Figuren zusammenarbeiten muß, (gelle??) die so gar nicht in Brück's schöne neue Welt passen. Die Chinesen machen wirklich Politik mit Köpfchen, sind aber meilenweit entfernt von dem selbstlosen Impuls, an dem der Professor zu leiden scheint. Und wenn's drauf ankommt, ballern auch die Chinesen aus allen Rohren (die Vietnamesen können ein Lied davon singen). Es kommt nur daruf an, wer der Gegner ist.

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