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Gasversorgung Flüssiggas-Terminals: Russland könnte stärker profitieren als die USA

Die USA drängen auf den Bau von Flüssiggas-Terminals in Europa. Aber ausgerechnet russische Anbieter könnten von den Anlagen profitieren.
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Arbeiter stehen vor einem Tank mit verflüssigtem Erdgas („liquefied natural gas“, LNG) im chinesischen Nantong. Quelle: Reuters
Flüssiggas-Terminal

Arbeiter stehen vor einem Tank mit verflüssigtem Erdgas („liquefied natural gas“, LNG) im chinesischen Nantong.

(Foto: Reuters)

Berlin Als der russische Energiekonzern Novatek und der belgische Gas-Infrastrukturbetreiber Fluxys im Herbst vergangenen Jahres bekanntgaben, sie hätten im Hafen von Rostock Land gepachtet, um ein LNG-Terminal zu errichten, interessierte das nur die Fachwelt. Das Terminal werde eine Verarbeitungskapazität von jährlich 300.000 Tonnen haben, hieß es seinerzeit.

Damit wird es im internationalen Vergleich zu den kleineren Anlagen zur Verarbeitung von verflüssigtem Erdgas („liquefied natural gas“, kurz LNG) gehören. Es könnte später einmal Kreuzfahrtschiffe im Rostocker Hafen mit klimafreundlichem Treibstoff versorgen.

Doch die Bedeutung der Anlage ist viel größer, als ihre Größe vermuten lässt. In Rostock manifestiert sich die Rohstoffrivalität zwischen Russland und den USA, Geopolitik und Geoökonomie greifen ineinander. Denn nicht nur die Russen, auch die Amerikaner wollen Deutschland verflüssigtes Erdgas verkaufen, und zwar so viel wie möglich.

Vehement setzen sich die USA für den Bau von LNG-Terminals ein und warnen die Bundesregierung davor, die Energiepartnerschaft mit Moskau zu vertiefen. Auf letztere Forderung will sich die Bundesregierung nicht einlassen – wie schon der Bau der Ostseepipeline Nord Stream 2 beweist. Dafür aber treibt Berlin den Ausbau der Infrastruktur für verflüssigtes Erdgas voran.

Erst kürzlich hatte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) durchgesetzt, dass die Gasleitungen, die künftige LNG-Terminals mit dem öffentlichen Gasnetz verbinden, nicht von den Terminal-Investoren bezahlt werden müssen; die Anbindungsleitungen sollen vielmehr Teil des regulierten Gasnetzes werden.

Die Kosten für Bau und Nutzung dieser Pipelines werden über die Gasnetzentgelte auf alle Gasverbraucher umgelegt. Investitionen in LNG-Terminals werden dadurch attraktiver. In Brunsbüttel, Stade und Wilhelmshaven gibt es konkrete Pläne für den Bau weiterer LNG-Terminals. Doch am Ende könnten davon die Russen stärker profitieren als die USA.

Die transatlantischen Beziehungen waren nie so schlecht wie heute, und es besteht wenig Hoffnung auf Besserung, solange Donald Trump im Weißen Haus regiert. Um das Verhältnis zwischen Deutschland und Russland steht es noch viel schlechter, aber zumindest gibt es erstmals seit Jahren wieder ein erkennbares Bemühen, die Lage zu entspannen. Seit diesem Donnerstag treffen sich Vertreter beider Länder zum Petersburger Dialog in Königswinter.

Das zivilgesellschaftliche Forum ist politisch hochrangig besetzt. Außenminister Heiko Maas (SPD) und sein russischer Kollege Sergej Lawrow wollen sich zu Beratungen zurückziehen. „Der Dialog mit Russland bleibt notwendig“, sagte Maas vor dem Treffen. Auch die Wirtschaftsbeziehungen und die Energiepartnerschaft sollen in Königswinter diskutiert werden.

Novatek hat einen Liefervertrag mit EnBW

Gerade Novatek will sich das zunutze machen. Dem Unternehmen ist es gelungen, das Exportmonopol des russischen Staatskonzerns Rosneft aufzubrechen, zumindest für LNG. So konnte es auch schon mit dem baden-württembergischen Energieversorger EnBW einen Liefervertrag abschließen. Sollten in Deutschland weitere LNG-Terminals entstehen, böten sich neue Chancen für Novatek und andere russische Exporteure.

Das würde allerdings dem Ziel der USA zuwiderlaufen, die Bedeutung Russlands als Gaslieferant für die EU zu reduzieren. Die US-Regierung beobachtet die Entwicklung mit Sorge. „Die Hinwendung zu Russland bei LNG-Lieferungen wäre ein Rückschritt für die Energiesicherheit Deutschlands“, sagte eine Sprecherin der US-Botschaft dem Handelsblatt. Zumal sich US-Gas in Europa als wettbewerbsfähig erwiesen habe.

Berlin indes steht russischen LNG-Lieferungen aufgeschlossen gegenüber. Aus Sicht des Auswärtigen Amtes etwa ist gegen russische LNG-Lieferungen nichts einzuwenden. Auch das Bundeswirtschaftsministerium scheint kein Interesse daran zu haben, Hürden für russische LNG-Lieferungen aufzubauen. „Wie auch bei Pipeline-Gas entscheiden private Händler und damit der Markt, von wem und auf welchem Wege sie Gas beziehen“, heißt es aus dem Haus von Minister Peter Altmaier.

Fachleute warnen ohnehin davor, russische LNG-Lieferungen gegenüber US-Lieferungen zu diskriminieren. „Es darf keine politisch motivierten Monopole geben. Auch nicht im LNG-Bereich“, sagte Andreas Kuhlmann, Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur (Dena), dem Handelsblatt. Er sieht die wachsende Zahl von Anbietern auf dem LNG-Markt positiv: „Der globale Wettbewerb im LNG-Markt wird immer dynamischer, und das ist gut. Er schafft Diversifizierung im Gas-Bezug und damit auch Konkurrenz und Effizienz. Am Ende stehen günstigere Preise, die den erforderlichen Umstieg von Kohle auf Gas in Deutschland und Europa beschleunigen.“

Kirsten Westphal, Energie-Expertin der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), stimmt dieser Einschätzung zu: „Russisches LNG ist ein interessanter Bestandteil des globalen LNG-Marktes. Es widerspricht der Logik dieses globalen LNG-Marktes, einzelne Player ausschließen zu wollen“, sagte sie dem Handelsblatt.

Tatsächlich ist die Bedeutung von verflüssigtem Erdgas aus Russland für Europa zuletzt deutlich gestiegen. Im vergangenen Winter ist bereits mehr LNG aus Russland als aus den USA in die EU geliefert worden, betont Westphal. „Auslöser waren sinkende Preise auf dem asiatischen LNG-Markt.“ Und Westphal prophezeit: „Die Bedeutung von LNG für den europäischen Gasmarkt dürfte in Zukunft eher wachsen.“

Mehr: Im östlichen Mittelmeer boomt die Suche nach Erdgas. Die Türkei fürchtet, leer auszugehen – und setzt auf Konfrontation mit Zypern und Griechenland.

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2 Kommentare zu "Gasversorgung: Flüssiggas-Terminals: Russland könnte stärker profitieren als die USA"

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  • So sollte es sein, Herr Schoenenberg, aber der lange Arm von Herrn Trump aendert manchmal die Sachlage.

  • LNG Terminals sind natürlich für alle Lieferanten offen. Falls Herr Trump günstige Angebote macht, gerne auch von ihm

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